Beoga ~ How to Tune a Fish (2011)

Eine neue Beoga-CD ist eine besondere Art von Wundertüte: man kann erstklassige Qualität erwarten, wird aber überrascht, was den Inhalt im einzelnen angeht. Klar ist vorher nur, dass man keinen der enthaltenen Titel schon in irgendeiner Form gehört hat, denn Beoga schreiben die meisten Tunes selbst und suchen für die Songs gern ungehobene Schätze. Wenigen anderen Gruppen ist es gelungen, einen unverkennbaren Sound zu schaffen, der Keltisches mit vielfältigen anderen Spielweisen verbindet.

Das irische Quintett bezeichnet den eigenen Stil als „New Wave Trad“. Zwei Akkordeons, Fiddle, Keyboard und Bodhran sind das Gerüst, weitere Instrumente und auch erlesene Gastmusiker (Flöten, Dobro, Banjo) geben jedem Titel ein anderes Gesicht. Die Einflüsse reichen von Country über Swing bis Hip Hop, und das unter Umständen in einer einzigen Nummer. Spiel- und arrangementstechnisch ist das die alleroberste internationale Liga.

„How to Tune a Fish“ ist nicht ganz so aufwändig produziert wie die Vorgänger-Alben und dadurch dem Live-Eindruck sicher näher, aber immer noch voller Finessen, die sich erst beim mehrfachen Hören erschließen. Die kraftvollen Slides oder Reels schlagen melodische Haken oder halten plötzlich im vollen Lauf inne, gehen schon mal ein wenig ins Selbstverliebte – bis dann in der nächsten Nummer eine völlig andere Atmosphäre aufgebaut wird. Reels wie Dolan’s 6am wirbeln furios mit tollem Bodhran-Einsatz; langsamere aber trotzdem raffinierte Stücke (Hay Days, Ballymacaldrick) geben eine Atempause.

Den Song vom Home Cooking des The Band – Bassisten Rick Danko kann man unter „Americana“ einordnen. Vielleicht haben ja kulinarische Erfahrung auf der letzten Tournee diesen Titel ins Programm gebracht? Mit Come in out of the Rain geht es dann gleich hundert Jahre zurück in die Music Hall – Zeit, was in meinen Ohren ungemein englisch klingt und mit liebevoll gemachten Klangdetails an altertümliche Rummelplatz-Karussells erinnert. Höhepunkt ist für mich A Woman of No Place, ein Lied über die Straßensängerin Margaret Barry (1917–1989), die aus einer Familie von Travellers stammte. Die warme, kraftvolle Stimme von Niamh Dunne macht B. Kerrs Song zu einem Tribut, den Margaret Barry redlich verdient hat. Beeindruckend ist auch die traditionelle Ballade Our Captain Calls All Hands. Mit zwei weiteren druckvollen Tunesets klingt die CD aus.

Alle 12 Tracks sind in kurzen und humorvollen Notizen im Einleger kommentiert, die sich meist auf die ungewöhnlichen Namen der eigenen Instrumentalstücke beziehen. Der Fisch des Albumnamens wird noch mit ins Gruppenbild gehalten. Lecker, so ein wortverspielter „Tuna-fish“.

Trackliste

  1. How to Tune a Fish
  2. Sticky Bun Slides
  3. Home Cookin‘
  4. Ballymacaldrick
  5. Dolan’s 6am
  6. Woman of No Place
  7. Hay Days
  8. Come in out of the Rain
  9. Humours of Taupo
  10. Our Captain Calls All Hands
  11. Back in the Lab
  12. Minute 5

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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