The Elders ~ Wanderin‘ Life & Times (2011)

Wanderin‘ Life & TimesDie Hommage anlässlich des Baus eines Bootes, „Building a Boat“, eröffnet den Silberling „Wanderin‘ Life & Times“, der im Vorjahr vom sechsköpfigen Künstlerkollektiv The Elders publik gemacht wurde. Sich fortan mit dem Titel „Album des Monats Januar 2012“ schmücken dürfend, zeugt die komplette Trackliste von ungehemmter, kreativer Spielfreude und musischer Versiertheit, die in den Gefilden des Folk eher selten in Verbindung anzutreffen sind.

So eröffnet die Fiddle mit Akkordumspielungen und –modulationen, die eher dem traditionellen Folk immanent sind. Hinzu kommt, und das hört man erheblich seltener, der warme Sound einer Hammondorgel, der insbesondere in den melodiösen Solopassagen sein akustisches Stelldichein gibt. Nebst eines charakteristischen Sologesangs, der immer wieder um weitere Stimmen ergänzt wird, warten The Elders mit einer recht umfänglichen, instrumentellen Bestückung auf. Mit Bodhràn, Whistles, Flöten, Bass, Banjo, Geige, Mandoline, Akkordion, Orgel, Keys, Piano, Gitarre, Schlagzeug und Percussion warten die sechs Herren bei gleichzeitigem technisch feinen Klingenschlag mit einem musikgeschäftlichen Fundus auf.

Der zweite Titel des Albums eröffnet mit E-Gitarren-Sounds, die dem anfänglich eher traditionellen Duktus abträglich sind. Dafür beschließt er die stilistische Vielfalt der Multiinstrumentalisten. So man sich also durch unterschiedliche Gefilde treiben lassen will, bietet dieser Silberling ein Angebot par excellence – zumindest, was die westokzidentalen Einflüsse betrifft. An vierter Stelle wartet der namengebende Titel des Albums auf und besticht erneut durch traditionelle Einflüsse. So erklingt nebst Banjo in guter US-„Klimper“-Manier ein vielstimmiger Ohhhh-Refrain, der eine adäquat unpolitische Alternative zum vielzitierten Go West darstellt – und vermöge des Quasi-Lilting-Refrains womöglich vom optimistischen Fernweh zeugt.

The Elders
The Elders

„Please Come Home“ wird nebst pathetischen Beckentremolos vor allem durch das Wechselspiel von Flöte und Gesang belebt. Dabei kann mit musischen Klischees gar nicht eifriger umgegangen werden, so dass der Titel durchaus Anspruch auf einen filmmusikalischen Einzug bei Werken wie bspw. „Der Patriot“ oder „Braveheart“ haben dürfte. Dies ist auch der einzige Titel, bei dem der sonst so angenehm unaufdringliche und dennoch charakteristische Gesang des Frontmanns, seinen zuvor genannten Prädikaten entbehrt. Es lebe also der Kitsch!

„Common Man“ wird einem beinahe Comedian-harmonistischen A-capella-Anspruch gerecht und bezirzt abermals mit seiner musikalischen Reife. Dabei kommen die technischen Raffinessen niemals aufdringlich oder vordränglerisch einher, wie es nicht selten bei solistischen Einlagen oder technisch versierten Egozentrikern der Fall ist, sondern vielmehr wie selbstverständlich – en passent.

„Seven Years“ überrascht wieder durch sein folkloristischen Auftreten, während der Folgetitel anfangs etwas an eine Pophymne erinnert. Im Folgenden wird wieder auf den wohlvertraut sehnsüchtelnden Klang des Dudelsacks gesetzt. Und so lässt sich das komplette Album betrachten: Ein Miteinander von Folklore und klassisch-professioneller Versiertheit, Überraschung und Klischee! Zu jedem Augenblick ein großartiger Hörgenuss. Wer seine Präferenzen also eher in den Gefilden der Monotonie verortet, sollte also die Hände von diesem Album lassen. Wer jedoch sich jedoch als Antipode musischer Borniertheit versteht und gern viele Genre durchlebt und -hört, ist bei The Elders und ihrem letztjährigen Album goldrichtig. Trotz der elf Titel, Abwechslung pur und das Prädikat „Viel zu kurz. Bitte schnellstmöglich mehr davon!“

Trackliste

  1. Building a Boat
  2. Station Number 9
  3. Forever Friend
  4. Waderin‘ Life & Times
  5. Please Come Home
  6. Appallachian Paddy
  7. Common Man
  8. Seven Years
  9. What a House We Could Build
  10. Orange Plank Road
  11. Whiskey on the Fire

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