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Folkival Nürtingen 2018

Das Folkival des Nürtinger Vereins Kuckucksei e.V. hat viel von einem Familientreffen. Die meisten Besucher sind „Wiederholungstäter“.  In diesem Jahr traf man sich zum elften Mal. Fünfzig ehrenamtliche Helferinnen und Helfer machten es wiederum möglich, Top-Gruppen in einem Club-Rahmen zu erleben. Traditionell beginnt das Event mit der freien Session am Donnerstag, welche sich an den weiteren Tagen bis in die frühen Morgenstunden fortsetzte.

Der Freitag eröffnete mit einem akustischen Duo, war aber der rockige Tag. Stout ernteten viel Anerkennung für ihre unterhaltsame Art, alte Gassenhauer gegen den Strich zu bürsten und mit Tunes oder weniger Bekanntem zu verknüpfen.

Die Krusty Moors um Sänger Paul „Scruffy“ Burke erschienen diesmal als Sextett. Mit ihren peppigen Versionen einiger Klassiker brachten sie die Leute auf der freigeräumten Hälfte des Saals in Bewegung. Leider war das Schlagzeug so laut, dass die akustischen Instrumente sich schlecht durchsetzen konnten.
Eine echte Rockshow boten die Brogues, die ebenfalls zu Sechst, mit neuem Geiger, antraten. Wenn die Krusty Moors eine Folkband mit Rockelementen sind, verhält es sich bei den Brogues umgekehrt.  Die Bands hätten noch mehr Besucher, vor allem Rock-orientierte, verdient gehabt.

Der Samstag wartete vor vollem Haus mit einem akustischen Spitzenprogramm „Made in Germany“ auf. Jede Gruppe war zwar der irischen Musik verbunden, aber nicht darauf festgelegt, und hatte jeweils andere Stärken. Das neue Projekt Ship under Sail um Organisator Johannes Single brachte eine sessionmäßige Erweiterung der Hoodie Crows auf die Bühne. Ausnahme-Flötist Steffen Gabriel musste bei Trasnu gleich noch mal ran. Guido Plüschke glänzte nicht nur an der Bodhran, sondern auch durch seine witzigen Sprüche. Mit Zorny Bode/Gitarre ist das Trio instrumental optimal aufgestellt.

An Rinn, als Band grade 25 geworden, überzeugten  mit ihrer gesanglichen Stärke ebenso wie mit ihrer instrumentalen Vielfalt von Small Pipes bis Hackbrett. Die Gruppe ist selten außerhalb von Niedersachsen zu erleben und kam gut an. Senior Brian McSheffrey legte ein von Herzen kommendes Bekenntnis zum kulturellen Austausch in einer offenen Gesellschaft ab. Das passte gut zum Engagement des Festivals für Nürtingen ist bunt. Die Initiative wurde kurz vorgestellt, bevor Iontach begannen. Das international hoch gelobte Trio mit Siobhán Kennedy, Jens Kommnick und Nick Wiseman-Ellis setzt Maßstäbe, nicht nur was die technischen Fertigkeiten, sondern auch was den Ausdruck angeht. Ihre  Lieder gingen unter die Haut.

Für den Abschluss hatten sich Bachelor’s Walk noch einmal zusammen getan. Die älteren Herren um Fiddler Mick Davis haben sich mit zwei Jüngeren verstärkt und noch nichts verlernt. Die seit 30 Jahren aktive Band zog sich nicht auf die gewohnten Pub-Songs zurück, sondern präsentierte ein internationales, unterhaltsames Programm.
Die zuletzt gemeinsam gesungenen „Moorsoldaten“ waren eine klares Bekenntnis und ein würdiger Abschluss.

Fotos: Martin Werk

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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