Beoga ~ Live at Stockfisch Studio (2010)

Live im Studio? Eigentlich ein Widerspruch, aber nicht, wenn man Beogas vorige Produktion The Incident kennt, die mit Multitracking und vielen Gastmusikern aufgenommen wurde. Im Northeimer Studio von Günter Pauler spielen die fünf Iren ohne Publikum, aber halt gradeheraus. Unverkennbar sind die keltischen Wurzeln. Beoga lieben aber auch die gepflegte Unterhaltungsmusik der Big Band – Ära. „Celtic Swing“ würde ich das Ergebnis nennen. Ihre Eigenbezeichnung „trad on anabolic steroids“ klingt doch ein wenig krass.

Die vier Herren aus dem Norden und die Dame aus Limerick sind nach acht Jahren als Band hervorragend aufeinander eingespielt. Außerdem stimmen die ausgewählten Tunes von Polka bis Reel sowie die Arrangements. Neben den mal traditionell, mal jazzig gestaltenen Instrumentalstücken beeindruckt Niamh Dunne nicht nur mit ihrer wunderbaren, etwas belegten Stimme, sondern auch mit der Songauswahl. Mit einem Song der Blues-Queen Billie Holliday hätte ich nicht unbedingt gerechnet (Please don’t talk about me when I’m gone).
Both Sides the Tweed
gab es bislang von Beoga nur auf dem Sampler des Irish Folk Festivals, wo sie 2008 dabei waren. Der ursprünglich schottische Song von Dick Gaughan ist für mich Höhepunkt der CD – grade auch, weil ich so manche andere Fassung kenne. Wie leidenschaftlich Niamh Dunne singt, die Titelzeile jedesmal anders interpretiert und die Kollegen eine meisterhafte Begleitung beisteuern – das ist internationale Spitzenklasse. Beim Boxy Set kann man erleben, wozu die Doppelbesetzung des Akkordeons gut ist. Rasante parallele Läufe, die ohne Akkordbegleitung harmonische Spannung haben – sowas schafft sonst niemand. Niamh Dunne spielt fantastisch Fiddle und kommt dank klassischer Ausbildung mühelos in höchste Lagen, z.B. beim Set Mickey the Pipes.

Eine Reihe Titel stammen vom ersten Album Mischief, andere von A Lovely Madness. Dopplungen mit dem bereits vorgestellten The Incident (2009) gibt es nicht.

Eine Besonderheit ist, dass die Scheibe als Hybrid-SA-CD produziert wurde. SA-bedeutet Super Audio, ein Format, dass die normale CD ablösen soll. Durch das Hybrid-Verfahren ist der Silberling aber in jedem normalen Player abspielbar. Auch dann ist der feine, lebendige Sound beeindruckend.

Ende Februar steht eine kurze, im November 2011 ein längere Deutschlandtour an. Als Vor- oder Nachbereitung des live-Erlebnisses ist die CD bestens geeignet.

Trackliste

  1. Trolleyed
  2. Factory Girl
  3. Jazzy Wilbur
  4. Mickey The Pipes
  5. Please Don’t Talk About Me When I’m Gone
  6. Boxy Set
  7. Both Sides the Tweed
  8. A Lovely Madness
  9. A Delicate Thing
  10. Soggy’s
  11. The Prelude Polkas
  12. The Solid Man
  13. Dirty Work

 

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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