Land of the vast Horizon ~ Gavin O’Loghlen & Cotters Bequest (2006)

Das CD-Album land of the vast horizon erzählt in 13 brillant Couver Land of the vast horizonarrangierten Stücken die Besiedelung Südaustraliens aus der Sicht der Familie O’Loghlen. Die Geschichte beschreibt die Ankunft der ersten Siedler, die 1854 im „Land des weiten Horizonts“, voller Hoffnung auf ein neues Leben vor der großen Hungersnot in Irland geflüchtet sind. Gavin O’Loghlen schildert in seinen Texten, die überwiegend von Angelee Theodoros und Anne Dormer gesungen werden, wie sein Urgroßvater Michael O’Loghlen nach einer leidensvollen Seefahrt an einer fast Menschenleeren Küste, ohne Straße und ohne Eisenbahn ankam. Dort angekommen verpackte er seine Träume in Teekisten und suchte sich schlecht bezahlte und schwere Arbeit in den dortigen Minen.

Eines der Stücke, The Peramangk schildert das Leiden der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, die schwer unter der „Krankheit des weißen Mannes“ litten, in Lagern zusammengepfercht wurden und als Hirten und Minenarbeiter arbeiten mussten.

Kapunda

 

berichtet von der harten Arbeit in den Bergwerken und beschreibt die gnadenlose Suche nach Gold. Wunderschön und doch schockierend, wird dabei das Gefühl der Verzweifelung der Menschen beschrieben, denen bewusst wurde, das sie nie mehr zurück können.

Die Geschichte der Familie O’Loghlen erzählt weiter von der späteren Landbesiedelung, dem Erwerb einer eigenen Farm für 1,00 Dollar pro Hektar, dem Tod des Sohnes Peter, der in Kapunda geboren wurde, dann aber auf dem neu erworbenen Land in Gulnare starb. In den folgenden Stücken beschreibt Gavin den Aufstieg und Zerfall der Zivilisation bis zum wiederholten schmerzvollen und verlustreichen Neuaufbau im Jahre 1895. Das mit der Erkenntnis endet: „Es ist an der Zeit die Führung in die Hände unserer Kinder zu geben“. Nur so glaubte man, zumindest den Zusammenhalt der Clans erhalten zu können. Bezeichnend sind dafür die ersten Worte des Textes: „The dream ist over.“

Gavin O’Loghlin, der alle Stücke dieser Geschichte geschrieben und arrangiert hat, glänzt dabei nicht nur durch seine Dichtungen, sondern überzeugt auch mit den vielen Instrumenten, die er neben seinem Keyboard spielt. Dazu gehören Mandoline, akustische und elektrische Gitarre, Schlagzeug, Bodhrán, Pipes, Whistles und Percussion. Natürlich ist seine Stimme auch auf der CD zu hören. Im Vordergrund sind aber die warmen Stimmen von Anne Dormer und Angelee Theodores. Sie laden zum träumen ein, regen aber auch zum nachdenken an und können so manche Gänsehaut erzeugen. Die Magie der Musik wird von Stefanie Gerber an der Violine, Harry Theodores am Akkordeon und Jack Brennan an Uilleann Pipes und Whistles unterstützt. In den Stücken, die über das Leiden und Leben der Aborigines, erzählen, wird der Geist der Ureinwohner Australiens durch das von Robert Shaw gespielte Dijeridu unterstrichen. Bei so viel Lob der Musiker darf man natürlich auch nicht den Lead Gitarristen Jim Petkoff vergessen, der immer im Hintergrund, aber doch ständig präsent ist. Die Passagen in Gälische Sprache im Stück Nantabra Hut wurden von Seonaidh Mac Fhraing übersetzt.

Persönlich würde ich mir etwas weniger Technik in der Musik wünschen, das mag wohl an meinem Hang zur handgemachten Musik liegen. Diese handgemachte Musik kommt zwar keinesfalls zu kurz, wird aber immer wieder durch Keyboardsounds überlagert, was auch den akustischen Instrumenten einen Hauch von Synthetik erleiht.

Trotzdem war ich vom ersten Augenblick, bis zum verklingen des letzten Tons von „the land of the vast horizon“ fasziniert. Schwungvolle, manchmal sehr tragische Melodien, die immer wieder durch rockige Rythmen auf geniale Art gebrochen werden. Dazu spannende kleine Geschichten, die im direkten Zusammenhang stehen. Ich selbst habe diese CD mittlerweile unzählige Male gehört und bin immer noch begeistert.

Auf jeden Fall ist dieser Silberling ein hörenswertes Werk für alle, die keltische Klänge lieben und sich für die Geheimnisse des Australischen Kontinents interessieren. Vor allem für Menschen, die gerne zuhören.

TRACKS:

1. Port Adelaide 1854 – The Arrival (7:38)
2. The Peramangk – Time there was… (4:23)
3. Baker’s Flat 1855 – Irish Shanty Towns (3:12)
4. Kapunda 1856 – The Cornish Miners (4:44)
5. The Burra 1861 – The Welsh Smelters (4:11)
6. Port Augusta 1869 – The Teamsters (4:11)
7. Gulnare 1872 – Death of the last born (4:15)
8. Sevenhill 1873 – Johann Pallhüber SJ (3:41)
9. Stephenston 1875 – The Speculators‘ Waltz (2:21)
10. Knockatuna Quorn 1879 – The Farmers (4:27)
11. Pichi Richi 1879 – The Railways (3:06)
12. Nantabra Hut 1895 – The Scottish Shepherds (4:21)
13. Udenyaka (Death Rock) (5:34)

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Hubert Jost

Musik verbindet Menschen
Ein klein wenig Irland steckt in jedem von uns.

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