Los Paperboys ~ Callithump (2009)

Callithump

Kanadischer Latino Rock, Keltischer Mexican Folk oder etwas ganz anderes ? Die Paperboys sind definitiv eine jener Bands, die sich nicht in eine musikalische Schublade stecken lassen und dies auch gar nicht wollen.

There is a lot I can tell you about the music. But what it isn’t, is something that you can easily put into a little box and say „oh, this is Celtic“ or „this is folk.“ We are much more than that.“

Laut Leadsänger Tom Landa kommt ihr Abwechslungsreichtum aber nicht nur von dem biografischen Hintergrund der einzelnen Bandmitglieder, sondern auch von dem kreativen Potential, das ihre Heimat Vancouver birgt.

„Vancouver is a culturally diverse place which feeds what we do and the music we make.“

Diese mannigfaltigen Einflüsse haben die sympathischen Kanadier auch in ihrem aktuellen Album „Callithump“ musikalisch aufleben lassen. Das schlaue World Wide Web übersetzt den Titel etwa so:

Ein zeremonieller Umzug, mit marschierenden Menschen oder eine Art Ständchen, das (mithilfe von klappernden Pfannen und Kesseln) einem frisch verheirateten Paar vorgetragen wird. Auch wenn diese Übersetzungen etwas fremdartig anmuten, treffen sie doch den Charakter des Albums meiner Meinung nach recht gut.

Nimmt man zum Beispiel den Opener „Toenail Moon“, so sieht man die lustige Truppe mit ihren Trommeln, Posaunen und co geradezu bildhaft durch die Straßen ziehen. Ein beschwingter Rhythmus und der volle Gesang von Tom sind dabei eindeutig der metaphorische Anführer des lebensfrohen Umzuges. Banjo und Posaune befördern einen hier mit Erfolg aus der Tristesse mitten rein ins warme Südamerika. Direkt danach geht es mit „Rain on me“ ebenso fröhlich und melodiös weiter. Bei diesem Song hat mich vor allem die Bridge überzeugt. Mitsingfaktor: extrem hoch! Auch unserer deutschen Hauptstadt ist mit „Goodbye Berlin“ ein musikalisches Denkmal auf „Callithump“ gesetzt. Dieser Song wurde angeblich nach einem Auftritt in eben dieser Stadt geschrieben. Doch auch der fröhlichste Umzug muss mal eine Pause einlegen, daher dürfen auch getragenere Songs wie „Get well soon“ oder das wunderschöne „Good thing“ nicht fehlen. Bei letzterem geht es um den Reiz, den eine unbeschwerte Sommerliebe haben kann. Die Romantikerin in mir muss bei diesem Lied immer dümmlich zufrieden grinsen, weil es so fantastisch kitschig ist.

Wer den großen oder kleinen Latino in sich rauskehren will und die Salsaschritte des letzten Tanzkurses noch beherrscht, dem sein „America“ ans Herz gelegt. (Tipp am Rande: Auch der gute alte Foxtrott bietet sich hier an, aber der Coolnessfaktor tendiert dabei leider gegen) . Vor allem ist der wirklich unglaublich schnelle Sprechgesang im Mittelteil des Songs ein gelungenes Extra. Doch bei unserem illustren Umzug darf auch der Raggea nicht fehlen, wenn auch mit Flöte nicht im traditionellen Sinne, aber dennoch animierend für jegliche Bewegungen im Hüftbereich (ich spreche hier vom Tanzen). Auf der CD zu finden unter dem Titel „Worms/door of steel

Möchte man sich hingegen ganz dem Liebesschmerz und Fantasien von spanischen melancholischen Sommernächten hingeben, lädt das klangvolle „La Bruja“ dazu ein. Spanisch kann zwar nicht jeder, aber um Leid, Leidenschaft und Sehnsucht in diesem Song zu überhören, müsste man schon sehr gefühlsarm sein. Auf der musikalischen Tour machen die Paperboys auch einen Abstecher in die Welt der Polkas. Bei „Merengue Polkas“ ist das grandios gespielte Banjo eindeutig der Star. Das ansteigende Tempo und die Blasinstrumente tun ihr Letztes, um den Hörer in einen kaum zu unterdrückenden Bewegungsdrang zu versetzt. Würde sich unser Umzug nun von der Stadt aufs Land bewegen, müsste dabei definitiv „Country Life“ gespielt werden. Eine Ranch, ein Banjo, wilde Pferde vor der Nase…. Das gediegene „Camera obscura“ und die balladeskeste ( furchtbarer Superlativ, ich weiss) Ballade, die ich mir vorstellen kann „Save me“ schließen den Umzug und somit das Album ab. Zurück bleibt im besten Fall, so wie bei mir, ein glücklicher Hörer.


Trackliste

  1. Toenail moon
  2. Rain on me
  3. Goodbye Berlin
  4. Good thing
  5. America
  6. Get well soon
  7. Worms/door of steel
  8. La Bruja
  9. Merengue Polkas
  10. Vountry Life
  11. Camera obscura
  12. Save me

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jessy

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