Black Anemone – In it for Life (2017)

Manchmal lehnt man sich weit aus dem Fenster, um später eines Besseren belehrt zu werden. So ging es mir, als ich mich 2013 nach dem zweiten Album von Sir Reg in der Aussage verstieg, das Skandinavien im Celticbereich jetzt durchstartet. Natürlich bleibt Sir Reg stark, aber andere vielversprechende Bands sind wieder verschwunden oder haben sich als Flogging Molly Coverband einen Namen gemacht. Doch das Licht der Hoffnung ist noch nicht erloschen. Während sich der allgemeine Focus also eher wieder Richtung Süden oder über den großen Teich verschoben hat, erreichte uns ein Umschlag aus Schweden. Darin ein Produkt, das durch und durch DIY atmet: Black Anemones „In It For Life“.

Nach immerhin zwei Longplayern droppen sie nun ihren nächsten Tonträger. Zwar handelt es sich hier eher um eine EP, da  sie  mit nur acht Songs aufwartet. Dennoch zeichnen die Eigenkompositionen eine hohe Qualität aus und sind durchmischt mit Standards. Grundsätzlich sind die Songs brettschnell und eingängig. So gibt es in „In it For Life“ einen nonverbalen Mitgrölpart, während „Amber´s Point“ eine catchy Melodie als Basis hat und „Every Dog has its Day“ mit entspannter Mandoline und Akkordeon aufwartet.  Da kann man ihnen auch den ausgelutschten Klassiker „Drunken Sailor“verzeihen.  Black Anemone bieten eine Basis aus Punk, darüber legen sie eine mitreisende Folkinstrumentierung.

Wenn man sich auf „In It For Life“ einlässt, dann stellt man schnell fest, wie abwechslungsreich die einzelnen Songs sind. Ein Indikator dafür ist Mattias: er singt meistens, als ob er am Grund eines Aschenbechers wohnt, in den eine Flasche Schnaps ausgelaufen ist. Aber bei „Amber´s Point“ meint man, es gibt einen zweiten Sänger – das Booklet sagt NEIN! Vielleicht der Indikator dafür, wie undogmatisch und kreativ die acht Musiker agieren. Allerdings zeigt schon die Familienaufstellung im Booklet, wie die Band hierarchisch aufgebaut ist. Die CD kommt in einem Jewel Case und dürfte aus dem heimischen Drucker stammen. Das gleiche gilt für das Booklet. Der Ansprechpartner ist der Sänger. DIY to the fullest eben. „Black Anemone“ hält vielleicht nicht die Fahne für Schweden hoch, aber definitiv ihre eigene! Wie sagt man so schön: „A Shure Shot!“

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