Derek Warfield ~ Washington’s Irish (2011) / Far Away in Australia (2011)

CDCoverZwei Themenalben, die sich mit dem Einfluss der Iren auf ihre neuen Heimatländer beschäftigen. Derek Warfield hat sich intensiv mit der Zeit auseinander gesetzt, als irische Rebellen in den USA und Australien eine neue Heimat fanden. Es wird aber nicht nur Liedgut von damals musikalisch aufbereitet. Der Dubliner Liedermacher hat viele Texte neu vertont oder zu Musik gesetzt. Mit den Young Wolfe Tones hat er zeitgemäße, mainstream-nahe Arrangements entwickelt, die trotzdem die Zeit vor rund 200 Jahren lebendig werden lassen.

Washington’s Irish – The Irish fight for American Liberty

Warfield hat sich acht Jahre lang intensiv mit dem Zeitraum zwischen 1765 und 1815 beschäftigt. Anstelle eines akademischen Grades stand am Ende dieses Album mit 18 Titeln und einem 48-seitigen Booklet. Der CD-Titel bezieht sich auf ein Dutzend Männer, die General George Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unterstützt haben. Was dem Historiker aus Leidenschaft völlig abgeht, ist eine professionelle Distanz zu seinem Forschungsgegenstand. Er identifiziert sich völlig mit dem Anliegen seiner Helden – vielleicht ein Ausgleich für die schmerzliche Tatsache, dass es bis zur Unabhängigkeit Irlands 150 Jahre länger dauern sollte.

Die Niederlage in Neuengland war der erste größere Schlag, den das Britische Empire hinnehmen musste, und Iren oder ihre Nachkommen waren maßgeblich an den Kämpfen beteiligt. In der Neuen Welt setzten sie ihren Kampf gegen die verhasste britische Krone fort, was ihnen nicht unbedingt gedankt wurde.

Derek WarfieldWarfield singt überlieferte oder aber selbst geschriebene Songs und trägt auch zwei Gedichte zu Musik vor. Er lässt uns mit seinen Leuten ins Schlachtgetümmel ziehen und hat einige ungewöhnliche Stories ausgegraben, etwa die von Molly Pitcher an der Kanone und vom Indianerhäuptling Tammany, welcher sich mit den Kämpfern verbündete. Warfield ist ein begabter Geschichtenerzähler und bestimmt auch auf der Bühne eine Persönlichkeit mit Ausstrahlung.

Obwohl das Unterfangen textlastig ist, bleibt die CD angenehm zu hören, spricht aber mehr ein älteres Publikum an. Die Songs sind oft sehr eingängig. Pipes oder Whistle und Akkordeon setzen die Akzente. Bass, Bodhran und Gitarre oder Bouzouki sorgen für einen stimmigen aktuellen Sound. Die „irische“ Instrumentierung von typisch amerikanischen Songs wie Yankee Doodle verweist noch einmal darauf, das kaum eine europäische Kultur so viel Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Musik hatte wie die irische.

  1. Irishman’s Epistle
  2. Dance the Song and The Shamrock So Green
  3. The Battle of Kings Mountain
  4. Matthew Carey’s Poem to St Tammany
  5. St. Patrick & Tammany Always Agree/ The Returned Yank
  6. Captain Molly (The Ballad of Molly Pitcher)
  7. O‘ Carolan’s Receipt
  8. Over The Hills and Far Away
  9. The Old Commodore (The Brave Old Ship Alliance)
  10. Suil a Ghra
  11. The Girl I Left Behind Me
  12. Success To America Says Old Granuaille
  13. George Bush’s Tunes: Kitty Will You Marry Me/Miss Moore’s Rant
  14. A Dream Of Liberty
  15. The Parting Glass
  16. When This Dreadful War Is Ended
  17. Rory O‘ Moore
  18. Yankee Doodle/The Three Little Drummers

 

Far Away in Australia

Der fünfte Kontinent ist seit rund 200 Jahren in der irischen Vorstellungswelt präsent und daher auch Gegenstand unzähliger Lieder. Australien hatte für die Iren verschiedene Bedeutungen: Furcht und Leid für die durch Deportation zerrissenen Familien oder das Versprechen von Aufstieg und Wohlstand für die Auswanderer.

Nach der Amerikanischen Unabhängigkeit wurde Australien von 1788 bis 1868 Ziel der Zwangsarbeiter-Schiffe. Berüchtigt war die Strafkolonie Van Diemens Land (heute Tasmanien). Deportation für mindestens 7 Jahre wurde bereits für geringfügige Vergehen verhängt und betraf daher Abertausende – nicht nur Iren! (Wer sich für die Zusammenhänge interessiert, sei auf die englische Folk-Oper The Transports hingewiesen.)

Songs aus Australien selbst wie die Räuberballaden über Ned Kelly und den Wild Colonial Boy sind in der Unterzahl. International populär sind die heimliche australische Hymne Waltzing Mathilda oder der Shanty South Australia.

Es fällt auf, dass mehrere der vorgestellten Lieder von Nachgeborenen zu historischen Themen verfasst worden sind: das populäre Back Home in Derry (Bobby Sands), The Band Played Waltzing Mathilda (Eric Bogle) und natürlich Fields of Athenry (Pete St. John). Warfield selbst hat ein aktuelles Spottlied auf die Queen als Staatsoberhaupt des Landes beigetragen und ruft dazu auf, die immer noch bestehende Bindung zur britischen Krone endlich zu lösen.

Auf „Farewell to Australia“ kommt wieder Warfields Liebe zu pompösen Arrangements mit Chor und Streichern zum Ausdruck. Back Home in Derry verliert dadurch etwas von seinem eingeschriebenen Zorn. Das Orchestrale bringt die Produktion in die Nähe des Schlagerhaften, obwohl die Band bei den Instrumentaltiteln – Farewell to Ireland! – immer wieder Genialität versprüht.

Auf der CD heißt der Untertitel „The Musical Story of Ireland and Australia“ im Booklet dagegen „The musical story of the Irish race in Australia Vol. 1”. Von der „irischen Rasse“ zu sprechen, ist spätestens seit den Invasionen der Wikinger und Normannen Unfug, von völkischen Assoziationen einmal abgesehen. Man kann bei dieser Auswahl von Hits auch nicht davon sprechen, dass hier eine musikalische Entwicklung nachvollzogen werde.

Derek Warfield hat wieder eine Menge interessante Fakten zusammengetragen und präsentiert sie auf leicht konsumierbare Weise. Wieder ist ein umfangreiches Booklet enthalten. Wenn es noch „Vol. 2“ gibt, würde ich mir bei der Textauswahl mehr Gegenwartsbezug wünschen.

1. Far Away in Australia
2. Back Home in Derry
3. Flight of The Earls
4. Australian Waters / Spirits of Wine
5. Shores of Botany Bay
6. Take Care of Your Fenians or the Yankees Will Steal Them Away
7. Australia a Republic
8. Black Velvet Band
9. Waltzing Matilda
10. South Australia
11. Farewell To Ireland
12. Around The Boree Log / Van Dieman’s land
13. With Me Swag All On Me Shoulder
14. Ned Kelly
15. The Band Played Waltzing Matilda
16. Castle Jig / Green Groves of Erin / Damp In The Attic
17. The Wild Colonial Boy
18. Fields of Athenry

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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