Mick Fitzgerald ~ Still Live (2012)

Still Live
Still Live

Nach eigenen Angaben in eine Familie von Bühnenmenschen geboren, scheint der Albumtitel „Still Live“ durchaus angemessen, wenn man bedenkt, dass es vom musischen Sprössling bis hin zum gereiften Musikus ein sechs Jahrzehnte währender Weg war. Und intendiert doppeldeutig geht es mit dem vorliegenden Silberling in die Gefilde einer Live-Aufnahme. Zehn Titel lang entführt Mick Fitzgerald in englisch-sprachige Singer-Songwriter-Manier in ein traditionelles und neun eigenkompositorische Lieder.

Bei keinem der Titel ordert der Mann an der Gitarre einen Gastmusiker, was schlussletztlich dazu führt, dass der Text enorme Wichtigkeit erlangt. Musikalisch passiert über die volle Länge des Albums nicht viel. Die stahlbesaitete Gitarre wird folkloristisch geschlagen und nur selten ist ein pickingartiges Intermezzo zu hören. Dazu eine Stimme, die zwar von einem ansehnlichen Tonumfang zeugt, nach dem dritten Titel jedoch etwas an Abwechslungsreichtum vermissen lässt. Bisweilen rutscht dem Troubadour, wie bspw. bei The Ballad of Will Jonson beim Wechsel zur Kopfstimme ebd. in weniger gefällige Gestade.

Nun ist dem Musiker jedoch nicht vorzuwerfen, was er sich auf die Fahnen geschrieben hat: Der Transport von textlichen Gehalten verlangt eo ipso danach, dass man sich in diesem Fall in der englischen Sprache gut aufgehoben fühlt. Ist dem nicht so, bleibt nichts, als den Balladen andächtig zu lauschen. Dabei erklingt leider nur ein einziges, traditionelles Stück, Black is the Colour. Indes die voluminöse Stahlsaitengitarre beim ersten Lied noch überzeugt, stellt sich auch diesbezüglich recht schnell ein Übersättigungseffekt ein. Der überwiegende Teil der Stücke spart mit Tonartwechseln. Ein satter e-Moll-Akkord mag zwar ansprechend klingen, doch ist es wenig abwechslungsreich ebd. am Ende eines Stückes zu hören und am Anfang des nächsten. Hinzu kommt, dass Picking Mangelware ist, indes die Schlaggitarrenmanier dominiert.

Nach jedem Stück applaudiert das Auditorium artig, der Funke scheint indes nicht überzuspringen. Und indes Fitzgerald eine Strophe nach der nächsten vorträgt, sehnt man sich nach Textverständnis, weil eben musikalisch fast nichts passiert. So sind Liedermacher qua eigenem Anspruch aber nicht nur Texter, sondern auch Musiker. Zumindest hinsichtlich des letzten erweckt das Album den Anschein, dass weniger – zumindest in dieser Darbietungsart – durchaus nicht mehr ist.

Das Booklet ist ein loses Stückwerk aus Informationen, die – wie auch die Bebilderung – konzeptionell in keinerlei Zusammenhang zu stehen scheinen. Alles in Allem also ein Album, das all jenen gefallen dürfte, die gern traditionelle und selbstverfasste, englische Texte konsumieren – und darüber hinaus nichts erwarten. Abgeraten sei all jenen, die sich von einem Album Mitreißen, Gänsehaut, Tanzwut, Innovation und / oder Detailverliebtheit versprechen. So stellte sich bei mir beinahe Erleichterung ein, als es nach einer knappen Dreiviertelstunde endlich hieß: „Thank You and good Night. God bless.“

 

Trackliste

  1. New Roads of England
  2. The Ballad of Capel Street
  3. The Ballad of Will Jonson
  4. When We Left School
  5. The Black Doddel Flowing
  6. Fly
  7. Rathdrum Fair
  8. New Years Day
  9. Black Is The Colour
  10. Last of The Iron Arsed Pub Balladeers

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