Garden of Delight’s Avalon ̴ Rebirth of Camelot (2012)

Rebirth of Camelot
Rebirth of Camelot

Wohlklingende Namen, die zudem auch noch auf einen mystischen Stoff verweisen, kleiden nicht nur ungemein prächtig, sondern schaffen darüber hinaus eine inhaltliche Erwartungshaltung, die nun – gemäß dem Motto „nomen est omen“ – einiges zu erfüllen hat. Der neue Ableger des musischen Workaholics Michael M. Jung heißt Garden of Delight’s Avalon und wartet mit Rebirth of Cameloth auch gleich mit einem Zwölftitler auf, der nun bedauerlicher Weise dieser Erwartungshaltung gerecht werden muss. So lässt man auf der Homepage verlautbaren:

Das Rezept, das Sänger, Komponist und Saitenvirtuose Michael M. Jung mit seiner Hauptformation G.O.D. seit nunmehr 15 Jahren zum erfolgreichsten Autor keltischer Musik in Deutschland gemacht hat, soll nun auch das wunderbare Instrument Dudelsack einem breiteren Publikum näherbringen

Diese Selbstkür wird im Folgenden auch noch gleich unterstrichen:

Jetzt gerade wurde von der BBC in England eine Sendung über die Kelten in Europa mit 7 Songs aus der Feder von Michael M. Jung hinterlegt.

Ist der Dudelsack tatsächlich ein Instrument, das bisher eher in der Wahrnehmungsperipherie der deutschen Musiklandschaft verkümmerte? Tatsächlich sind Gitarre, Bass, Schlagzeug und vielleicht auch Violine in Unmengen anzufinden, aber zieht dies notwendiger Weise die Schlussfolgerung nach sich, dass der Dudelsack zu wenig Aufmerksamkeit erfährt? Meiner Wahrnehmung entspricht dies nicht. So verschreiben sich Bands wie bspw. The Aberlour’s vielmehr der Pflege antiquierter und fast vergessener Instrumente. Es mag ein Irrglaube sein, aber Musik kann durchaus gemäß der Auffassung l’art pour l’art funktionieren – und möglicher Weise ist Unterhaltung eo ipso das Ziel künstlerischen Schaffens in unserem Genre. So viel also zur selbsterklärten Absicht. Der Opener des Albums, Camelot, klingt dann wie folgt:

Synthetisch unterlegt bricht das Klavier einige Akkorde, ehe ein epochaler Sound metallesker Wucht über das Plätschern bricht. Hinzu kommt der erste in die öffentliche Wahrnehmung zu fördernde Dudelsack. Dass in Zusammenarbeit mit dem „talentiertesten Dudelsackspieler Deutschlands, Mario Rossa, (diverse deutsche Meistertitel in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden in den Jahren 2011 und 2012, ein kontinental-europäischer Meistertitel im Jahr 2011, sowie ein 6. Platz im Rahmen der Glasgower Weltmeisterschaften im Jahr 2012)“ kein auf Mittelaltermärkten gern kultivierter Monotonie-Sound entsteht, liegt in der Natur der qualitativen Ausrichtung. Dem melodiösen Obergewand gesellt sich ein weiteres Oberkleid in Form wuchtiger E-Gitarren-Riffs hinzu.

Und so setzt sich das Album auch fort: Synthetische Untersounds, darüber immer wieder Keyboard-orchestrale Einblendungen und wuchtige E-Gitarren. Das Ganze wird dominiert von einem Dudelsack – fein gespielt, doch für weniger pipes-affine Hörer auf Dauer doch ein wenig eintönig. Das liegt nicht am wahrscheinlich ursprünglich aus Indien stammenden Melodie-Instrument, sondern vielmehr an der Gleichartigkeit des Drumherums. Und so erinnert das Werk bereits nach dem dritten Titel an eines: Den gut vermarktbaren und massentauglichen Ableger aus dem Regal „Weltmusik“ bei Weltbild oder Rossmann. Das musische Klischee lässt grüßen und gewandet sich dabei leider wie Gregorian oder Santiano. Morgan Le Fay ist ein tanzbarer Lichtblick auf dem Weg durch das Klischeeland König Arthurs. Auch Seven Lives – endlich mit Gesang – ist ein Lichtblick innerhalb dieses ermüdenden Konglomerats.

Volle zwölf Titel währt dieses Spiel. Folk, der sich eigentlich durch Ursprünglichkeit auszeichnet, wird hier in eine Mainstream-Verkleidung gepackt, die ihm nicht gut zu Gesichte steht. Wer also Lust auf ein Album hat, das gut und gerne im Hintergrund laufen kann, weil einfach nichts passiert, der ist mit „Rebirth of Cameloth“ gut beraten. Wer sich von jedem neuen Album ein winziges Novum verspricht, wer genug hat von dem ewig gleichen E-Gitarren-Hintergrund-Martialischen, wem das Ursprüngliche mehr liegt als das Kompatible, der sollte die Finger von diesem Silberling lassen. Leider.

 

Trackliste

  1. Camelot
  2. Arthur’s Throne
  3. The Army Of The Dead
  4. A Knight To Remember
  5. Seven Lives
  6. Morgen Le Fay
  7. Excalibur
  8. Uther Pendragon
  9. Vivian’s Dance
  10. The Night Of Beltane
  11. A King Is Born
  12. Drums And Pipes

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