Bernie Pháid – Síol (2014)

Ein ungewöhnliches Vorhaben: gälische Lieder auf einer CD mit Americana zu kombinieren. Bernie Pháid hat sich über mögliche puristische Vorbehalte locker hinweg gesetzt. Die Sängerin aus Dingle, die mit dem Irish Heartbeat Festival auf Deutschlandtour geht, fühlt sich einfach beiden Genres verbunden.

Sie singt mit einer klaren, nicht besonders kräftigen Stimme, aber mit einer persönlichen Note. Das tut den überlieferten Liedern gleich welcher Herkunft gut. Die ruhige, entspannte Ausstrahlung macht das Album angenehm. Die Sängerin greift hin und wieder zur Ukulele. Eine ganze Reihe guter Gastmusiker gibt den Liedern eine zurückhaltende, feine Untermalung.

Bernie Pháid ist offensichtlich der zurückhaltende Typ und versucht nicht, den Rocksängerinnen nachzueifern.Von den gälischen Liedern hat sie sich nicht die großen schwermütigen Balladen, sondern Wiegenlieder ausgesucht. Unter den US-Folksongs gehören The Cuckoo oder Ruben zu den Klassikern. Auch bei ihnen kann man sich gut vorstellen, dass sie in der Familie und nicht auf einer Bühne gesungen werden.

Gut interpretiert geben diese Lieder das Gefühl, Zeit und Raum überschreiten, weshalb die Kombination über den Atlantik hinweg dann doch passt. Bernie Phaid nimmt deutlich die weibliche Perspektive ein. Bei den Liedern von Bergleuten, Vagabunden oder Verbrechern mag mancher allerdings das Raue, Kantige im Gesang vermissen.

Als Souvenir von der Tour werden bestimmt viele Besucher Freude an dem sorgfältig produzierten Album haben.

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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