Le Clou ~ Café Louisiane (2009) ~ live a l’harmonie (2007)

Schon der Untertitel auf der Homepage „Cajun Swamp Groove“ lässt aufhorchen.
„Le Clou“ sind nicht nur eine Band aus unserem gemütlichen Städtchen Bonn, sondern eine Gemeinschaft von Musikern, deren Wurzeln aus unterschiedlichen Teilen Europas kommen und deren Musik mit den würzigen Klängen aus den Sümpfen des Mississippi – Deltas prall gefüllt ist.

Seit 1976 sind „Le Clou“ bereits auf den Bühnen Europas unterwegs und spielen den Menschen diese temperamentvolle Musik aus Südamerika direkt ins Herz.

Die Band besteht aus den Gründungsmitgliedern
Michel David / Gesang, Gitarre, Geige, Frottoir
Johannes Epremian / Gesang, Geige, Gitarre, E-Gitarre, Dobro
Yves Gueit / Gesang, Cajun – Akkordeon, Flöten, Klarinette, Saxofon

Sowie den beiden später dazu gekommenen Musikern
Gero Gellert / Bass
Ralph Schläger / Schlagzeug

DER SOUND AUS DEM SUMPF
Die Musik der französischen Band LE CLOU hat ihre Wurzeln tief in den Südstaaten der USA. In den Swamps, den Sümpfen des Mississippi-Deltas, leben die Cajuns, Nachfahren von Siedlern aus Frankreich, die vor über 200 Jahren nach Nordamerika kamen. In den abgelegenen Bayous westlich von New Orleans haben sie lange isoliert gelebt und sich mit Stolz und Selbstbewusstsein bis heute ihre eigene Lebensart, ihre Kultur und ihre französische Sprache bewahrt. Die Cajuns feiern gern und ausgelassen, und man kann dort unten in Louisiana den Sound der Cajun Music aus allen Tanzschuppen stampfen hören. LE CLOUs CAJUN SWAMP GROOVE ist druckvoller „Südstaaten-Sumpf-Rock’n’Roll“, ein Gebräu aus traditioneller Cajun Music, Zydeco, kreolischen Rhythmen und Blues – gewürzt mit einer deftigen Portion französischem Esprit. (Originaltext „Le Clou“)

Wer die Cajun – Musik hört, die perfekt im Studio aufgenommen Stücke von Café Louisiane oder die Lifesounds von libe à l`harmonie wird mir recht geben müssen: Die französischen Auswanderer können nur aus dem keltischen Norden Frankreichs kommen. Wenn auch einige Jahrhunderte, viele kulturelle Wandlungen und tausende menschliche Schicksale dazwischen sind, die Einflüsse der Kelten sind deutlich hörbar. Vielleicht ist in den Sümpfen Louisianas sogar die Seele dieser Musik, gestärkt vom Blues noch stärker hervorgetreten.
Es mag sein, dass dieses reine Spekulation ist, aber ich empfinde so. Umso wichtiger ist es, diese Musik den Fans der keltischen Folk und Rockmusik vorzustellen.


