The Distillery Rats – Tales from County Whiskey (2017)

The Distillery Rats haben mit „Tales from County Whiskey“ ihren ersten Longplayer veröffentlicht und in einem ersten Reflex wollte ich schon von den Newcomern schreiben. Aber die acht Heilbronner sind schon seit 2005 aktiv und hatten mit „Back on the Road“ 2010 ihre EP raus gehauen. Dennoch ging einige Zeit ins Land, bis sie nun mit 14 teils eigenen, teils traditionellen Kompositionen an den Start gingen. Kann man also sagen, was lange währt, wird gut?

Mit County Whiskey haben die Rats einen starken Opener ausgesucht. Eine Rocknummer, schnell im Tempo und unterstützt durchs Akkordeon, die direkt zeigt, wohin die Reise geht. Ruhe ist für andere. Party, Bier und Tanz ist das Einzige was zählt. Dabei fallen die Rats durch einen nahezu perfekten Sound auf und erinnern mich stark an die Nach-Pathos Fiddlers (das mit dem Pathos ändert sich später zwar, aber das mit den Fiddlers bleibt). Das gilt eben auch in Bezug auf den Einfallsreichtum, mit dem hier für Abwechslung gesorgt wird.

So ist „Shannon River Lady“ eine Rock ´n Rollnummer alter Schule, die in meinem Kopf sofort Bilder von Faltenröcken und alten Kondensatorenmikrophonen aufplöppen lässt. Während „Chicks for the Rooster“ mit so neoklassisch vorgetragenen Jigs und Reels daher kommt, dass meine Frau mir sehr bildlich den „Distillery Rats“- Auftritt im Musikantenstadl inklusive Kostüme beschrieben hat. Allerdings hat sie für „celtic“ in jeder Variante nichts über.

Dennoch spiegelt sich hier ein möglicher Kritikpunkt wider: bei einigen Songs von „Tales of County Whiskey“ denke ich zu schnell: „Das hört sich ja an wie…“. Dann wird mir bewusst, so gut wie die Platte ist, ich hätte mir doch etwas mehr Innovation gewünscht. Oder einen eigenen Style, also ein Alleinstellungsmerkmal. Dem gegenüber steht aber eine mit viel Liebe zum Detail und handwerklich gut gemachte Platte – und das bezieht sich nicht nur auf die Musik. Die Texte handeln von Liebe, Party, dem Ich, und kommentieren hier und jetzt das Leben im Allgemeinen. Das Artwork und das Layout der CD sind gut durchdacht und abwechslungsreich. Hier empfehle ich euch wirklich, euch nicht mit einem digitalen Download zufrieden zu geben, zumal die Rats als deutsche Band auch gut zu bekommen sind. Ihr findet im Inlay sämtliche Lyrics eingebettet in einem zu jedem Song passendem Design. Sehr nett.

Abschließend noch eine persönliche Anmerkung: Mit „Nothing else matters“ habe ich selten einen so fatalistischen Song, verpackt als emotionaler Walzer, gehört. Wenn die Rats eines unserer großen gesellschaftlichen Probleme schon erkannt haben, dann hätte ich mich gefreut, wenn sie den Kampf aufgenommen hätten und versuchen würden, den menschenverachtenden Einstellungen etwas entgegenzusetzen. Ihr merkt: „Tales from County Whiskey“ gibt eine Menge her, über das man nachdenken oder auch diskutieren kann. So bleibt mir nur, euch zu raten: macht euch unbedingt ein eigenes Bild von den „Distillery Rats“. Denn egal wie euer Urteil ausfällt, bis dahin werdet ihr gut unterhalten.

Hier kommt ihr zur Homepage der Jungs.

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