Bastards on Parade ~ Pipes and Drunx (2008)

Entweder ist das ein verdammt guter Promo-Gag oder ich kann mich sehr geehrt fühlen, denn der mir zugesandte Tonträger der Bastards on Parade aus Spanien trägt den Stempel #001 auf der schlicht-weißen CD. Umhüllt ist das gute Stück von kleegrüner Pappe, auf die – ganz Punkart – ein finster blickender, Pipes spielender Skull im Kilt vor einen fünfzackigen schwarzen Stern und ein Flammenmeer kopiert ist. Auf der Rückseite posen vier der fünf Bandmitglieder vor einem Sex Pistols Union Jack – soweit zur Hülle, nun zum Inhalt!

Ganz brav beginnt Track I mit fröhlichem Gepfeife des Dudelsacks. Was dann folgt ist dreckigster Folkpunk mit deutlichem Oi!-Einschlag und atemberaubendem Speed. Wer sich zur Zeit auf der Suche nach einem morgendlichen Weckton befindet, dem sei dieses Stück eindringlich empfohlen: Es muntert nicht nur durch die heitere Melodie zum Aufstehen auf. Sänger Davids „Let’s go!“ (Betonung auf „o“) wird den verschlafenen Hörer in sekundenschnelle aus dem Bett jagen und ihn mit drei Akkorden in das Bad peitschen. Der Text will allerdings nicht so ganz in das unschuldige morgendliche Szenario passen, denn „Pipes and Drunx“ zum Frühstück, sowie Whiskey sind doch nicht jedermanns Sache. Macht aber nichts, die Wortkomposition lässt sich ohnehin nicht ohne größere Anstrengung verstehen.

Im Gegensatz zu Stück Nummer eins schließt sich beinahe ruhig und emotional „Kind of Liars“ mit einer sehr dominanten Basslinie an. Schön trotz kratziger Stimme, einfühlsam trotz Tempo, gut arrangiert trotz leider zeitweise etwas deplaziert wirkendem Gitarrensolo. Großer Kritikpunkt: Man benötigt ein Booklet um den Emotionausbruch vollkommen zu verstehen – solange muss die Phantasie wohl aushelfen. Ähnliches kann man auch von Track III, „Skol“ behaupten, man kann dem Text bis zu jenem Moment einwandfrei folgen, an dem die Instrumente komplett einsetzen: Es handelt sich um einen Mann, der ein sein eigenes Leben nach eigenen Vorstellungen lebt, viel trinkt – und im Anschluss wird die Meinung des Erzählers über ihn preisgegeben, unterstützt von einem enthusiastischem Background-Chor. Beide Stücke sind auf einer Skala zwischen Oi-Punk und Folkrock sehr weit auf der Punkseite anzuordnen – jedenfalls soweit man die Lyrics versteht und Tin Whistle, Mandoline und Pipes sich vermissen lassen. „Me and the Boys“ ist ein Stück, von dem ich schwören könnte es schon einmal irgendwo gehört zu haben. Vermutlich weil es vom Vokabular und dem Sound her wie ein astreiner Punkrocksong aufgebaut ist: Es ist nicht mehr weit zu Bad Religion und den UK SUBS zu ihren besten Zeiten oder anderen Punkrockurgesteinen – oder der „Learning English-Lesson 1″ von den Hosen. Nicht schlecht, aber nicht sehr individuell, und wie die Bastards on Parade bei „Pipes and Drunx“ gezeigt haben, könnten sie sehr wohl ihren eigenen Stil haben. Die Spanier sind jedoch alles andere als enttäuschend, wie „Time to go out“ zeigt. Ein klassischer Drinking Song, der Oi! und Folk vereint und leicht melancholisch angehaucht die Unverträglichkeit von einer Überzahl von Drinks und Freundin behandelt.

Alles in allem besticht dieses Werk nicht nur durch die mitgelieferten Fields of Athenry- Sticker ihres Recordlabels. Die Jungs der im Sommer 2007 gegründeten Band können jeden überzeugen, der auf kraftvollen Oi-Punk mit starkem Dropkick-Murpheys – Einfluss steht (eine gewisse Ähnlichkeit der beiden Bands ergibt sich schon durch den Song „Bastards on Parade“ der Murphys) und dem Punkrock fröhnt. Finger weg von diesen Tracks! heißt es für alle, die sich mit dem Dudelsack als einzigen Folk-Einfluss im Punkrock nicht zufrieden geben oder die Wert auf eine sanfte Botschaft hinter gut verständlichen Lyrics legen.

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tica

Ehemalige/r Autor/in

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