Circle of Bards ~ Tales (2010)

2010 produzierte Circle of Bards das Album „Tales“. Der sogenannte Kreis der Barden setzt sich eigentlich aus einer Person zusammen: Gitarrist, Textdichter, Komponist und Sänger Mariusz Migalka, der von drei Gastmusikern unterstützt wurde.

Der Eröffnungstitel „Welcome“ wird sowohl textlich auch musikalisch seiner Absicht gerecht und führt in den Grundtenor des Albums ein, d.h. insbesondere in eine positiv einprägsame und ansehnlich tonumfängliche Stimme! Offene Akkorde (ent)führen den Hörer in prosodischer Harmonie in sogenannte „magical times“, die es für die Dauer von elf Titeln zu ergründen gilt.

Schon der Folgetitel setzt diesen Duktus fort. Der nahezu kitschig-poppige Refrain überzeugt insbesondere durch astreinen Gesang. Glücklicher Weise bricht diese Stimmung durch einen Tempoumschwung, der, getragen von einem Duo-ähnlichem Übergang zwischen Gesang und Flöte, nahezu zwingend anmutet. So verliert die Musik den kitschigen Beigeschmack, überrascht mit unerwarteten Akkordwechseln und bleibt trotzdem eingängig repetierend. Synthetische Orchestersounds unterstützen den satten und dennoch nicht brachialen Gesamtklang, der letztendlich nichts von seiner ursprünglichen Authentizität verliert.

Auch dem Titel „Scarlet Moon“ gelingt der Balanceakt zwischen synthetischem Sound und authentischer Bardenmusik. So unterstützt sich Sänger und Initiator Mariusz Migalka bspw. durch eigene, eindeutig künstliche Backvocals. Genau meinen Geschmack trifft auch die Textauswahl des Refrains, der letztlich ein gut verständliches „nanana“ kulminiert.

Auch in den weiteren Titeln kristallisiert sich die Grenze zum Kitsch immer wieder klar heraus, die an einigen Stellen passiert und wieder verlassen wird, was dem Gesamteindruck indes keinen Abbruch tut. Vehementen Verfechtern echter Instrumentation ist nicht zu dem Album zu raten. Wen jedoch die Verwendung von Samples und Sounds in der Musik zusagt, ist mit diesem Album sehr gut beraten. „Our Own Land“ wartet bspw. mit der Verwendung eines intonationstechnisch absolut makellos klingenden Dudelsacks auf, der sich problemlos in den astreinen Gesamtsound schleicht. Dies betrifft gleichermaßen die Instrumentation als auch den Gesang. Letzterer ist besonders hervorzuheben – wegen seines Einfallsreichtums und insbesondere wegen seiner technischen Umsetzung.

Erfreulicher Weise wartet der Silberling auch mit zwei Titeln in der polnischen Muttersprache des Sängers auf, der sich sonst auch als Textdichter im Englischen verdingt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich ebendiese textlich auch mit Drachen, Barden und allerlei Fabelwesen befassen. Schließt man von der Musik auf den Inhalt, dürfte der geneigte Hörer jedenfalls auf der sicheren Seite sein.

Nicht selten scheint die liedhafte Eingängigkeit dem künstlerischen Schaffen von Blackmore’s Night ähnlich. Gleiches gilt auch für den Wechsel zwischen Gitarren- und Flötenteilen, die in der Wechselwirkung von Lautstärke, Melodieführung und Akzentuierung bestens aufeinander abgestimmt sind. Von entlehnt zu sprechen, würde aber dem eigenen Duktus von Circle of Bards nicht gerecht.

Alles in Allem ist „Tales“ ein sehr gelungenes Album, deren musische Verortung im Bereich Folk indes nicht recht gelingen will. Dennoch wartet das Album mit einem großen Spektrum folkhafter Elemente auf. Letztlich trifft das Prädikat „seichte Unterhaltungsmusik“ nur teilweise zu. Entlehnt man diese Zuschreibung den Sphären des bitteren Beigeschmacks, wird deutlich, was „Tales“ bietet: eine Reihe von Erzählungen, die z.T. mystisch, aber auch folkig umgesetzt sind. Eine Mischung also, auf die man sich nicht einlassen muss, da ihre Eingängigkeit den Weg ins Ohr problemlos allein meistert.

Trackliste

  1. Welcome
  2. My Magic Song
  3. Scarlet Moon
  4. Fighting the Dragons
  5. Our Own Land
  6. Czarne Smoki
  7. Bridges We Shall Pass
  8. Texzowy Most
  9. When the Bard Sings
  10. Circle of Bards
  11. Farewell


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