Kate Rusby – Life On A Paper Boat (2016)

Sie besitzt eine Stimme, die man aus hundert verschiedenen heraushört. Kate Rusby hat in England als Folk-Star einen hohen Bekanntheitsgrad. Dass wir euch die junge Frau aus Yorkshire endlich präsentieren, liegt auch an der Art der Produktion von Album Nr. 14, die zukünftige Maßstäbe setzt.

Produziert hat der irische Musiker Damien O’Kane, Kates Ehemann. Die beiden haben eine Reihe hochkarätiger Gäste eingeladen, aber vor allem Barrieren zwischen Folk und Elektronik eingerissen. Innere Gelassenheit verbindet sich mit Experimentierfreude, Loops harmonieren mit Streichern. Das ist immer noch Folk, aber im Sound des 21. Jahrhunderts. Wie Kate es ausdrückt: „Wir haben die Pullover weiter auseinander gelegt und die Tore verbreitert.“

Die Stimme wirkt vielleicht etwas statisch, mit leichtem Tremolo, bringt aber viel Gefühl rüber und klingt sehr beruhigend. Ohrenschmeichler sind die Gesangsduette mit Dan Tyminski (USA). Flöten, Akkordeon, Banjo und Bass geben Bodenhaftung. Auf Schlagzeug wurde zugunsten von Percussion verzichtet.

Kate hat ein paar scheinbar einfache, bekannte Songs ausgewählt, die durch ausgefeilte Arrangements neu erstrahlen (Benjamin Bowmaneer, Pace Egging Song). Ihre sechs eigenen Lieder knüpfen mit starken Bildern an die Folktradition an. Das Titelstück betrachtet die Welt aus der Sicht der Flüchtenden, die in ihrer sehr verwundbaren Situation Hoffnung und Angst fühlen. Das ist auf poetische Art politisch.

Übersinnliches (The Witch of the Westmoreland, The Mermaid) liegt ihr ebenso wie der bodenständige Humor, mit dem sie ihren Superhelden Big Brave Bill präsentiert, der wie sie von Yorkshire Tea gepowert wird. Hoffentlich beamt Bill sie von Barnsley aus zu einer Tour herüber auf den Kontinent. ;-)

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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