Pacifix ~ Closed Forever (2009)

Closed ForeverPassend zur kalten Jahreszeit erreicht mich die neue Platte der Pacifix. Ein Album mit Liedern wie ein Wintertag: lang und bisweilen düster. Es mag ja nichts Brandneues sein und manchmal wenig originell Winterabende zu beschreiben, denn wer kennt sie nicht? Doch….

…wer hat denn eigentlich behauptet alles müsse neu und originell sein? Wenn eine Band die Fassade eines alten Kinos auf ihr Cover nimmt, dessen Anzeigetafel statt aktueller Blockbuster lediglich den Zustand „Closed Forever“ kennt, wenn zwei Lieder von Weihnachten handeln und ein anderes „Old, Toothless & Grey“ heißt, so darf man sich mit dieser Musik getrost den aufkommenden sentimentalen und nostalgischen Gefühlen hingeben.

Diese drei Iren, das tönt hier allumher, schämen sich dieser Emotionen sicher nicht. Sie hängen stattdessen lieber ihren Gedanken nach, welche sie lang und gründlich entwickeln. Genauso klingen die Songs: bedächtig, ruhig und schwelgerisch. Man glaube nun aber nicht „Pacifix“ wüssten deshalb nicht was in der Welt so los ist oder hätten keinen Horizont. Auf ihrer Myspacepage findet sich beispielsweise ein kleiner Aufsatz, zum Thema EU Reformvertragsreferendum. Passenderweise votierte man dagegen, u.a. wegen neoliberaler Ausrichtung der EU.

Obwohl kritisch und mit Haltung sind „Pacifix“ keine unbedingt politische Band, die Themen entspringen eher Quellen wie Mitgefühl und Beobachtung. Ähnlich gehen ihre Vorbilder und Einflüsse vor, deren sich teils zitiert, teils direkt benannt, einige finden lassen. Leute wie Leonhard Cohen, Townes van Zandt, Tom Waits oder Richie Edwards, aber auch Literaten wie Oscar Wilde oder Marcel Proust erzählen in ihren Texten von der Wirklichkeit – und die ist eben häufig zu kritisieren, immer aber zu empfinden.

Man wundere sich an dieser Stelle allerdings nicht zu sehr, dass in obiger Liste kein Folkmusiker Erwähnung fand, die Iren unserer Band sind eben auch musikalisch etwas freier. Jedoch sind die Grundlagen zweifellos traditionell, das Instrumentarium klassisch. In der Hauptsache erklingt eine Akkustikgitarre, drumherum gesellt sich manches andere Instrument. Immer wieder eine Geige, hie und da ein wenig Klavier, in “Willoughby“ auch mal ein Schlagzeug. Nie ist allzu viel los und welches Instrument in welchem Song ertönt, könnte eventuell davon abgehangen haben, welcher Kumpel gerade Zeit zum mitspielen hatte.
Daher klingt es auch schon mal sanft holperig oder authentisch schief, den Künstlern ging es jedoch vielleicht auch mehr um das liebevolle musizieren, um die lockere Atmosphäre, die entsteht, wenn Freunde sich zum miteinander Musizieren treffen.

Die auf ihrer Homepage als Einflüsse der Band aufgezählten amerikanischen Countrymusiker oder Singer/Songwriter nimmt man in ihren Stücken immer wahr, genau wie R.E.M. Die ganzen Einflüsse fügen sich, da sei man unbesorgt, stimmig zusammen. So sei daher auch gesagt: Wer die Stimme von Michael Stipe mag, wird sich mit „Closed Forever“ wohlfühlen. Begeistern werden sich weiterhin all jene lassen, die sich gerne in aller Ruhe hinsetzen und einem Sänger zuhören. Eine Party lässt sich mit dieser Platte sicher nicht gewinnen, doch bestimmt der Kater nach jedem Guiness zuviel friedvoll auskurieren.


Trackliste

  1. Old Wounds
  2. Little Christmas
  3. If not now, when?
  4. Inbound Train
  5. Closed Forever
  6. Old, Toothless & Grey
  7. Saint Stephen’s Day
  8. Willoughby

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tica

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