The Bonnie Ship The Diamond

Cutty Sark„Kopf hoch und nur den Mut nicht sinken lassen!“ Kräftig und munter klingt der Refrain. Die Seeleute, die zum Walfang Richtung Grönland aufbrachen, hatten dabei allen Grund, verzagt zu sein. Ihnen stand eine monatelange Reise unter übelsten Bedingungen bevor. Wenig und schlechtes Essen, Frieren in unzureichender, durchnässter Kleidung, primitive Unterbringung auf engstem Raum, harte Arbeit, lange Abwesenheit von Zuhause und nicht zu unterschätzende Lebensgefahr.

War vom Ausguck ein blasender Wal zusehen, ging’s in die Ruderboote. Wenn es gelungen war, mit den aus wenigen Metern Distanz geworfenen Harpunen Treffer zu landen, versuchten die Männer, den Wal unter Kontrolle zu bringen, um den tödlichen Stoß zu führen. Möglicherweise griff der Wal das Boot an, selbst kompletten Schiffen konnte er gefährlich werden. Manchmal zog er ein Boot so weit fort, dass es den Kontakt zum Schiff verlor, oder er tauchte so tief, dass es mit hinab gezogen wurde. Das Überleben im eiskalten Wasser war nur für wenige Minuten möglich. Auch beim blitzschnellen Abrollen des Seils der Harpune konnte es zu gefährlichen Verletzungen kommen.

Hintergrund

Gegen 1600 hatten sowohl Engländer als auch Holländer vergebens nach einer Nordostpassage als kürzestem Weg zum Fernen Osten gesucht. Stattdessen stieß man auf Spitzbergen und Unmengen von Walen in seinen Gewässern. Der Speck der erbeuteten Wale wurde zu Tran verkocht und in Fässer abgefüllt. Der Tran wurde hauptsächlich zu Beleuchtungszwecken verwendet.

Durch die intensiven Bejagung nahm die Zahl der Wale so rapide ab, dass sich der Fangbetrieb in die offene See und ins Treibeis verlagerte. Die Jagd auf die ‚schwimmenden Goldminen‘, die Grönlandwale, wurde nun weitaus mühevoller und gefährlicher.Gegen 1820 war das relativ milde Nordmeer leer gefischt und man begann, vor Nordwest-Grönland unter arktischen Bedingungen zu jagen. Unglücke blieben nicht aus.

Bild im Maritime Museum,HullDie Erzählung vom guten Schiff Diamond geht so: 1825 an der schottischen Ostküste vom Stapel gelaufen, war ihr nur ein fünfjähriger Einsatz beschieden. Sie erreichte mit einer Flotte, dabei auch die Resolution und die Eliza Swan, im Juni 1830 die Melville Bay. Der Wind, der eine rasche Hinfahrt ermöglicht hatte, verhinderte, dass die Schiffe die Bucht verlassen konnten, als sie von treibenden Eisschollen eingeschlossen wurden. Die Diamond war unter den Schiffen, die unter dem Druck des Eises zersplitterten. Zahlreiche Seeleute erfroren oder ertranken. Die Eliza Swan blieb vor der Zerstörung bewahrt und konnte mit den Geretteten die traurige Nachricht heim nach Peterhead bringen.

Hiernach wäre die Entstehung des Liedes ziemlich genau zu datieren und der Urheber in der Crew des Captain Thompson zu vermuten. Möglicherweise war aber auch alles ganz anders: In den Hafenlisten von Peterhead tauchen kein Schiff Diamond und kein Captain Thompson auf, auch im örtlichen Museum keine Spur der Tragödie. Dokumentiert ist anderswo eine Diamond, 1801 in Quebec in Auftrag gegeben, die unter einem Kapitän Gibbons ins Nordmeer segelte und dort bereits 1819 vom Eis zerquetscht wurde.

Vielleicht ein weiterer Fall, wo ein Liedermacher in späteren Jahren einer Legende oder ein Ereignis aufgriff und für die Nachwelt überlieferte.

Der Tran wurde übrigens im 19. Jahrhundert vom Petroleum abgelöst. Der britische Walfang endete mit dem ersten Weltkrieg.

Text

The Bonnie Ship The Diamond (trad.)

The Diamond is a ship, my lads
For the Davis Strait we’re bound
The quay it is all garnished
With bonnie lasses ‚round
Captain Thompson gives the order
To sail the ocean wide
Where the sun it never sets, my lads
Nor darkness dims the sky

For it’s cheer up my lads
Let your hearts never fail
For the bonnie ship the Diamond
Goes a-hunting for the whale

Along the quay at Peterhead
The lasses stand aroon
Wi‘ their shawls all pulled around them
And the saut tears runnin‘ doon
Don’t you weep, my bonnie wee lass
Though you be left behind
For the rose will grow on Greenland’s ice
Before we change our mind

Here’s a health to the Resolution
Likewise the Eliza Swan
Three cheers for the Battler of Montrose
And the Diamond, ship of fame
We wear the trousers o‘ the white
The jackets o‘ the blue
When we get back to Peterhead
We’ll hae sweethearts enou‘

It will be bright both day and night
When the Greenland lads come hame
Our ship full up with oil, my lads
And money to our name
We’ll make the cradles for to rock
And the blankets for to tear
And every lass in Peterhead sing
„Hushabye, my dear“.

Aufnahmen

Eine frühe Schallplattenaufnahme mit Ewan MacColl und A.L. Lloyd datiert von 1956. Von letzterem stammt auch die Geschichte der Diamond, so wie sie zum Liedtext passt, nachzulesen auf dem Walfang-Sampler Leviathan (Topic Records 1967). In den Sechzigern wurde der Song auf beiden Seiten des Atlantik ziemlich populär.

Die amerikanische Folksängerin Judy Collins nahm den Song 1962 auf. Bei Bob Dylans Fassung von 1967 stimmen nur der Titel und der Text des Refrains mit dem obigen überein.

In Schottland machte das Duo The Corries den Song bekannt.

Die vier Watersons aus Hull in Nordengland singen Bonnie Ship the Diamond 1965. (leider mit Sprüngen im Film)

Sogar Björn und Benny von den späteren ABBA haben sich als Mitglied der Hootenanny Singers daran versucht:

Euch ist wahrscheinlich die Version von Fiddlers Green bekannt. Sie ist auf Folk Raider (2002) zu finden.

Alle Lieder aus dieser Serie gibt es in unserem Youtube-Channel in der Playliste ‚Story behind the Song’.

kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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