Fiddler´s Green – Winners & Boozers Deluxe Edition (2013)

WinnersBoozersDie Siebzehn ist da. Wenige Bands können auf eine so regelmäßige und erfolgreiche Diskographie blicken, wie die Erlanger Jungs. Die Chartkurve zeigt stetig nach oben. „Winners & Boozers“ soll nun diese Entwicklung fortsetzen. Dafür haben sich die Fiddlers wieder Einiges einfallen lassen und ihre Ideen in 16 neue Songs gegossen. Dabei haben sie es aber nicht bewenden lassen und für die die-hart Fans unter euch gibt es wieder eine Deluxeversion mit einer Bonus-CD mit sechs weiteren Songs drauf. CDs, Digipack und Inlay sind konsequent und hochwertig gestaltet. Aber hier bin ich wohl zu schnell. Also zurück auf Anfang und zum ersten Eindruck, den die Haupt-CD nach dem ersten Hören hinterlassen hat.

Das Album:

Mit „A Night in Dublin“ haben Fiddler´s einen Einstig gewählt, der die musikalische Entwicklung seit Peters Weggang gut zusammenfasst. Ein druckvoller Song der auf einer Punkbasis steht. Die Hook wird melodisch durch Akkordeon und Geige begleitet und sie stehen in einem guten Gegenpart zum Rumpelbeat des Schlagzeugs. Darüber singt Albi routiniert über die Reise- und Spiellust von Fiddler´s Green und unterstreicht damit noch einmal den State of Mind der Gruppe. Diese Energie wird dann in „A Bottle a Day“ aufgenommen und weiter getragen. Allerdings gradliniger in der Instrumentierung und auch mit einer Portion mehr Aggressivität. Ein Sauflied fürs Radio. Und so kommt mit „No Lullaby“ der logische Bruch. Das Runterholen des Hörers mit der Gelegenheit zum Durchatmen. Ein langsamer Walzer, abwechselnd getragen von Geige und Akkordeon, passend zur Katerstimmung in der Welt. Die Ballade beschäftigt sich mit den Einsammen, leider ohne Happy End.

Angefangen haben die Erlanger mit Traditionals und haben sich dann immer mehr zu einer eigenständigen Band entwickelt. Dennoch fehlen auf keinem Fiddler´s Album diese und so kommt mit „Old Dun Cow“ das erste auf Winners & Boozers. Gespielt in bester Bandtradition und eindeutig für die Bühne und die Party interpretiert. Wunderbar kann ich mir Albi vorstellen, wie er mit dem gekürzten Mikrophonständer sich im Kreis dreht und ihn mit ausgebreiteten Armen ins Publikum hält. Wird mal wieder Zeit für ein Konzert…

Ein zweiter wichtiger Punkt im Fiddlersuniversum waren Ska- und Reggaeanleihen. Auch auf Winners & Boozers findet man diese. „We don´t care“ startet mit einem sehr reduzierten und schnellen Skabeat. Doch ziemlich schnell entwickelt sich das Lied hin zu einer atmosphärischen Rockhymne. Auch hier gilt Tempo und Härte als Mittel zum Zweck. Allerdings findet sich in „We don´t care“ nichts besonderes oder neues wieder, was im Widerspruch zum Text steht. Geht es doch hier um eine Form von Einzigartigkeit. Und wenn man den deutschen Rockzeitgeist betrachtet, wäre es vielleicht wünschenswerter sich wie Snoop Dogg zu kleiden. Überhaupt finden sich viele „Geh stolz und gerade“-Texte auf der Platte, die sich aber nur aus sich selbst heraus speisen. Das ist mir zu wenig, da ich schon eher der „Fresse halten, selber machen“ Fraktion angehöre und mit flachen Wir-Gefühlen nicht viel anfangen kann. In diese Kategorie gehört auch „Raise your arms“. Allerdings findet man hier sehr schöne Brücken gespielt mit Flöte und Geige. Es ist immer wieder eine Freude Colin spielen zu hören.

Die erste Single zu Winners & Boozers ist, „The More the Merrier“. Man könnte es auch als Fiddler´s-Klassiker bezeichnen. Ich mags. Als Bonus dazu gibt es auch ein Video. Allerdings könnte man meinen, dass es zu „Bucaneer“ gehört, in dem Countryanleihen zu hören sind. Es ist wohl eher ein schnelles Stück Country. Das ist jetzt nicht so meins und mit „Never hide“ mein persönlicher Tiefpunkt auf der Platte. Denn genauso wie „Fields of Green“ von der Wall of Folk kann ich mit vermeintlichen Fußballhymnen nix anfangen und nicht um sonst findet sich hier „Fields of Athenry“ wieder. Auch „Song for the Living“ ist ein gutes Stück Fiddlers, aber jetzt nicht besonders. Deshalb schnell zu meinem persönlichen Favoriten: „No more Pawn“. Das alte Thema Liebe und die damit verbundenen Schwierigkeiten musikalisch in einem reaggeesken Stück verpackt. Albi singt souverän und die Stefans Akkordeon trägt entspannt durch das Stück. Vielleicht liegt es auch am Sommer, aber „No more Pawn“ ist mein Tipp. „Maria“ sorgt dann für eine Unterbrechung. Eine schöne Polka mit einer Hook. Man kann „Maria“ also getrost als Instrumental bezeichnen. Auch kommen hier wirklich neue Töne zum tragen, zwar sind Polkas jetzt nicht unbedingt neu, aber die Spielart lässt mich an Bands wie The Dreadnoughts oder The Pubcrawlers denken. Auch ein schönes Ding. „Blacksmith Reel“ lässt im ersten Moment längst vergangene Gefühle aufkommen. Allerdings nur kurz, nämlich 59 Sekunden lang. Wäre Winners & Boozers ein Rapalbum, würde man getrost von einem Skit sprechen. Mit „Don´t Look Back“ kehrt die Platte dann in altes Fahrwasser zurück. Der Song steht musikalisch in einer Reihe mit „A Bottle a Day“ und „Never Hide“.

