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7. Folk am Neckar 2019

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Bei der siebten Ausgabe des Folk am Neckar war den Verantwortlichen das „Glück des Tüchtigen“ vergönnt. Bei perfektem Wetter konnte Jörg McWeir am Samstagabend verkünden: „Es ist ausverkauft!“

Schon am Freitag war der Platz am Tempelhaus von Neckarelz gut gefüllt, als die Celtic-Punker von Muirsheen Durkin gut gelaunt und bewegungsfreudig die große Bühne eroberten. Mit ihren respektlosen Uptempo-Versionen von Klassikern wie Danny Boy, aber auch eigenem Material hatten sie das altersmäßig gut gemischte Publikum bald auf dem Platz vor der Bühne.

Die sechs jungen Engländer von Gentlemen of Few hinterließen bei ihrem Deutschland-Debüt einen sehr guten Eindruck. Sie verarbeiten einige Jahrzehnte britische Popgeschichte von Rock bis Rap und punkteten auch mit mehrstimmigem Gesang. Das war tanzbar und ergab ein erstaunlich schlüssiges Klangbild.

Paul McKenna mit seiner Ausnahme-Stimme hatte schon länger auf der Wunschliste des Teams gestanden. Der Mann aus Glasgow präsentierte die neue Besetzung seiner Band, die mit Uilleann Pipes und E-Gitarre ihr Klangspektrum erweitert hat. Die filigranen, groovenden Arrangements und die klare politische Haltung sind geblieben.

Mancher mag bedauert haben, dass die Musik der letzten Band des Abend eher ruhig war. Aber wenn die absteigende Lautstärke dazu führt, dass die Nachbarn dem Festival gewogen bleiben, ist die Umkehrung der gewohnten Reihenfolge vernünftig.

Lebhaft begann dann auch der Samstag mit Tir Nan Og aus Bayern. Die Gruppe hat vom Irish Folk kommend den Weg Richtung Mittelalter/Fantasy eingeschlagen und  präsentierte überwiegend eigenes Material. Nyckelharpa und elektronischer Dudelsack erweitern das Klangbild. Ihre dynamische Präsentation zog auch schon am Nachmittag eine Menge Fans an.

Anschließend erlebten Eabhal ihre gelungene Deutschland-Premiere. Das junge Quintett aus Glasgow ist recht traditionell orientiert. Der gälische Gesang beeindruckte, im Mittelpunkt stehen bei Eabhal aber die Tunes. Nach einer gewissen Aufwärmzeit konnten sie ihre Qualitäten als Musiker*innen mit Temperament und Freude rüberbringen.

Die Idee zur Gründung von Larún entstand vor zwei Jahren während des 5. Folk am Neckar. So war es naheliegend, das neue Quintett einzuladen. Dessen Gründung hatte viel Aufmerksamkeit erregt, denn Larúns internationale Besetzung verbindet einige der profiliertesten Musiker*innen der deutschen irish trad.-Szene mit Newcomern. Die deutliche Spielfreude ließ fast übersehen, welch clevere Arrangements und technische Brillianz hinter der mitreißenden Wirkung steckte. Wie bei einer guten Session beflügelten sich die Mitglieder gegenseitig.

Was die beiden von Scannal ablieferten, war einfach unglaublich. Das Duo aus Dingle lässt alle Lied- oder Bandschemen hinter sich und dreht wie einst „Stars on 45“ alles durch den Wolf, was populär und fetzig ist. Verbindende Reels, Polkas und Slides verorteten das Ganze im County Kerry. Nur mit Gesang, akustischer Gitarre, Akkordeon und Stompbox zeigten die Zwei eine enorme Energieleistung. Macarena oder Despacito brachten das Volk vor der kleineren Bühne sofort zum enthusiastischen Mitmachen.   

Vor der Hauptbühne konnte dann gleich weiter gesungen werden. Skipinnish aus Schottland neigen wie ihre jüngst in Rente gegangenen großen Kollegen zum Hymnischen und erfreuen sich im 20. Jahr ihres Bestehens wachsender Popularität. Sie beziehen sich schon durch ihre Instrumentierung mit 2x Pipes/Whistles, Akkordeon und Fiddle deutlich auf die Tradition. Keyboard und Drums unterstützen den Groove. Bemerkenswerteste Umbesetzung war wohl der Zugang von Norrie McIver als Leadsänger/Gitarrist, dessen Ausstrahlung wesentlich zum Erfolg beiträgt. Skippinish konnten die Aufmerksamkeit halten, kaum jemand verließ den gut gefüllten Platz, bis gegen Zwölf unweigerlich Schluss war.

Der deutliche Schottland-Schwerpunkt, in Deutschland die Ausnahme, war laut Veranstalter eher Zufall. FaN verbindet ein keltisch orientiertes Profil mit der Lust auf Ungewöhnliches und besitzt damit ein Alleinstellungsmerkmal. Das Festival hat sich ein Stammpublikum aufgebaut, das auf den guten Geschmack der Programmgestalter vertrauen kann. Organisation und Ambiente stimmen, so dass man gerne wiederkommt – was auch für die Bands zutrifft. Termin nächstes Jahr: 7./8. August 2020.

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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