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Ed Romanoff – The Orphan King (2018)

Beruflich hatte Ed Romanoff schon alles Mögliche gemacht, als er vor zehn Jahren anfing, Songs zu schreiben. Er war über 50, als er sein erstes Album veröffentlichte. Mit The Orphan King legt er nun sein zweites Werk vor, das seine Qualitäten als Geschichtenerzähler unterstreicht. Mit seiner warmen, tiefen Stimme gelingt es dem US-Amerikaner rasch, die Hörerschaft in seine Welt hineinzuziehen.

Das Album hat nostalgischen Charme wie das eingesetzte leicht verstimmte Klavier. Die Lieder handeln von Liebe, Tod, Fehlern und Verlust, womit sie sich nahe an den alten Folk-Balladen bewegen. Entsprechend verdichtet und ausdrucksstark sind die Liedzeilen, was Romanoff als wirklichen Könner ausweist.

Das Titelstück trägt autobiographische Züge, es betrifft Romanoffs persönliche Wurzeln. ( Erst kürzlich erfuhr er, dass es nicht russische, sondern irische sind). Der Songwriter kann sich aber auch glaubwürdig in andere hineinversetzen. Protagonisten sind gebrochene Helden wie ein alternder Preisboxer oder ein knastentlassener Bankräuber. Meistens geht es aber um Frauen, um das Verlassen und Verlassenwerden. Man kann Reminiszenzen an berühmte Sänger der 1960er ff. heraushören, von Bob Dylan bis Johnny Cash. Motto: „harte Schale, weicher Kern“. Das wirkt vertraut und erinnert an alte Filme.

Ed Romanoff konnte bei der Produktion offensichtlich aus dem Vollen schöpfen. Mehr als ein Dutzend namhafte StudiomusikerInnen wirken mit und bringen neben dem grundlegenden Americana-Sound Tex-Mex-Trompeten, souligen Background-Gesang, folkiges Fingerpicking, harte E-Gitarre oder klassische Celloklänge ein. Das ergibt trotz der Gegensätze ein stimmiges Gesamtbild. Das Album strahlt Wärme und Bodenständigkeit aus.

Die CD wird hier von Proper Records vertrieben. Alle Texte sind im Booklet enthalten.

Titelbild: Shervin Lainez

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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