Marcus Friedeberg – Song for Ireland. Best of Celtic Folk Ballads (2013)

Song for Ireland
Song for Ireland

Wie auch im Kreise der Lehrenden ziehen Musiker eine familiäre Tradition nach sich, die nach der Weitergabe der Leidenschaft verlangt. So auch bei Friedeberg, der, nach eigenen Angaben, einer Musikerfamilie entstammt und dementsprechend vorgeprägt bzw. in positive Mitleidenschaft gezogen wurde. Nebst seines kreativen Schaffens bei Off Limits und Pangea widmet er sich mit „Song for Ireland“ seinem solistischen Schaffen und legt eine Sammlung von Traditionals vor, die sich den sogenannten Titelverpflichtungen entledigt und demgemäß auf The Drunken Sailor und The Irish Rover verzichtet.

Dunmore Lassies eröffnet die Zehntitelscheibe mit Whistle-Klängen und dem steten Grundschlag der Bodhrán. Hinzu gesellt sich die Unisono-Gitarre, die die seufzenden Luftsäulen um bundtechnisch abgestimmte Reinheit anreichert. Indes die Gitarre das melodiöse Stell-dich-ein beendet, um den stahlbesaiteten Sechsaiter in folkloristischer Akkordmanier zu schlagen, setzt der dunkle Klang der Bodhrán behäbig ihre Aufgabe fort.

Der zweite Titel des Albums, Banks of the Lee, präsentiert nun auch die Stimme des Vielinstrumentalisten, der für sein instrumentales Kompendium nicht die Mithilfe von Gastmusikern in Anspruch genommen hat. Und so windet sich der Text emotional durch die Strophen, während die Whistles die Möglichkeiten von Studioarbeit voll auskosten. So begleitet sich Friedeberg selbst und umspielt den eigenen Gesang mit seinen Flöten – mal in Einheit der Vokalmelodie, mal in wohlfeiler Vielstimmigkeit.

Die supermarkttauglichen Best-Of-Alben schmücken sich gern mit Namen wie „Songs for Ireland“ – und der dritte Titel zeugt von einer Namensgebung, die sich dem Klischee verweigert. Der Titelgeber des Albums erklingt an dritter Stelle und weist damit die Vermutung einer rossmannadäquaten Auswahl zurück, denn es sind keine Songs, sondern nur einer. Warum aber grade dieser Form von Musik?

Irish Folk (auch scottish und english Folk) hat etwas ganz Besonderes, nicht Greifbares. Es sind nicht die teilweise artistischen Schlenker der irischen Folksänger und Sängerinnen, auch nicht die mollbasierten Harmonien der ruhigen Balladen, die gibt’s im deutschen ja auch. Es ist vielmehr die Emotion, dieses filigrane, irgendwie sensible Gefühl, welches über die Lieder transportiert wird. Das packt mich und hat mich auch schon immer gepackt, seit meiner Kindheit.

Drei der zehn Titel sind hinsichtlich ihres Urhebers ausmachbar, so u.a. auch Willie McBride, das vom Elend des Ersten Weltkriegs zeugt und durch Hannes Wader eine würdige Übersetzung, und durch Wacholder eine wundervolle Inszenierung erfahren hat. Es liegt in der Natur von musischen Ein-Mann-Formationen, dass der Fokus schnell auf die textlichen Gehalte gelenkt werden kann, so nicht das instrumentale Virtuosentum von ebendiesen ablenkt. Friedeberg sagt selbst dazu:

Die Texte der Traditionals sind oftmals ja eher plakativ (man könnte viele davon 1:1 übersetzt in die deutsche Volksmusik konvertieren, wenn von grünen Tälern, Wiesen und blauen Flüssen erzählt wird), aber es ist eben die besondere, für mich schon magische Art, wie diese Texte verpackt sind. Wer schon mal in Irland gewesen ist und das Land und die Leute kennen lernen durfte, wird wissen, was ich meine. Auf meiner nächsten CD werde ich inhaltlich mehr auf die Geschichte Irlands eingehen.

… und gibt damit einen Ausblick auf das, was noch zu erwarten sein wird. Dennoch widmet er sich der Folklore und nicht dem Liedermachertum – im guten Ton der Überzeugung:

Der Grund für die Beständigkeit des Folks ist meiner Meinung nach (also schon subjektiv), das was mich motiviert, Folksongs zu spielen. Das Gefühl, welches die Songs vermitteln. Für mich und sicher auch für viele andere, so eine, wie soll ich es beschreiben, aufrichtige und gesunde Naivität, die erfrischend ist und den Kopf freimacht, die Seele streichelt und einen wieder auf den Boden zurückholt.

So kündet Friedebergs Low-Whistle vom Pathos der großen Gefühle à la Braveheart und der Intimität des heimischen Pubs. Wer kleinen Formationen prinzipiell eher abweisend gegenübersteht, wird mit diesem Album auch nicht par excellence beraten sein. Wer jedoch den heimischen Stimmungsgeber für illustre Stunden und die Reinheit folkloristischer Form sucht, sich der Anonymität des Großen eher verweigert, der wird mit Song for Ireland schöne Stunden verbringen.

 

Tracklist

  1. Dunmore Lassies
  2. Banks of the Lee
  3. Song For Ireland
  4. The Islands
  5. Geordie
  6. Willie McBride
  7. Black is the Color
  8. Lonesome Boatman
  9. Next market day
  10. Unquiet Grave

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