Dreierbande Witten 07.09.2014

Witten hat das Glück, noch von Verbindungen aus Zeiten zu profitieren, als die Ruhrstadt „Mittelpunkt des Folk-Universums“ (Künstler – Ansage) war. Die Gruppen, die am Sonntagnachmittag als „Dreierbande“ im Hof von Haus Witten spielten, kann man nicht einfach als Paket buchen. Es war eine Verabredung von alten Freunden zu einer gemeinsamen Zeitreise an erinnerungsträchtigem Ort.

Die Fraunhofer Saitenmusik aus dem Süden, Liederjan aus dem Norden und Le Clou aus dem Westen wurden alle Mitte der Siebziger zur Hoch-Zeit des Folk-Booms gegründet. Wenn auch mit Umbesetzungen durch Ausstiege und Todesfälle sind sie ohne Unterbrechungen aktiv und gehen auf ihre vierzigjährigen Bandjubiläen zu. Gastparts bei den jeweils anderen Gruppen erweiterten das Spektrum, das instrumental ohnehin sehr reichhaltig war und von Okarina und Hackbrett bis Tuba reichte.

Die Fraunhofer Saitenmusik beschränkt sich nicht auf Alpenländisches. Bei ihnen stand die Vorstellung einer gesamteuropäischen Musik im Raum, die lokale Wurzeln hat, aber Grenzen leicht und lustvoll überschreitet. Dies verbindet sie mit Liederjan, die einst mit Irischem begannen, bevor sie ihre eigene hochklassige Mischung aus Liedermacherei und Kabarett entwickelten.
In die Sümpfe von Louisiana führten abschließend Le Clou aus Bonn. Die Gruppe machte die Cajun – Tanzmusik der französischsprachigen Siedler hierzulande populär. Mit Fiddle, Akkordeon und Gitarre zogen sie das Tempo noch mal an. So waren die drei Stunden bis zum gemeinsamen Finale aller zehn Beteiligten rasch vergangen. Wunderbar die kombinierten Carolan- und Mozart- Melodien.
Das Publikum, gleiche Generation, ging mit und hatte Spaß, tobte aber nicht. Schließlich sind alle Beteiligten, ob getrennt oder gemeinsam, älter geworden…

Fotos: Marc Dobrick

kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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