Johnny Logan & Friends ̴ The Irish Collection (2012)

The Irish Connection
The Irish Connection

Betrachtet man die Titelliste der Irish Collection, meint man fast, den akustischen Staub rieseln zu hören, denn ausnahmslos jeder Track ist einer der Großen innerhalb der verpflichtenden Klassiker des sogenannten Irish Folk. In den Regalen von Weltbild befindlich, verwundert es wenig, dass das Album beinahe wie ein Best-of-Irish-Folk anmutet. Doch wer meint, dieser Umstand führe zwangsläufig zur hörtechnischen Ermüdung, der irrt, denn Johnny Logan & Friends haben mancher Interpretation das nötige En-plus hinzugefügt, so dass die jeweilige Version zwischen ihren eintausendeinhundertachzig Konkurrenzinterpretationen doch partiell zu überraschen weiß.

Mit Banjo, Gitarre, Akkordeon, Schlagzeug und der üblichen folkloristischen Ausstattung geht es ans musische Tagwerk. „The Wild Rover“ eröffnet den Reigen der Dauerbrenner. Hinsichtlich der Spiel- und Aufnahmequalität spricht schon das Label SONY MUSIC Bände. Doch nach dem „No Never“ ertönt nicht nur das obligatorische Händeklatschen, sondern ein markerschütterndes „Ohhhhhh“ der wuchtigen Männerstimmen, das in dieser Form bisher ungehört war. Immerhin.

Über „The Fields of Athenry“ das mit Orgel- und Akkordeonsound nebst einem beinahe popesken Schlagzeug melodische dominiert wird, geht es weiter zu „Dirty Old Town“. Dass diese Version wenig Neues liefert, indes sich die Violine über die stahlbesaitete Gitarre schluchzt, mag daran liegen, dass Wacholder mit ihrer deutschen Version die richtungsweisende Neuinterpretation abgeliefert haben, die sich textadäquat sehnsüchtelnd in das Hörergemüt einschmeichelt. Bei „Molly Malone“ sorgt hier und da ein unerwarteter Mollakkord des Klaviers für ein kurzes Aufhorchen. Dem üblichen Schunkelfeeling wird selbstredend auch gehuldigt. Dass das Akkordeon einen Improvisationsteil wagt, der die übliche Melodieführung verlässt, tut dem Gesamtsound sehr gut.

„The Wild Rover“ ist durch Shane MacGowan unschlagbar gesanglich interpretiert, da zwischen Whiskey- und Zigarettenqualmstimmbandbelag die eigentliche Wildheit der Pogues-Version unanfechtbar bleibt. Dennoch amüsiert das Banjo, das man sich bisweilen ohne Akkordeonstimme im Hintergrund wünscht, durch erstklassiges Picking und überraschende Modulationen. Das Schlagzeug hackt im Offbeat das Tanzbein aus der heimischen Sitzgelegenheit – und der Unisono-Gesang der stimmgebenden Herren bewährt sich neuerlich als folkloristische Notwendigkeit.

„The Raggle Taggle Gypsy“, vor kurzem erst von Dizzy Spell in einer überzeugenden Version vorgelegt, gelingt auch hier. Insbesondere das E-Gitarre-Solo, das nur leicht angezerrt ist, gibt dem Klassiker ein eigenes Unterkleid. Immerhin. „Tim Finnigan’s Wake“ ermüdet, wie in den meisten Aufnahmen, mit den permanenten Tempo-Breaks. Grade erst haben Schlagzeug und Banjopicking ihren Tribut gefordert, fällt der Spannungsbogen durch die ruhigen Passagen. Am Ende erfolgt ein Break, der jedoch seinesgleichen sucht. Dabei überzeugt nicht nur die Formulierungstüchtigkeit des Gesangs, sondern insbesondere das Picking, dem man beinahe technische Unterstützung unterstellen mag. Eine konsequent schnelle Version wäre hier dennoch sehr wünschenswert gewesen.

Insgesamt also ein Album, das vielerorts die eintausendeinhundertachtundvierzigste Version darbietet, hier und da jedoch auch kleine Neuigkeiten auf den Plan ruft. Wem dies zur Satisfaktion gereicht, der ist mit diesem Album gut beraten. Immerhin.

 

Trackliste

  1. The Wild Rover
  2. The Fields Of Athenry
  3. Dirty Old Town
  4. Molly Malone
  5. Raglan Road
  6. The Irish Rover
  7. The Black Velvet Band
  8. The Band Played Waltzing Matilda
  9. Raggle Taggle Gypsy
  10. Follow Me Up To Carlow
  11. Tim Finnigan’s Wake
  12. Whiskey In The Jar
  13. Spancil Hill
  14. The Town I Loved So Well

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