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Runrig “The Last Dance” in Glasgow

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von unserer Gastautorin Eva Gerner

Der tanzende Kinosaal

 Hände recken sich in die Luft, klatschen im Takt. Aus den Kehlen schallen hymnische Gesänge. In den Gängen der Royal Concert Hall in Glasgow tanzen Menschen. Was aussieht wie ein gutes Rockkonzert ist tatsächlich „nur“ ein Konzertfilm, der in bestechend scharfen Bildern und mitreißendem Ton über die riesige Leinwand flackert.

Die Produktionsfirma Blazing Griffin hatte kurzfristig zu dieser Weltpremiere von „The Last Dance – [Runrig´s] Farewell Concert“ eingeladen und wieder waren die treuen Fans aus allen Teilen der Welt angereist. Die Band selbst – an diesem Abend ebenfalls nur Gast – war von verschiedenen Kontinenten zusammengekommen. Leadsänger Bruce Guthro war eigens aus Kanada eingeflogen. Tatsächlich, so scherzten Bandmitglieder, hätten sie nun auch einmal die Gelegenheit, ein Runrig Konzert zu besuchen. Den gesamten Film kannten auch sie noch nicht und so kam es einmal mehr zu diesem ganz besonderen, einzigartigen Erlebnis, diesem Verschmelzen von Band und Fans, wie man es von unzähligen Runrig Konzerten kennt.

Und so durfte die Band einmal von der anderen Seite erleben, wie sich Zeit und Raum streckenweise auflösten. Die Grenzen zwischen Kinosaal und Konzertwiese verwischten. Immer wieder gab es Szenenapplaus für Guthros Ansagen auf der Leinwand und dessen Aufforderungen, mitzusingen, mitzuklatschen waren ebenso unwiderstehlich wie an jenem Abend vor genau einem Jahr, als Runrig in zwei Nächten hintereinander im Stirling Castle City Park ihren Abschied mit je 25.000 Fans feierten. Wer nicht klatschte schien gebannt, gefangen im Moment. Filmende/fotografierende Handys sah man dementsprechend praktisch gar nicht.

Dabei waren Runrig bei diesem Event quasi ihre eigene Vorgruppe, denn bevor der Film gezeigt wurde, gab es noch eine Gesprächsrunde mit allen Bandmitgliedern, durch die Radiomoderator Roddy Hart gekonnt-locker führte. Allein der Auftritt der Band ließ die Halle toben und die Gefühle Achterbahn fahren. Die meiste Emotion zeigte einmal mehr Gitarrist Malcolm Jones. Im Anschluss an eine kurze, scherzhafte Einlage Luftgitarre beim Betreten der Bühne, begleitet vom Luftschlagzeug seines kongenialen Bandkollegen Iain Bayne, legte Jones sein Mikrophon sofort zur Seite und verweilte während der gesamten Question & Answer Session schweigend in seinem Sessel. Manche Menschen, so Drummer Iain Bayne, der nach eigener Aussage eine geradezu „telepathische musikalische Verbindung“ mit Jones hat, würden eben nicht gerne in der Öffentlichkeit sprechen und Malcolm, schlichtweg der beste Gitarrist mit dem er je gearbeitet habe, ließe ohnehin lieber seine Gitarre für sich sprechen. Eine Aussage, die vom Publikum mit stehenden Ovationen und tosendem Applaus gewürdigt wurde. Eine A-Cappella Version von Hearts of Olden Glory, von Bruce Guthro zunächst sitzend angestimmt und von den Fans sofort unterstützt beendete das Vorprogramm und ließ das Publikum ein weiteres Mal im Chaos der Gefühle, irgendwo zwischen Glückseligkeit, Dankbarkeit, Erinnerung und Trauer.

Am Mittwoch, 28.08.2019 in der Lichtburg in Essen besteht die Möglichkeit, einem ähnlichen Spektakel beizuwohnen, wenn Mitglieder der rüstigen Rentnerband den Film in voller Länge präsentieren. Wer diesen Termin nicht wahrnehmen kann, kann seit dem 16.08.2019  immerhin CD bzw. DVD/Blu-Ray Mitschnitte im Handel erwerben.

Fotos: Eva Gerner

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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