Beoga – Before We Change Our Mind (2016)

Spieltechnische Beschränkungen scheint es für Beoga nicht zu geben. Sie können mit ihren beiden Knopfakkordeons und der Fiddle alle schwindlig spielen und jeden stilistischen Einfluss egal woher elegant umsetzen. Auf dem aktuellen Album knüpfen sie aber wieder deutlicher an ihre irischen Wurzeln an.
Sieben der elf Titel sind Instrumentalsets, die erneut Beogas Vielseitigkeit und Spielfreude demonstrieren. Bei The Convict kann man den entflohenen Sträfling quasi rennen hören. Alle enthaltenen Tunes sind diesmal selbst geschrieben. Sie sind meist den bekannten Sparten wie Jigs oder Polkas zuzuordnen. Trotzdem pflegen Beoga ihre besondere Fähigkeit, wechselnde Stimmungen von „besinnlich“ bis „überschäumend fröhlich“ zu erzeugen. Neu ist das geschickte Einbeziehen eines Streichquartetts. Klassik meets Trad. Eine solche Variationsbreite, in Kombination mit dem Konzertflügel, kann kein Keyboard erreichen. Die feinen Nuancen, die unerwarteten Wendungen sowie die mitreißende Power des preisgekrönten Bodhranspielers machen einfach Spaß.

Stark sind die vier Songs, welche Niamh Dunne vorträgt. Sie hat sich mit Bonnie Ship the Diamond und Farewell to Carlingford Lieder vorgenommen, die gern als Stimmungsmacher gebraucht werden. Beoga entkleiden sie dieser Funktion, unterlaufen die Hör-Erwartung und stellen sie in einen neuen harmonischen Rahmen, der ihre interessanten Melodien und die emotionale Aussage zur Geltung bringt. Wieder anders dargeboten ein unbegleiteter, berührender Song der Travellers (Wexford Town) und das wunderschöne Songwriter-Stück Like A Dime.

Das nach fünf Jahren Pause aufgenommene Album des Quintetts aus Antrim belegt einmal mehr, dass die Band in einer eigenen Liga spielt. 2016 kann man sie erfreulicher Weise wieder im Rahmen des Irish Folk Festivals sehen.

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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