Firkin ~ Firkinful of Beer (2009)

FirkinfulBevor ich diese Band auch nur ein erstes Mal hörte, wusste ich: Diese Rezension wird ein großes Vergnügen. Eigentlich sollte man sich nicht derartig von Äußerlichkeiten leiten lassen, doch hier konnte ich den Verführungskünsten des Designs der Band nicht widerstehen: Auf dem Booklet umrandet ein saftiges Grün den weißen Shamrock in Klebdruckmanier, auf der Rückseite lächelt man über das idyllische Schwarzweißbild, auf dem ein kleiner Junge ein viel zu großes Cello hält – und erst der Duft dieses Booklets….

Nur Blendwerk? Keineswegs. Ein kurzer Blick auf die kurzen Live-Streifen bei You-Tube imponiert ebenfalls im Bruchteil einer Sekunde, denn diese Band lebt, wogt, feiert, zelebriert ihre Auftriffe, das bunte Farbenspektakel in den Haaren der Violinistin Sushi findet sich auch in der Spielart der sieben Bandmitglieder wieder. Dabei sind sie noch gar nicht so lange eine musikalische Einheit, die sich in der Absicht gründete, ihr Publikum zu entspannen, zu lösen, zum Tanzen zu bringen und mit Energie, Bier und Wein aufzufüllen. Initiator der Band, die lupenreinen Irish Punk spielt, ist Flötist János Péter. Im Sommer 2008 sammelte er musikalische Multitalente um sich, die nicht selten schon im grünen Alter von 6 Jahren begannen, sich einer Reihe von Instrumenten zu widmen und sich gegenwärtig in mehreren Bands und Orchestern musikalisch verwirklichen. Bandleader János Péter spielte beispielsweise nicht nur bei Celtic Bands wie M.É.Z. oder SHANNON.HU, mit denen er vor kurzem „From Dawn to Dawn“, eine sogenannte Celtic World Music Show, performte, sondern betätigte sich auch als Flötist und Whistler für Filmmusik und Theaterproduktionen. Die schlichte, aber nicht minder hübsche grüne Erstlings-CD produzierte er denn auch eigenständig.

Die meisten der siebzehn Songs auf der Platte hat die Band komponiert, nicht ohne sich reichlich am Kanon der (irischen) Folkmusik zu bedienen, wie z.B. dem „Drunken Sailor“, „Whiskey in the Jar“ oder dem „Irish Rover“. Doch auch bei ihren „Forefathers“, wie sie ihre Idole liebevoll nennen, hat sich ihr Set orientiert. Neben Pete John’s „Fields of Athenry“ kommt man in den Genuss gleich dreier Songs von Flogging Molly: „Within a Mile of Home“, „Laura“ und „Devil’s Dance Floor“. Ob Cover oder Selbstkomposition, die Jungs und Mädels werden ihrer langjährigen musikalischen Erfahrung gerecht und spielen die Stücke mit beeindruckender Perfektion und großem Können, ohne die Seele oder gar den Spaß am Folkrock zu verlieren. Wer schon Erfahrungen mit der Querflöte gesammelt hat, wird von János Fähigkeiten beeindruckt sein, denn es scheint, als ob er sein Instrument kaum berührt, während er seine Sechszehntel mit mehr als 3 Ansatztechniken in einem Takt gekonnt in den Raum stößt. Dabei wirkt kein Ton nur so dahingeschludert oder erzwungen, alles wirkt leicht und sicher. Das Gleiche gilt für den begnadeten Gitarristen, der auf „The Galways Races“ das Solo spielt, für Shuti, der im Stil der 1980er das Intro für „Blood for Blood“ auf seinem Bass slapt oder das Flötensolo, dass im selben Stück über den bebenden, lebenden Bass gelegt wurde. Zur Professionalität gesellt sich Palis kernige Stimme, die auch bei zunächst ruhigeren Stücken wie „Over here“ die Stimmung glaubwürdig zum geneigten Hörer trägt und mit jedem Takt an Eindringlichkeit gewinnt. Etwas gewöhnungsbedürftig erscheint einzig die Interpretation des „Wild Rovers“, die durch eine Gitarre in Off-Beat-Art hervorsticht. Die Technik ist dennoch, wie auf jedem der Stücke, meisterlich beherrscht.

Seit Oktober erfreuen sie nun schon hauptsächlich in Ungarn auf ihrer laufenden Tour mit Konzerten voller Lebensfreude und Spaß an der Musik, die sieben Wirbelwinde auf der Bühne mit der enormen Körper- und Instrumentenbeherrschung – auch hier würden sie sich sicher viele neue Fans fangen, würden sie uns denn mal hierzulange mit Konzerten beehren – bis dahin bleibt ihren neuen Fans ein mehr als gelungenes Album voll des bodenständigen Folkpunkrocks. Wie das Cover versprach, ein großes Vergnügen.


Trackliste

  1. The British Army
  2. Drunken Sailor Song
  3. Whiskey in the Jar
  4. Blood For Blood
  5. Over here
  6. The Galaway Races
  7. The Irish Rover
  8. Wild Rover
  9. Bitchin’ in the Kitchen
  10. Within a Mile of Home
  11. Fields of Athenry
  12. Eileen Og
  13. Laura
  14. Seven Drunken Nights
  15. Devil’s Dance Floor
  16. Firkinful of Beer
  17. The Parting Glass


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tica

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