The FullSet ~ Notes After Dark (2013)

fullsetnotesafterdarkDie Gelegenheit ist günstig, um The FullSet live zu sehen. Die jungen Iren spielen gegenwärtig 30 Konzerte in Deutschland mit dem Irish Folk Festival, was ja bereits eine hohe Auszeichnung ist. Als ein Souvenir bietet sich ihre zweite CD an.

2011 hatten The FullSet in Irland mit ihrem Erstling Aufsehen erregt und Preise als beste Newcomer erhalten. Beim zweiten Album fällt zunächst auf, wie „dicht“ die Band ist, wie eng das Unisono – Zusammenspiel oder die improvisierten Harmonien kommen. Die rasanten Jigs und Reels strahlen Kraft, Leichtigkeit und Souveränität aus. Pipes, Akkordeon, Flute und Fiddle stehen phasenweise in kleiner Besetzung im Vordergrund und demonstrieren ihr staunenswertes Können, ohne dass der Klang dünn wirkt. Die Rhythmussektion mit Gitarre und Bodhran ist ebenfalls stark besetzt. Reels und Jigs werden schwung- und temperamentvoll vorgetragen. Auch vor ungewöhnlichen Rhythmen macht man nicht halt. Am liebsten spielt das Sextett, wie es seinem Namen entspricht, „volle Pulle“.

Andererseits fliegt die Musik vorbei, ohne sich im Gedächtnis festzuhaken, so dass man nachher Mühe hat, sich an Einzelheiten zu erinnern.Was mir bei The FullSet etwas fehlt, sind Ecken und Kanten, Dinge, mit denen sie sich aus der großen Zahl technisch brillanter junger SpielerInnen aus ihrem Heimatland abheben würden.

Die Songs kamen bei der Entwicklung der Band an zweiter Stelle. So sind das Übergewicht der sieben Instrumentalstücke und der Titel des Albums zu erklären, der auf die nächtlichen Aktivitäten der SessionmusikerInnen verweist. Die vier ausgewählten Lieder aus Schottland, Irland und Amerika prägen sich gut ein. Teresa Horgan, die auch die Flöte spielt, hat eine angenehme, volle Stimme, orientiert sich aber nicht unerheblich an amerikanischen Sängerinnen. dies kommt auf dem Album stärker zum Ausdruck als live. The Roseville Fair singt sie mit Country-mäßiger Oberstimme und Stilistik. Da klingt die Texanerin Nanci Griffith, die das Lied bekannt machte, deutlich folkiger.
Die wunderschöne, mit Herz gesungene Melodie von Both Sides The Tweed wird leider in ein festes Dreiertakt – Gerüst gesteckt, so dass sie nicht richtig „atmen“ kann. Schade. Knackig dagegen die schottische Ballade vom Bonnie House of Airlie, wo die Band Gas gibt. Die Herren überlassen das Singen allein ihrer Frontfrau. Bei den Liedern ist also noch etwas Luft, was Mehrstimmigkeit angeht. Man darf gespannt sein, wie sich die junge Band weiterentwickeln wird. Die Power, die The FullSet vor Publikum haben, wäre wahrscheinlich am besten mit einer Live – Aufnahme einzufangen.

FullsethouseTrackliste

  1. The Glen Road to Carrick
  2. Both Sides the Tweed
  3. The Green Fields of Woodford
  4. Sleepy Ned of Newport
  5. The Roseville Fair
  6. Up & About
  7. The Bonnie House of Airlie
  8. Mist in the Morning
  9. Reindeer Rag
  10. Ned of the Hill
  11. The Road to Lisdoonvarna

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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