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Runrig – DVD The Last Dance (2019)

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von unserer Gastautorin Eva Gerner

„Your memory is everything“

Als nach dem großen Feuerwerk nur noch dunkler Rauch über der Burg hing, aber noch immer Fangesänge über das Konzertgelände wehten, da habe er realisiert, dass es endgültig vorbei sei, so Drummer Iain Bayne bei der Präsentation des Konzertfilms „The Last Dance“ der schottischen Kultband Runrig in der Lichtburg in Essen.

Dass ihm und seinen Bandkollegen der Abschied nicht nur schwerfällt sondern richtig nahe geht, war trotz der Späßchen in der vorangegangen Fragerunde deutlich zu spüren. Mit den Gründungsmitgliedern Calum und Rory Macdonald sowie Keyboarder Brian Hurren und eben Drummer Iain Bayne waren 4 der 6 Musiker angereist. Sichtlich gerührt nahmen sie die überschwängliche Begrüßung ihrer Fans entgegen. Diese hatten sich nämlich etwas ganz Besonderes einfallen lassen und hielten ihren Idolen Schilder, auf denen anlässlich des ersten Nummer Eins Albums in der 45-jährigen Bandgeschichte eine dicke „1“ gedruckt war, zu Hunderten entgegen.

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Nicht minder gerührt die Fans beim Genuss des Films. Wer beim Abschiedskonzert in Stirling vor einem Jahr dabei war, fühlte sich zurückversetzt. Wer das Konzert noch nicht kannte, bekam dessen Kraft nun deutlich zu spüren. So oder so, das Wechselbad der Gefühle muss jeder Zuschauer durchleben. 15 HD Kameras waren an jedem der beiden Abende im Einsatz – dreimal mehr als bei bisherigen Mittschnitten der Band; dazu ein dreiköpfiges Team um den preisgekrönten Dokumentarfilmer Jack Cocker. Herausgekommen ist ein Film, dem es gelingt, Würde und Stil des Abgangs einer Band, die ihresgleichen sucht, in bestechender Bild- und Tonqualität einzufangen (bei der DVD müssen hier im Vergleich zur Blu-ray aber Abstriche gemacht werden) und zudem sehr ehrlich ist. Runrig sind sich nicht zu schade, Tränen und gerötete Augen auch in Großaufnahme zuzulassen.

Der Film besticht also vor allem durch die Emotion, vor und auf der Bühne. Beeindruckend schon die Eröffnung des Films, die jedes Bandmitglied unmittelbar vor dem Gang auf die Bühne zeigt; dazu werden Originalstimmen der Musiker eingespielt. Dann mischen sich drei Stunden lang mit Songs wie „The Place where the Rivers Run“ oder „Skye“ pure Lebenslust mit Wehmut und Schmerz über den Abschied. Ein Blick in das Gesicht von Gastmusiker und „Freund auf Lebenszeit“ (B. Guthro) Duncan Chisholm, als dieser bei „The Story“ ein letztes Mal den Bogen über seine Fiddle führt, spricht Bände.

Oft sind es gerade die stillen Augenblicke, die besonders beeindrucken, wenn z. B. Leadsänger Bruce Guthro solo mit Gitarre und Mundharmonika „Year of the Flood“ darbietet oder der sonst so stille Keyboarder Brian Hurren mit Gitarrist Malcolm Jones „In Search of Angels“ präsentiert. Dass ausgerechnet zu „Going Home“ ein Schwarm Wildgänse über das Gelände zieht und von den Kameras wunderbar eingefangen wurde, ist fast schon überirdisch-magisch. Ohnehin ist dieser Konzertmitschnitt nicht arm an magischen Momenten. Gitarren-Gott Malcolm Jones erscheint für ein Solo als überlebensgroße Silhouette auf den Burgmauern von Stirling Castle, nur um Sekunden später wieder die Bühne am Fuße der Burg zu betreten.

Und noch eines unterstreicht der Film: Die viel beschworene Einheit von Band und Fans. Immer wieder wechselt die Kamera zwischen Musikern auf der Bühne und ihren treuen Anhängern davor. Beim Klassiker „Every River“ etwa kapituliert Leadsänger Bruce Guthro phasenweise vor der Stimmgewalt der 25.000 und überlässt ihnen fast die komplette erste Strophe. Der Refrain gehört traditionell sowieso den „Riggies“, wie sich die Fans selbst nennen. Lässig streckt der Frontmann der Menge im Vorbeigehen das Mikro hin. Blickkontakt, um die Menschen zu animieren, braucht er dabei nicht. Das Publikum weiß, was es zu tun hat, und übernimmt die Leadvocals ohne Zögern. Überhaupt, die Fans sind definitiv das siebte Bandmitglied in diesem Mitschnitt.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die Kürzungen, denen unter anderem zwei Songs sowie einige Reden der Bandmitglieder zum Opfer gefallen sind. Manch eingefleischtem Riggie mag dies wehtun, dem Gesamteindruck des Films aber schadet es nicht. Mit „The Last Dance“ zementieren Runrig ihren Status als Ausnahmekünstler und hinterlassen ein würdiges Dokument ihres Schaffens.

Der Rauch über der Burg von Stirling hat sich schon lange verzogen. Doch das Erbe der schottischen Ikonen wird noch lange Zeit bestehen.

Runrig: „The Last Dance – Concert Film“ (RCA) ist erhältlich als DVD und Blu-Ray. Die Musik in gekürzter Version als Doppel CD oder einer limitierten 3 CD Box. 

Fotos im Text: Hans-Reinhold Drümmen, Rüdiger Gröne

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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