Fergus ~ Green Street (2010)

Fergus CD CoverFergus sind ein Quintett von der amerikanischen Ostküste und legen mit Green Street ihre erste CD mit voller Spielzeit vor. Die Scheibe ist absolut hörenswert und lässt erwarten, dass Fergus bald zu den bekannteren Namen zählen werden. Wer auf seiner Webseite Lob von Kevin Crawford ( Lunasa) vorweisen kann, sollte schon einiges drauf haben.

Begonnen haben Fergus 2007 als Trio mit Gesang, Bass und Gitarre, erst im vergangenen Jahr kamen Drums und Fiddle dazu. Eine E-Gitarre gibt es nicht, aber hinreichend andere Saiteninstrumente. Da Fergus erst einmal bestrebt sind, ihre Möglichkeiten auszuloten, kann man noch nicht von einem sofort erkennbaren Bandsound sprechen. Von etwas sperrig bis mainstream-Radio-tauglich gehen die vielschichtigen Arrangements.

Die Gegend um Boston ist für ihre lebendige irische Szene bekannt. Die fünf Mitglieder von Fergus kommen aus Worcester, ebenfalls in Massachussetts. Die Green Street liegt dort im irischen Viertel. Neben den familiären kulturellen Wurzeln bringen die Fünf ein breites musikalisches Spektrum mit. Nur der kleinere Teil ihres Repertoires ist traditionell. Rock-, Funk-, Latin- oder Jazzeinflüsse führen zu neuen Interpretationen. Ihr Material stammt aus Irland oder ist von irischen Künstlern interpretiert worden. Das lässt eine Menge Raum.

Fergus haben, was in keltisch-Rock-Kreisen selten ist: eine richtig gute Sängerin. Cait Sargent besitzt eine kräftige, warme Stimme und versucht auch nicht, wie Mariah Carey zu klingen. Astrein Bodhran spielen kann sie auch. Brendan Keenan beherrscht sämtliche Zupfinstrumente plus Akkordeon oder Keyboard und singt auch noch 2. Stimme. Myra MacLeod unterrichtet Violine und verfügt über entsprechende technische Fertigkeiten. Peter Himmer, Drums und Percussion, bringt überdurchschnittlich große rhythmische Vielfalt. Den Charakter der Band prägt nicht zuletzt der gelernte Jazzer Tom Lubelczyk am E- und Kontrabass. Der Sound ist insgesamt sehr dicht.

Rocky Road to Dublin von einer Frau gesungen zu hören ist schon mal ungewohnt. Auf ein gezupftes Riff werden Schicht für Schicht Gesang, Fiddle, Drums und eine unglaubliche Basslinie gelegt, bis bei der letzten Strophe eine groovende Sound -Wand steht. Auch bei Madam I’m a Darling wird fröhlich die Geschlechterrolle vertauscht, frech und schwungvoll. Ein weiterer Klassiker ist P Stands For Paddy. Kopiert wird nicht, die Planxty –Fassung wurde von Schwermut befreit, so dass der selbstbewusste und rockige Song für mich ein Höhepunkt ist. Verhalten dagegen Ralph McTells From Clare to Here. Die akustischen Gitarrensoli mit sanftem Beat bringen die Auswandererballade in die Nähe von Mainstream-Pop. Mehrere Songs stammen von heutigen irischen Liedermachern wie Thom Moore oder Gerry O’Beirne und sind hier noch nicht ganz so bekannt. Western Highway, The Curra Road oder Lover in Erin sind mindestens so sehr pop- wie traditionell beeinflusst und sehr eingängig. Carolina Rua, mit Mandoline und Percussion im Latin – Sound, macht einfach gute Laune. Gesungen hat es zuvor Mary Black. Ich hoffe, dass Fergus nicht deren Weg einschlagen, weg von den irischen Wurzeln hin zum Mainstream. Aber da gibt es auch noch das rockig-düstere Back of Beyond mit kräftigen Soundeffekten. Beim indisch angehauchten, langen Intro darf der Fretless-Bass mal richtig loslegen.

Die beiden Instrumentals sind als Soli angelegt. Den Clankey Jig hat Brendan Keenan selbst geschrieben. Durch das Mehrfach-Playback wirken die Zupfinstrumente seltsam steril, da die leichten Verschiebungen fehlen, die sonst den unisono-Klang einer Session ausmachen. Die Geigen-Jigs klingen klassisch-schön, bieten aber wenig Variationen oder Verzierungen, wie man sie von andern US-irischen Geigerinnen kennt. Dafür entschädigen Myra MacLeods klasse Soli und Harmonien in den Songs.

Der letzte Track Do Carlow Boys Come Home ist live aufgenommen. Wieder ein neuer, eingängiger Song aus Irland. Der Sound unterscheidet sich kaum von den Studioaufnahmen, was für die Qualität der Band spricht.

Fergus haben absolute musikalische Professionalität und und als Band ein enormes Potential. Ein europäischer Promoter tät nicht schlecht daran, die Fünf mal über den großen Teich zu holen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch ein großes Festivalpublikum im Handumdrehen von sich überzeugen würden.


Trackliste

1. The Clankey Jig
2. Rocky Road to Dublin
3. Lover in Erin
4. The Curra Road
5. Back of Beyond
6. P Stands for Paddy
7. Carolina Rua
8. From Clare to Here
9. Madam I’m a Darling
10. Calliope House / The Tenpenny Bit
11. Western Highway
12. Do Carlow Boys Come Home (live)


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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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