The Cundeez ~ Cundee radio (2010)

„The Cundeez“ ist eine Band aus Großbritannien und bietet auf Ihrem Album „Cundee radio“ vieles, was der Punk- und Celtic Rock Fan liebt. Eine röhrende E-Gitarre mit stimmigen Riffs und Pipes, die sich direkt in den Gehörgang pfeifen, dominieren die guten Songs. Dazu gesellt sich noch ein wohldosierter Leadgesang, der zwar nicht von musikalischer Perfektion zeugt, aber in seiner Einfachheit eine Nonchalance versprüht, die vor allem bei den etwas ruhigeren Songs sehr passend ist.

Die typischen „Schreitiraden“, die vor allem unter Punk Bands sehr beliebt sind, kommen auch auf dieser Scheibe nicht zu kurz. So lässt sich vor allem bei „Gangs o dundee“ mit schreinder Sirene im Hintergrund eine gewisse Grundstimmung der Rebellion nicht überhören. Doch im Gegensatz zu diversen Bands, die einfach nur der vermeintlichen Coolness wegen Songs gegen das Establishment von der Bühne zu brüllen scheinen, kann sich bei „The Cundeez“ immer öfter ein gutes Gespür für Melodien und Tempo hören lassen. Auch ungewöhnliche Kompositionen, an die man sich erst gewöhnen lassen, wie etwa das mit Sprechgesang angereicherte „Skeem life“ zeugen von einer persönlichen Note dieser Band jenseits des Mainstreams.

Eine endgültige musikalische Einordnung dieser Kombo bleibe ich angesichts der extraordinären Zusammenstellungen und Variationen schuldig. Gerade wenn man denkt, man hört eine Punk Band aus den Achtzigern, erklingen Sounds, die an Reggae oder auch Blues erinnern. Ich denke mal die Ergänzung „Fusion“ als Bezeichnung des eigenen Stils auf der MySpace Seite trifft dieses Phänomen ganz gut. So gibt es zum Beispiel auch einen Song auf der CD, der sich „Wannabe“ nennt und so weit von dem Pendant der Spice Grirls entfernt ist wie „Naddel“ von einer vornehmen Blässe. Hier wird im immer noch bemerkenswert fremd anmutenden Englisch zur dominanten Gitarre und gelegentlichem Frauenchoral gesungen. Dieser Song hat definitiv den gewissen Ohrwurmcharakter, auch wenn er für mein persönliches Empfinden eher „fake identity“ hätte heissen müssen, einfach weil diese Worte so oft fallen.

Einer der Songs, mit denen ich absolut nichts anfangen konnte ist „Coloured ribbons & tarnished brass“. Schuld ist der für mich unpassende Sprechgesang in Englisch mit einem undefinierbaren Akzent. Dieser verwirrt mich einfach zu sehr, auch wenn die Melodie im Hintergrund durchaus Potential zur Ballade hätte. Tatsächlich baut das ganze Album in meinem Empfinden gegen Ende eher ab, hier wird für meinen Geschmack zu viel experimentiert. Falscher Gesang kommt eben nicht immer als Kunstform an, es müsste dann schon eine bombastische Melodie geliefert werden, um diesen Fauxpas auszugleichen. Einziger Lichtblick ist „One step beyond“.

Insgesamt ist der Eindruck von The Cundeez folgender: Gute Instrumente, durchaus passable kompositorische Ansätze und die richtige Attitude für Underground Konzerte. Wer jedoch nicht damit klarkommt, gelegentlich keinen Refrain erkennen zu können oder sich bei Experimenten unwohl fühlt, der sollte die Finger von der CD lassen. Für alle, die sich als „musikalisch offen“ bezeichnen: Hier kommt die Gelegenheit es zu beweisen.


Trackliste

  1. Ehm Aff It
  2. Lorraine Kelly
  3. Gangs O Dundee
  4. Skeem Life
  5. Thirz Nuthin Worse
  6. Chronicled Youth
  7. Wannabe
  8. Coloured Ribbons An Tarnished Brass
  9. Mick McCluskey’s Oary Topia
  10. DD Fehv
  11. Dundee Fowk
  12. One Step Beyond
  13. Ska-Rismuss


Homepage | Myspace | Bestellen | Medienbox | Über Rezensionen

jessy

Ehemalige/r Autor/in

Letzte Artikel von jessy (Alle anzeigen)

Schreibe einen Kommentar