Kilmaine Saints – Drunken Redemption (2012)

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Wenn man für Musikseiten im Netz schreibt, gibt es sicherlich unterschiedliche Vorteile für den Rezensenten. Ein Vorteil der für alle gilt, besteht darin, dass man das Musterexemplar behalten darf. Allerdings gibt es manchmal Bands, da dauert das Eintreffen der Bemusterung lang. Zu lang. Wenn man dann zappelig wird, die Wartezeit verkürzen will, bleibt einem nur das Album regulär zu kaufen. Allein das ist schon ein Kompliment an die Band. „Drunken Redemption“ ist der Grund für das Kompliment.

Wieso ich diese Band am Releasedate direkt auf dem Schirm hatte und dieses innere Verlangen verspürte die Platte sofort zu kaufen, ja sogar in den USA zu bestellen, weiß ich eigentlich nicht. Zwar kenne ich ihr Debutalbum „The Good, the Plaid and the Ugly“ von 2010, aber ist es doch eher ein solide gemachtes, durchschnittliches Werk, das sich nur bedingt von anderen Scheiben des Genres abhebt. Es muss also unbewusst eine Saat gepflanzt haben, die jetzt aufgegangen ist. Raus gekommen sind 15 Songs. Eine gesunde Mischung aus Traditionals und Eigenkompositionen, die sich im Gehörgang festfressen und einen nicht mehr loslassen. Die Mischung ist gelungen und neben oft gehörten Klassikern wie „Fields of Athenry“ kommen auch seltener gespielte Songs wie „Go on home British Soldiers“ in temporeichen Interpretationen vor. Daneben haben Kilmaine Saints auch Balladen gestellt, die dazu geeignet sind, neue Fans zu gewinnen. So war ich sehr überrascht, das Tired (Malkollege) während einer Wandproduktion zu mir kam und „57“, ein Song über nichtgeliebte Iren in Amerika, abfeierte, obwohl er sonst eher harten Hip-Hop Beats zugetan ist. Mein persönlicher Favorit der Eigenkompositionen ist die Tempohymne zum Generationenkonflikt (oder doch eher über Macht und Deutungshoheit?) „When we come to town“, dessen Refrain immer wieder plötzlich in meinem Kopf erscheint und rotiert – eben ein echter Ohrwurm.

Unterm Strich drehen sich die Texte um Alkohol, Straßenkampf, Arbeiterklasse, Pathos und irische Themen, wie Diaspora, Troubles und katholische Kirche. Oft sind die Texte melancholisch und kritisch. Werden Partys besungen, dann werden ernste Gründe und Sorgen beschrieben, die es gilt durch Alkohol und laute Lieder zu überspielen. Dem gegenüber steht die Musik, die sehr abwechslungsreich daher kommt. Gut produzierte Melodien mit vielen Instrumenten aufwendig in Szene gesetzt. Dabei klingt das ganze nicht überproduziert, sondern dreckig genug, dass es eher in den Pub als ins Radio gehört. Für mich ein wichtiges Argument, warum die Platte so gut funktioniert. Die erzeugte Atmosphäre unterstützt die Underdog- und Arbeitermentalität, die die Kilmaine Saints hier transportieren. Energie und Druck in der Musik verströmen dabei eine eindeutige Aussage: Ihr kriegt uns nicht klein!

Es formiert und etabliert sich eine neue Riege hochklassiger Bands und die Kilmaine Saints gehören dort hinein. Sie empfehlen sich für Freunde von Bands wie Sir Reg, The Currency oder Rumjacks und wenn das dritte Album der Saints kommt, dann werde ich es wohl wieder kaufen, um die Wartezeit so kurz wie möglich zu halten.

Trackliste

  1. Quick March
  2. Battle Cry
  3. Haul Away Joe
  4. Go on home British Soldiers
  5. Devil´s Den (Painting Paradise Square Pt.2)
  6. 57
  7. When we come to town
  8. The Fields of Athenry
  9. Swallowtail
  10. With Regrets
  11. The Whiskey´s Calling
  12. Black and Blue Jig
  13. Brave Yankee Boys
  14. All for One
  15. Old Rugged Cross

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