Lack of Limits ~ Von Geigentanz (1998) bis Tor (2007)

Lack of Limits ist schon eine Hausnummer in der deutschen Folk-Landschaft. Zwölf Jahre Bandgeschichte mit mehr als 800 Konzerten über die Deutschen Grenzen Hinaus. Sechs Silberlinge sind in dieser Zeit entstanden, darunter zwei Live-Alben. Zum Zehnjährigen gab’s im Jahr 2007 außerdem eine Live-DVD. Zeit, einmal einen Blick auf das Werk der Band zu Werfen.

Lack of Limits kommen aus der keltischen Folkmusik, doch das Korsett erwies sich recht schnell als zu eng und so wurde wild experimentiert. So stehen Lack of Limits auch für verspielte, meistens tanzbare Weltmusik. Die Instrumentalisierung ist natürlich dementsprechend vielseitig, auch Didgeridoo, diverse Blas- und Streichinstrumente kommen zum Einsatz. Schon Geigentanz (1998) offenbarte exaktes Zusammenspiel und nicht unbedeutende Fähigkeiten. Eines der recht typischen Lack of Limits Elemente, die abgehackten Synkopen wurde bereits recht exzessiv eingebaut.

Lack of Limits spielen nicht nur sehr exakt, sie arrangieren auch sehr sauber. Was dabei zu kurz kommt ist der Dreck, ein Element, das für mich zu guter Folkmusik aber unbedingt dazugehört. Dinge, die vor allem live ans Tageslicht treten, wie die Live Alben Just Live (2000) und Live too (2004) beweisen. Allerdings ist es schwer diese Live-Energie auch aufs Album zu transportieren und auch Lack of Limits finden da keinen Ausweg. Ausnahmen sind ansatzweise zum Beispiel Fight 4 the Right oder Billy the Rover.

Während Geigentanz stellenweise von Experimenten nahezu zersetzt war, näherte man sich dem Keltischen auf Doubtfool (2000) etwas stärker an. Hervorragend etwa die teilweise geshuffelte Version von Black’n’Tans. Auch Queen Of Argyll geht in diese Richtung. Ein Song der durch die typischen Synkopen teilweise fast zerfetzt wird. Silverdagger entspricht in seiner Theatralität der weniger guten Version von Step It Out auf Geigentanz, ansonsten sind natürlich wieder Experimente vertreten, wie der recht rockige Song Don’t You See vertreten oder der blues-rockige Saxofon Song Stage Fright.

Just Live offenbart dann natürlich einige Stärken der Band, nämlich die Live-Energie. Hier wird nicht mehr so viel Wert auf Exaktheit gelegt. Das mathematische verschwindet und eine Spur Chaos kommt in die Musik, was dieser wahnsinnig gut tut. Ein Konzert mit Billy the Rover, Geigentanz, Go, Move, Shift und Konsorten geht ab wie sonst was und das bekommt man tatsächlich teilweise mit auf dieser CD. Zentraler Song des zweiten Live-Albums ist mit mehr als zehn Minuten Spieldauer Golden Vanity, der eine wirklich schöne Entwicklung zwischen Atmosphäre, Rock, Soli und Tanzmusik nimmt.

Zwischen den beiden Live-Platten kam 2002 Out of the Ashes heraus. Spätestens hier wird eine weitere Tendenz bei Lack of Limits deutlich: der Blues-Rock, der immer wieder den Weg in Songs und Live-Spielereien fand (Whiskey in the Jar!!!). Bei Unquiet Grave schafft es die Band endlich, diese offensichtliche Leidenschaft hervorragend einzubauen. Toller Song. Insgesamt geht Lack of Limits einen deutlichen Schritt weg vom keltischen Rock und hin zu experimenteller Rockmusik mit interessanten Instrumenten.

Das experimentelle wird im aktuellsten Studioalbum Tor (2007) noch weiter gesteigert, etwa mit dem sanften, orientalisch anmutenden Sieben-Minüter Adventure Hero, was auch an Songtiteln wie Matsch to Me oder Qapla Vodleh deutlich wird. Schön ist vor allem auch Gypsy Heartgang, was Folk und World schön einsetzt und sonst ein sehr solider Rocksong ist. Allerdings wird mit Songs wie Carlow oder Johnny C der Bogen zurück zum Ursprung in der keltischen Musik geschlagen.


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