The Men They Couldn’t Hang ~ Devil on the Wind (2009)

Devil on the Wind
Devil on the Wind

Mit dem namengebenden Titel wird das elftitelige Album, Devil on the Wind, der Unhängbaren eröffnet und wird allen Assoziationen des Namens und der Bebilderung gerecht. Indes sich die Doppelsaiten der Fiddle einer repetierenden Rhythmisierung hergeben, die Wüste in all ihrer Monotonie ein musisches Bild von sich entwirft, jagt das Picking des Banjos, getragen vom Schlagzeug teufelsgleich durch die entworfene Ödnis. Sphärisch erklingen orientalisch anmutende Melodiezwischenteile, die das Gefühl der Befremdung verstärken. Soundtechnisch bewegen sich die kuhknabenhaften Männer nah an Sixteen Horsepower und Wovenhand.

Mit Marlboro-Stimmbändern klagt sich die Frontstimme in das Ohr des Zuhörers, indes die Fiddle nicht müde wird, Sangespausen mit befremdlichen Skalen zu füllen. Dem kehrreimenden „The Devil is on the Wind“ folgt ein solistisches Wechselspiel von Gitarre – die im Übrigen ein soundtechnisches Bonbon darstellt – und Violine, die einander durch den Wüstensand hetzen, als sei der Leibhaftige des Chorus hinter ihnen her.

Tremolierend eröffnet The Ragged Shoreline neuerlich mit dem Viersaiter der Band, dem sich einfühlsam der Gesang und in Lagefeuermanier eine stahlbesaitete Gitarre hinzugesellen. Die gediegene Ouvertüre wird durch auftaktgebende Baseschläge beendet, ehe sich gewichtige E-Gitarren-Riffs den Weg ins den zweiten Titel bahnen. Das „ragged shoreline“ des Refrains avanciert nach kurzem Hören bereits zum Mitsinganlass, indes sich das Banjo in Triolen um den Melodielauf windet.

Beast of Brechfa lebt abermals vom schwergewichtigen Gesang der Frontstimme, die bisweilen etwas zu wichtig daherkommt. Die Akkordissonanzen erzeugen eine Stimmung die einem horroresken Westernszenario angemessen ist. Indes sich das Schlagzeug Strophe auf Strophe durchshuffelt, avanciert eine Orgel zum stimmungstechnischen Lichtblick.

In guter Saloon-Country-Manie schlägt Mrs. Avery gemäßigtere Töne an. Ein Piano akzentuiert sparsam die intuitive Akkordik, indes sich eine andere Stimme zu Wort meldet. Dies tut sowohl diesem Titel als auch dem Album insgesamt sehr gut und sorgt für vokale Entspannung. Ein Bockgroundchor säuselt ein illustres „together togehter“ im Hintergrund des Refrains, während eigentlich nur noch das Schnipsen zur Assoziation eines Gospels fehlt.

So setzt sich das Album Titel auf Titel fort, brilliert mit ungewöhnlichen Soundabmischungen der Soloinstrumente, überrascht hier und da mit kleinen Innovativschüssen gen Hörerohr und wäre insgesamt eine runde Nummer, wenn da nicht der Gesang wäre. Was beim ersten Titel noch eindringlich, beim zweiten schon ein wenig überwichtig daherkommt, wird zum echten Stimmungskiller, wenn man ein Einfügen des Gesangs in das Gesamtstimmungskollektiv erwartet. Zu dominant, zu betont kommt die Vokalleistung der meisten Titel daher, so dass das wohlfeile Konglomerat innovativer und wohlfeiler Instrumentalleistungen bedauerlicher Weise in den Hintergrund rückt.

 

Trackliste

  1. Devil on the Wind
  2. The Ragged Shoreline
  3. Beast of Brechfa
  4. Mrs. Avery
  5. Reservoir
  6. Overseas
  7. Heartbreak Park
  8. Aquamarine
  9. A Real Rain Coming
  10. Hard To Find
  11. Lost World

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