Oysterband, Fairport Convention, Horslips in Bonfeld 11.07.2014

Am Freitag waren beim Blacksheep – Festival drei Legenden des Folk Rock angesagt. Die etwa 2000 Besucher ließen noch gut Raum auf dem Gelände, denn die Helden der Vergangenheit ziehen nicht unbedingt die Festivalgänger – Generation der Gegenwart. Für mich war’s allerdings ein großartiges Erlebnis.

In Würde alt werden – wie macht man das? Am besten so wie die Oysterband. Kreativ bleiben, sein Herz in die Musik legen und genau verfolgen, was in der Welt geschieht. Die Oysters schaffen es immer noch, mit den ersten Tönen das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Nach dem Ausscheiden von Chopper treten sie zu Sechst mit Bassist und Cellist auf, was auch so bleiben wird. Die erste Reihe mit den Gründungsmitgliedern dominierte aber deutlich. Es gab Songs vom neuen Album samt einigen Entstehungsgeschichten. Sänger John Jones würdigte den verstorbenen Pete Seeger, der Missstände anprangerte, aber trotzdem die Menschen aufrichtete. Ein Ansatz, dem die Oysters selbst folgen. 1987 haben sie in Leipzig Freunde und Weggefährten („fellow travellers“) kennengelernt, die so wie sie die Verhältnisse nicht für unveränderbar hielten. Seitdem pflegen sie eine besondere Beziehung zu Deutschland. John Jones kündigte mir gegenüber an, sich 2015 wieder einem Soloalbum widmen zu wollen. In England wandert er gelegentlich mit seinen „Reluctant Ramblers“ von Gig zu Gig. Eine ähnliche Tour hierzulande könne er sich durchaus vorstellen.

Fairport Convention haben ihr 45-jähriges Bandjubiläum hinter sich und besitzen mit ihrem Cropredy – Festival in England Kultstatus. Unzählige Male haben sie sich umbesetzt und neu erfunden. Mit Matty Groves oder Farewell Farewell ging es weit in der Bandgeschichte zurück, was erstaunlich gut auch ohne die damaligen Stars funktionierte. Fairport gefielen mit akustisch dominierter, saitenlastiger Besetzung sowie Simon Nicols warmer Stimme, wirkten insgesamt aber eher gemütlich: mit sich und der Welt im Reinen.

Horslips, die irische Verkörperung der Siebziger, haben lediglich den Schlagzeuger gegen einen jüngeren ausgetauscht und sind rockig geblieben. Mit Flöte oder Concertina zur Hammond- Orgel kam ihre akustische Seite hin und wieder zur Vorschein. Ihnen war klar, dass 40 Jahre nach ihrem Deutschland – Debüt und 34 Jahre nach ihrer Auflösung nur eine Minderheit Vorkenntnisse ihrer Lieder mitbrachte. Sie trugen es mit Humor: „Your parents really liked this one!“ Ihre Art Rock – inspirierten Legenden – Vertonungen mit mehrstimmigen Melodielinien zeigen immer noch große Könnerschaft. Neue Songs schreiben sie nicht mehr. Gegen Ende war zu merken, dass sie sich kräftemäßig ziemlich verausgabt hatten.

Diese drei Bands müssen nichts mehr beweisen, wissen, was ihre Stärken sind und genießen offensichtlich den Kick, den ein gutes Festival gibt. So gesehen, kann man ihnen ruhig nacheifern.

Bericht vom Samstag

kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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