John Jones ~ Rising Road (2009)

2009 produzierte die Stimme Oysterbands John Jones mit neun Mitstreitern das Album „Rising Road“ das sich mit dem Zusatz „voice of Oysterband“ schmückt. Der Eingangstitel „Let Me Fall“ eröffnet mit synthetischer Eintönigkeit, geht nahtlos in nahezu psychedelische E-Gitarren-Klänge über und dürfte damit insbesondere Freunden von 16 Horsepower in Erinnerung zum musischen Amüsement gereichen.

Gleichermaßen synthetisch geht es klanglich mit dem zweiten, noch stärker repetierendem Titel weiter. Massive Rhythmik getragen vom Backvocal Jones‘ wirken in entsprechender Stimmung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bewusstseinserweiternd und dürften einem entspannten Trance-ähnlichem Zustand nicht abträglich sein. An wenigen Stellen wird die Monotonie durchbrochen. Rhythmus und Gesang setzen unterwartet aus und erinnern gleichsam daran, dass sich ein aktives Zuhören noch lohnt.

Letztlich schafft erst der dritte Titel „Walking Through Ithonside“ den akkordreichen Einstieg in einen erfrischenderen Gesamtsound. Die Melodie ist angenehm erwartbar und eingängig, so wie der Oysterband-geprägte Hörer es erwarten dürfte. Über Ideenlosigkeit ist beileibe nicht zu klagen. Der Folgetitel überrascht mit traditionellem Gitarrensound, Akustikriffs und wunderbar zweistimmigen Gesang, bei dem endlich auch die musikalischen Mitstreiter zur Stimme gebeten werden. Wunderbar melancholisch in eher dem Südstaatensound-typischer Doppelsaitenmanier schleicht sich Seth Lakemans Violinenspiel in das Stück ein. Mein Favorit des Albums „Rocks of Bawn“, der längste Titel des Albums, ist ein Ohrwurm, der nie zu Ende gehen sollte. Und dies in bester Folk-Pop-Manier.

Auch in der Instrumentation ist das Album nicht zu sparsam: diverse Gitarren mit jeweils variierendem Sound, Mandoline, Violine, Viola, Bouzouki, Klavier, Banjo, Harfe, Schlagzeug sowie mannigfaltige Percussion würzen den Silberling, dessen markanter Stimmgeber dem ganzen selbstredend einen Klangduktus gibt, der unabänderlich scheint. Umso erfreulicher schleichen sich immer wieder weitere Stimmen im Hinter- (und seltener) Vordergrund ein, welche die Dominanz Johns‘ angenehm untergraben.

In eindeutiger Folkmanier überrascht „One Morning In The Spring“ mit astrein kratzigem Violinensound, dennoch sauberer Intonation, kraftvoller Riffbegleitung und endlich Tanzlust-ermöglichendem Tempo. Der Gesamtgeschwindigkeit des Albums entsprechend ist der folgende Titel schon wieder gemäßigter.

Auch der Wechselgesang zwischen Johns‘ Sologesang und einem massivem chorischen Wiederholen, abermals durch eingängige Violine umspielt, hinterlassen beim Hören trotz eingespielter Klatschanimation rein tempotechnisch ein etwas fahlen Nachgeschmack.

Oysterband-Fans, welche die Band vornehmlich wegen des charakteristischen Gesangs lieben, dürfte „Rising Road“ auf jeden Fall den ein oder anderen Ohrwurm bereitstellen. Das Ende des Albums ermüdet den nicht so auf Jones fixierten Hörer bisweilen, da die Präsenz des Gesang extravagant ist. Alles in Allem wartet der Silberling jedoch mit einer angenehmen Mischung auf, die insbesondere Freunden des ruhigen Folk-Pops gefallen dürfte. An Kreativität mangelt es dem Album keinesfalls, sodass für den Folksammelbestand des Okzident mit Sicherheit einige Tracks zu finden sind.

Trackliste

  1. Let Me Fall
  2. Polly On The Shore
  3. Walking Through Ithonside
  4. Rocks of Bawn
  5. Litten Tree
  6. Searching For Lambs
  7. One Morning In The Spring
  8. Henry Martin
  9. Fire Marengo
  10. One Night As I Lay On My Bed
  11. Boy In The Window
  12. Newlyn Town

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