Das Ende der Platte läutet dann noch mal ein Traditional ein. „Old Polina“ beginnt mit Akustikgitarre und Bodhran, steigert sich dann immer mehr. Instrument nach Instrument setzt ein, Chorus kommt hinzu. Sehr traditionelle Interpretation, aber gut gemacht. Dann der Break und das ganze geht in ein Instrumental über. Man kann sagen, es handelt sich hier um einen Fiddlers Basic. Den Schlusspunkt setzt dann noch mal Albi mit „Into the Sunset again“. Wer Fiddlers live kennt, kann sich das gut vorstellen: Bühne dunkel, Band weg. Albi und seine Akustikgitarre kommen alleine auf die Bühne. Spotlight. Er beginnt zu singen. In den Schatten bewegt sich was. Tobi und Stefan beginnen leise mit der Unterstützung. Das ganze schafft Atmosphäre. Hier hinterlässt es einen melancholisch und passt damit gut zur Stimmung des Albums.

Das Fazit:

Selten haben Fiddler´s Green mit Winners & Boozers einen passenderen Titel gefunden. Den Weg den die Band nach ihrer Zäsur 2006 eingeschlagen hat, sind sie hier konsequent weiter gegangen. Jedes Fiddlers Album hat eine spezielle Atmosphäre, so auch Winners & Boozers, allerdings fehlen mir oft die Abwechslung in den Stücken und den Lyrics. Vielleicht liegt das an einer Art Grundgerüst die viele Songs aufweisen und vielleicht täte der Abwechslung in den Themen mehr Zeit ein Gefallen. Vielleicht ist aber auch hier das Geheimnis des wachsenden Zuspruchs verborgen. Ich finde das man das Album in zwei Kategorien einteilen kann. Songs wie „No more Pawn“ oder „The More the Merrier“ sind eindeutige Gewinner, die ich mir immer wieder gern anhören werde, während Songs wie „Never Hide“ zu den Boozers gehört. Die Musik von Fiddler´s Green ist professionell gespielt. Das Niveau ist hoch, es fehlen ein wenig die Überraschungen. Jeder Celtic-Punk Fan kann das Ding aber getrost kaufen. Wie sagt man so schön – a sure shot!

Die CD als Produkt:

In Zeiten, in denen viele Bands nur noch mp3s veröffentlichen, möchte ich mal als Gegenstimme auch auf das Dreidimensionale, Reale eingehen. Die CD in ihrer Hülle. Fiddler´s Green haben nicht nur während den letzten vier Veröffentlichungen an ihrer Musik gearbeitet, sondern auch an dem Design der Band und das schlägt sich natürlich vor allem in ihren Veröffentlichungen wider. Der Grafiker hat das Thema der Platte wunderbar eingefangen. Jeder der sich die Zeit nimmt, das Cover zu betrachten, findet den Inhalt und die Musik von Fiddler´s Green graphisch dargestellt. Die Deluxeversion kommt in einem liebevoll gestalteten Digipack. Wenn man das Zellophan aufreisst schwillt das schon die Vorfreude. Das haptische Erlebnis steigert das dann noch und man stellt fest, dass Inlay, Cover und CDs durchdacht sind. Sie greifen die Musik wieder auf. Das Ganze ist ein Komplettpaket, dass es mir schleierhaft macht, wie man darauf verzichten kann. Ein Punkt, den Fiddler´s Green perfekt beherrscht.

Die Bonus-CD:

Einen echten Wermutstropfen gibt es dann doch. Die Bonus-CD bringt sechs Pianoversionen, die leider jegliche Authentizität vermissen lassen. Die Songs wirken gestellt wie die Fotos der Band. Und während das bei Albi gesanglich noch einigermaßen funktioniert, kann Pat die Lieder nicht füllen. Die Stimme gehört zum Punk. Während bei Wall of Folk die Bonus-CD wie eine eigenständige EP funktioniert und echte Kracher beinhaltet, kann ich mit den Pianoversionen nichts anfangen. Da ich den guten Eindruck von Winners & Boozers nicht schmählern will, gehe ich auf den Bonus nicht weiter ein und empfehle die normale Albumversion -> sure shot.

 

Trackliste

  1. 01. A Night In Dublin
    02. A Bottle A Day
    03. No Lullaby
    04. Old Dun Cow
    05. We Don’t Care
    06. Raise Your Arms
    07. The More The Merrier
    08. Buccaneer
    09. Never Hide
    10. Song For The Living
    11. No More Pawn
    12. Maria
    13. Blacksmith Reel
    14. Don’t Look Back
    15. Old Polina
    16. Into The Sunset Again

Bonus-CD:

  1. The More The Merrier
  2. Victor And His Demons
  3. Highland Road
  4. Sporting Day
  5. Apology
  6. Lost To The Moon

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