Madison Violet ~ Come As You Are (2012)

Come As You Are
Come As You Are

Im Winter 2011 wurde in der Kulturkirche zu Köln ein Konzert zweier Kanadierinnen in Bild und Ton aufgezeichnet, das ein knappes Jahr später unter dem Titel Come As You Are das Licht der Welt erblickte. Nach über 13 Jahren ununterbrochenen Tourens ist dieser Silberling nun das Substrat des musischen Schaffens der zwei Damen.

Die vermarktende Instanz, india media, lobt den generellen Duktus der Damen wie folgt:

Diese Intensität rührt nicht zuletzt daher, dass Madison Violet sich live ganz auf den jeweiligen Kern ihrer Lieder konzentrieren, den Sound also so weit reduzieren, bis die Essenz offen daliegt und ihre ganze Wirkung entfalten kann. „The Ransom“ – Opener des 2009er Albums „No Fool For Tryin’“ und jetzt auch der Live-CD und -DVD – zeigt gleich, wo der Weg langgeht und wie viel Schönheit man auf ihm erwarten darf: Da sind zwei Künstlerinnen ganz bei sich – im Bewusstsein, dass es bei ihnen nur zwei Gitarren und ihren Gesang braucht, um das Publikum vollends in ihren Bann zu schlagen.

Der Minimalismus – das sogenannte Fixieren eines tiefgreifenden Bewusstseins – ist jedoch nicht ausschließlich inhaltlich, sondern zudem maßgeblich aus der Besetzung zu begründen. Zur Produktion der Live-CD und -DVD hat man sich gastmusische Unterstützung geholt, welche den Gesamtsound sehr wohltuend um einen warmen Kontrabass bereichert. Die Anzahl der gleichzeitig aufspielenden Instrumente ist bei zwei Musikerinnen einfach begrenzt. So lobt man diesen Umstand als Tugend, und fürwahr, der Minimalismus macht sich ausgezahlt.

Als die bezaubernden Damen vor ausverkauftem Hause die Bühne mit einem „Guten Abend“ und „Wie geht’s?“ betreten, wird dies mit Jubel bedacht. Allzu liebenswert kommt der charmante Akzent mit dem gewinnenden Lächeln der zwei Grazien einher. So schmusekuscheln sich die zwei Terzsängerinnen mit ihrem ersten Titel, The Ransom, in das Ohr des Sitzauditoriums, indes die stahlbesaitete Gitarre countryeske Akkorde schlägt: unspektakulär und berechenbar, zu jeder Zeit aber eingängig und warm. Zwischen einfachen Akkorden erklingen immer wieder leittonartige Motive, die der eingängigen Melodieführung ihre nicht-gesungenen Zwischenteile verleihen.

Als zweiter Titel erklingt der Namensgeber des Albums, Come As You Are. Vorab haben die Damen das anwesende Auditorium wohl überzeugend instruiert, denn sofort übernimmt ein wohliger Männergesang aus den Publikumsreihen die Melodie. Lachend wird das erstaunlich laute Mitsingen mit strahlend weißem Lächeln honoriert, indes ein „Someone realy wants to be in this DVD“ seine Lacher nach sich zieht. Weg geht es vom reinen Akustikgitarrenklang, denn eine leichte Verzerrung sorgt für hörgenussliche Abwechslung. Hinzu kommt eine Mandoline, die die gesangsterzfreien Zonen füllt.

Mit Never Saw The Ending erklingt endlich ein rhythmisch drängenderer Titel. Neuerlich erklingen die stahlbesaiteten Gitarren, indes der Kontrabass sich im wohligen Hintergrund aufhält. Zum Ende des letzten Refrains wird das Tempo angezogen. Eine Gitarre wird gegen die Fiddle eingetauscht, deren Bogen eindeutige Spuren folkloristischen Schaffens aufweist – denn schon vor dem Anspielen des ersten Tons hängen zerrissene Haare gen Boden. Das Geigenspiel ist bedauerlicher Weise intonationstechnisch nicht dem Gesang angepasst, denn während die beiden in trauter Zweisamkeit zweistimmig und in vollkommener Harmonie miteinander singen, ist die Geige permanent etwas neben der gemeinten Tonhöhe. Dies täte rein folkloristischer Musik keinen Abbruch, doch Madison Violet präsentieren eher Folkpop – mit einer Höhergewichtung des zweiten Teils. Darüber hinaus hätten etwas weniger Leerdoppelsaiten dem Gesamtklang gut getan.

Insgesamt liefern die Damen ein wunderbares Album ab, das bei geruhsamen Abenden in trauter Runde wohlige Schauer hervorrufen kann. Bei 20 Titeln ist es immer sehr schwer, die Spannungskurve zu halten – und leider trifft dies auch auf Come As You Are zu. Nach dem ersten Viertel wird kaum Neues geboten, so dass sich bei Freunden innovativer und abwechslungsreicher Musik wohl recht zügig Abnutzungserscheinungen einstellen dürften. Wer jedoch Lust auf natürlichen Corrs-Sound hat, ist mit diesem Album bestens beraten. Ohr- und Augenwürmer bieten die Damen auf jeden Fall.

 

Trackliste

  1. The Ransom
  2. Come As You Are
  3. Never Saw The Ending
  4. Stuck In A Love
  5. Fallen By The Wayside
  6. Best Part Of Your Love
  7. Prayed
  8. Cindy Cindy
  9. Haight Ashbury
  10. Christy Ellen Francis
  11. Emily
  12. Home
  13. I’m Your Lady
  14. Baby In The Black & White
  15. Small Of My Heart
  16. The Woodshop
  17. Crying
  18. If I Could Love You
  19. No Fool For Trying
  20. All Apologies

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