Die aktuelle CD Café Louisiane

Der langsame Einstieg mit der Geschichte über das lange Band der Straße, die sich durch unser Leben zieht, ist tatsächlich geeignet Café zu trinken, sich vorzustellen in New Orleans zu sitzen und über die Straßen zu schauen, die immer irgendwo am Wasser vorbeiführen.
Bei Camp de coton nimmt die Musik auf der CD dann langsam Fahrt auf. Das leicht naive Liebeslied erzählt gleichzeitig von der unmenschlich harten Arbeit auf den Baumwollfeldern im Süden der USA.
Esperance erzählt dann von der Unterdrückung und fast biblischen Hoffnung der Menschen auf Freiheit. Ich selbst denke da an die vielen Geschichten der Bluesmen, die ihre Musik auf selbstgebastelten Gitarren aus Zigarrenkisten und alten Drähten spielten. Das Akkordeon, das hier im Wechsel mit der Slidegitarre die Musik immer weiter treibt, erinnert mich an die Geräusche der Caliopen (nicht mit Luft, sondern mit Dampf angetriebene Orgeln) wie sie früher von den Mississippi – Dampfern geklungen haben.
Dieses Feeling zieht sich wie das anfangs angesprochene Band der Straße durch das ganze musikalische Werk.
Da gibt es die Geschichte von Elvis la tortue. Die Sumpfschildkröte ist die wahre Königin der Swamps. Wegen ihrer Anpassungsfähigkeit ist sie dort die wahre Nummer Eins, nicht der mächtige Alligator.
Wer es dann schafft, bei Moitié, moitié still sitzen zu bleiben, sollte sich Sorgen um seine Gesundheit machen. Bei mir drängt der gesamte Körper nach Tanz, zumindest aber nach rhythmischen Bewegungen. Trotzdem erzählt die Geschichte von Menschen, die als Einwanderer in der Fremde ihre Wurzeln verlieren, die neue Kultur nie ganz annehmen und deshalb in einer Art Niemandsland leben. Für mich das absolut beste Stück auf der CD.

Trackliste Café Louisiane:

1 La route (die Straße)
2 Champ de coton (Baumwollfeld)
3 Tute une vie (auf ein Leben)
4 Espérance (Hoffnung)
5 Elvis la tortue (Elvis die Schildkröte)
6 J’ai fait de mon mieux (ich tat mein Bestes)
7 Moitié, moitié (halb und halb)
8 Griffon (greifen)
9 Farigoulette
10 Les souliers dorés ( die goldenen Schuhe)
11 Le marchand de sable (der Sandmann)
12 Le migrant (der Migrant)

Der absolute Höhepunkt „Le Clou“ zu erleben, ist ein Live – Konzert der Band zu besuchen.
Wer diese Gelegenheit nicht hat, sollte zumindest die CD Life A L’harmonie hören. Das geht natürlich auch als Einstimmung vor einem Konzert.
Alle Aufnahmen für diesen Tonträger wurden am 31.März 2006 in der Bonner Harmonie mitgeschnitten, um zum 30 jährigen Jubiläum des „musikalischen Urgesteins Le Clou“ veröffentlicht zu werden. Ebenfalls stammen alle Bilder aus dem Booklet von diesem Abend.
Hier zeigen sich „Le Clou“ nicht nur von ihrer feurigen und temperamentvollen Seite, sondern demonstrieren auch, dass sie mit ruhigen Tönen das Publikum verzaubern können.
Zum Beispiel mit de france en amérique. Dieses ruhige, aber eindringliche Lied erzählt von der Reise der Menschen über das Meer und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Der kleine Junge, von dem hier die Rede ist, steht zwar an einem Hafen in der Bretagne, könnte aber genauso in einem irischen Hafen stehen. Für mich ein absolutes Gänsehautstück.
Egal, in welchen Tempo Le Clou spielen, man sieht immer den Spaß an der Musik in den Gesichtern und Bewegungen der Künstler.
Wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, ein Konzert der Band zu besuchen, sollte sich folgendes Video ansehen:

Trackliste Life A L’harmonie

1 perpète
2 criminel
3 acadiana
4 chocolat
5 pierre à fusil
6 bon vent
7 de france en amérique
8 libération
9 eunice two step
10 papa did
11 swamp dancer
12 blues du paradis
13 alibi
14 rencontre

Beide CDs sind in jeden gut sortierten Plattenladen oder direkt in der Boutique auf der Homepage von Le Clou erhältlich.
Auf der Homepage findet Ihr auch alle weiteren Informationen, wie zu Beispiel die Tourtermine der Band

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Daonet ~ Donemat (2012) 4. November 2012

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Hubert Jost

Musik verbindet Menschen
Ein klein wenig Irland steckt in jedem von uns.

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