Jim McDonald – Pieces Of Me (2015)

Über englische Folkclubs wird auf der Insel viel gelästert: sie seien rückwärts gewandt und daher für das schlechte Image von Folk selbst verantwortlich. Ich habe dort aber viele gute Künstler und magische Momente erlebt. Die Clubs geben Profis ebenso wie Amateuren ein Forum und die Chance, sich zu entwickeln. Das bringt eine Menge Leute hervor, die singen und ein Publikum unterhalten können, ohne je große Berühmtheit erlangen zu wollen. Jim McDonald ist dafür ein gutes Beispiel.

Der gebürtige Schotte lebt seit Jahrzehnten in Yorkshire, wo ich ihn kennenlernte. Als Sänger in zahlreichen Clubs hat er sich stetig weiterentwickelt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben als Bibliothekar hat er mit Freunden diese CD aufgenommen, auf die er mit Recht stolz sein kann. Das Material ist von der Stimmung und Herkunft her genauso gemischt wie ein Folkclub – Abend, mit ernsthaftem Songwriter – Material ebenso wie Locker-Unterhaltsamem. Von manchen Titeln hätte ich mir eine Live – Version gewünscht, weil die Interaktion mit dem Publikum fehlt.jimCD

Jim singt sehr klar und mit Herz, speziell bei dem unbegleiteten No Use For Him. Ein Hang zum Sentimentalen kommt öfter durch, wenn es um traurige Beziehungsangelegenheiten geht. Mit Fiddle, Banjo und Mandoline wird schon mal countrymäßig geswingt. In Folkclubs braucht man starke Refrains zum Mitsingen, die Vier von The Fates bringen dabei schöne Gesangsharmonien ein, etwa bei Payday.
Stark sind die Traditionals Twa Corbies und Byker Hill, aber auch die zum Piano gesungene Kriegsballade St. Valery.

Well done, Jim. Keep at it!

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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