Niamh Dunne – Portraits (2013)

Niamh Dunne hat mich bereits als Mitglied von Beoga begeistert, wo sie wegen der stark instrumentalen Ausrichtung mit dem Gesang etwas zurückstecken muss. Ihr Solo-Debüt Portraits ist nun genau das Album, das ihre sängerischen Fähigkeiten bestens zur Geltung kommen lässt. Sie singt alte gälische Lieder, aber auch Gegenwärtiges (Richard Thompsons Strange Affair) ausgesprochen überzeugend. Ihre warme Stimme hat Kraft und kann berühren. Sie findet stilistisch einen guten Weg, die irische Tradition, die sie über ihre Familie mitbekommen hat, mit der Gegenwart zu verbinden, ohne ins Seichte abzugleiten.

Soloalben können ermüdend sein. Nicht so dieses, da Niamh Dunne ein Dutzend Musiker/-innen zu einer Art All Star – Band versammelt hat. An erster Stelle ist ihr Partner Sean Óg Graham zu nennen, mit dem sie auch beim Irish Folk Festival 2014 antritt. Er steuert vor allem großartige Gitarrenparts bei. Ein ruhiger Song wie Ballyneety Walls wird mit einem schnellen Groove unterlegt, der mitreißt. Kontrabass, Harfe, Cello, Dobro, Banjo oder Akkordeon setzen in dicht verwobenen Arrangements wechselnde Akzente .

Vielleicht liegt es an ihrer Rolle als (ebenso herausragende) Fiddlerin, dass Niamh Dunne die Instrumente partnerschaftlich und nicht nur als Beiwerk eingebunden hat. Ein weiterer Verdienst ist, dass sie dazu beiträgt, die tollen Songs von Barry Kerr aus Belfast bekannter zu machen. Er greift bei seinem When Autumn Comes selbst zur Low Whistle. Für mich der Höhepunkt des Albums. Games People Play ist vom Pop-Hit durch Dick Gaughan zum Folk – Standard geworden und lässt zum Abschluss dieses grandiosen Albums ein bisschen Pub – Feeling aufkommen.

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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