Dizzy Spell ~ An Nollaig (2010)

Kaum viertelstündig und damit viel zu kurz schleicht sich der neue Silberling von Dizzy Spell in das Gemüt weihnachtlich-gesinnter Folkfreunde. „An Nollaig – Irische Weihnacht“ heißt der fünftitelige Silberling der Schwindelbeanfallten und führt damit den gewählten Namen ad absurdum. In gewohnt eingängiger Melodik heimeln die zwei Damen und zwei Herren – der Silberling wurde gastmusisch um einen Kontrabassisten bereichert – den Hörer an und entführen ihn nicht nur gen Irland, sondern auch unter den christkindlichen Tannenbaum.

Dabei überzeugen Juliane Weinelt und Jan Oelmann einmal mehr mit ihrem eingängig-markanten doch niemals aufdringlichen Gesang. Hervorzuheben ist, wie auch bei den Live-Auftritten der Band, die exzellente Sangesleistung, die im Wechsel zwischen solistischer Darbietung und Mehrstimmigkeit für den sogenannten Irish Folk eigentlich eher untypisch, für die Musik der Formation indes stilbestimmend sind.

„Three Ships“ eröffnet mit genannter Mehrstimmigkeit und schunkelt sich mit Querflöte, Gitarre, Geige und Bass in das Sitzfleisch des gemütlich am Weihnachtsbaum harrenden Hörers. Nach nur zwei Minuten übernimmt „Good King Wenceslas“ zügiger, da perkussiv getragen, und gradtaktiger die Zügel des Albums. Melodik und Instrumentation bleiben eingehend, indes die Harmonik zu verblüffen weiß.

Der dritte Titel „Cradle Song“ überrascht mit sphärischen Klängen und seicht gehauchtem Gesang und wirkt dennoch imposant. Beinahe antithetisch wirken Gesang und Instrumentation , sodass ein Gesamtklang befremdlicher Intensität zustande kommt, der in Ferne winterliche Gestade zu entführen scheint. „Wexford Carol“ holt den Hörer zurück in die heimische Stube und überzeugt erneut durch den Countersoprangesang, der abermals vielstimmig umsungen wird. Die Perkussionistin Kerstin Braun hält sich bilderbüchlich im Hintergrund und ist dennoch präsent. So wie man es sich zur Weihnacht wünscht.

Nach nur zehn Minuten heißt es auch schon wieder Abschied nehmen. Dem Anlass entsprechend ertönt „O Come, O Come, Emmanuel“ beinahe sakral-hallenden unter dem akustischen Kirchenchor. Dizzy Spell haben mit diesem Silberling ein Glanzstück weihnachtlichen Folks geschaffen. Was die CD an Quantität vermissen lässt, bietet sie an Einfallsreichtum, professioneller Umsetzung und Liebe zum Detail. Da bleibt dem Wunschzettel nur eins hinzuzufügen: 2011 bitte ein längeres Weihnachtsalbum!


Trackliste

  1. Three Ships
  2. Good King Wenceslas
  3. Cradle Song
  4. Wexford Carol
  5. O Come, O Come, Emmanuel


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