Irish Maiden ~ Tavern Songs (2013)

IMcoverDie Luft bei uns am Nordrand des Sauerlandes scheint für keltischen Rock günstig zu sein; dafür stehen eine Reihe namhafter Bands und Festivals. Wenn wir die Tavern Songs von Irish Maiden aus Hemer/Iserlohn jetzt als Album des Monats herausstellen, ist das aber nicht nur dem Lokalpatriotismus geschuldet. Irish Maiden braucht landesweit keine Vergleiche zu scheuen und verbindet Folk und Rock aufs Feinste.

Seit dem Vorgänger Hard Whiskey Sound hat sich eine ganze Menge getan. Die Mitgliederzahl hat sich auf acht (!) erhöht und das Instrumentarium wurde deutlich erweitert. Was mir auf dem Festival Hohenlimburg im Mai gut gefallen hat, zeichnet auch das Album aus: das Integrieren unterschiedlicher Stilrichtungen zu einem stimmigen, abwechslungsreichen Ganzen, wobei Tanzbares im Vordergrund steht.

Das erste eigene Stück, der von Multiinstrumentalist Marc geschriebene Titelsong, schaffte auf Anhieb Platz 1 in unseren Charts, eine rockige Gute-Laune Nummer. Sie passt zu Drunken Lullabies oder den beiden anderen Flogging Molly – Covers. Sänger Alex hat das richtige Organ für die punkig angehauchten Nummern, während Harry viele Jahre Folk-Erfahrung einbringt, die den irischen Standards zu gute kommen.
Das ist keine Rockband, die nach der Additionsmethode ein paar akustische Instrumente obendrauf packt. Die geschickten Arrangements verweben Elektrisches und Folkiges, so dass eine Reihe schöne Kombinationen zu hören sind: Highland Pipes und Akkordeon, Whistle und Mandoline, oder ganz konventionell – schöne E-Gitarrensoli mit Rhythmusgruppe. Der Bass hält sich im Hintergrund, das Schlagzeug lässt es an den richtigen Stellen krachen.

Andre Maske (Pipes) kniet sich reinJedes Mitglied durfte sich aufzunehmende Titel wünschen, so dass ein breiter Mix zusammenkam. Interessanter als die sattsam bekannten Johnny I Hardly Knew Ya oder Galway Races fand ich die beiden aus England importierten Songs: das wunderbar swingende Levellers – Cover Carry Me mitsamt Mundharmonika und das sarkastische Partytime (Chavbury ) mit Ska-Anklängen, es stammt von Leatherat (mit denen wir von c-r uns unbedingt beschäftigen sollten). Live bekommen die Pipes – Stücke The Gael und Highland Kathedral die größte Aufmerksamkeit und dürfen natürlich nicht fehlen. Neben den amerikanischen Celtic-Rockern nennt die Band auch das Dortmunder Akustik-Duo Bardic als Einfluss, und deren All Song is Sung bildet einen besinnlichen, aber nicht sentimentalen Abschluss. Ein solides Album, das zeigt, was mit Ausdauer und Engagement auch bei Nicht-Profis geht.

Nur in einem Punkt sehe ich Verbesserungsmöglichkeiten: Irish Maiden haben genug Sänger, um sich mit den Lead Vocals mehrfach abzuwechseln. Da müsste bei den Refrains, z.B. Back Home in Derry, doch ein bisschen Mehrstimmigkeit gehen – auch wenn das nicht punkig ist… Schade auch, dass trotz des Namens ;-) derzeit keine Frau dabei ist. Aber es gibt ja enge Verbindungen zu den 1st Sauerland Pipes and Drums, die einige DudelsackspielerInnen abordnen können.

Aufgenommen wurde Tavern Songs an vielen verschiedenen privaten Örtlichkeiten, alles andere wäre bei acht Leuten erfahrungsgemäß schwierig geworden. Das hat geklappt und entspannte Ergebnisse geliefert. Auch der Soundmix ist gut gelungen.

An Infos zum Album kam man bislang nur im persönlichen Gespräch. Es gibt zur CD bisher erst ein dünnes Einlegeblatt mit den Titeln, allerdings mit zwei brillanten Bandfotos. Ein richtiges Booklet soll bei der Nachpressung folgen. Demnächst werden sicher auch die versprochenen Details auf der Homepage erscheinen.

Irish Maiden in Herdecke, 13.07.13 Mitglieder

Alex (Vocal)
Stefan (Guitar)
Harry (Guitar, Vocal)
Markus (Bass)
Marc (Whistle, Mouth Harp, Vocal, Accordeon)
Andy (Guitar, Mandolin)
Andre (Pipes, Vocal)
Georg (Drums, Vocal)

Trackliste

  1. The Tavern Song
  2. Drunken Lullabies
  3. Party Time (Chavbury)
  4. Carry Me
  5. The Gael
  6. Rare Ould Times
  7. Rosin the Bow
  8. Johnny I hardly knew ya
  9. Galway Races
  10. Back Home in Derry
  11. What’s left of the Flag
  12. Devil’s Dance Floor
  13. Highland Cathedral
  14. All Song is sung

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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