The Mickey Finns ~ Prayers and Idle Chatter (2012)

Prayers and Idle Chatter
Prayers and Idle Chatter

Unzählige Anekdoten und Geschichten sind um die Mär des heimkommenden Sohnes erwachsen. Doch Return of the Prodigal Son wirft ein ganz neues Licht auf die seit bibelgedenken vielfach transformierte Volksmundsaga des zum Stamm heimkehrenden, symbolischen Apfels. Doch was The Mickey Fins aus diesem Stoff machen, ist ein Opener par excellence. Der erhabene Mythos wird zum Volksfest und so entwerfen die vier Herren nicht ein Bild von Reue und Wehmut, sondern der Heimkehrer schwingt das Tanzbein durch grünbegraste, irische Gestade.

Mit Gitarre, Fiddle, Bass, Mandoline, dem obligatorischen Schlagzeug, Percussion, aber auch Bouzouki und Klavier weisen die vier Herren ein recht ansehnliches Kompendium folkloristischer Instrumente auf, das maßgeblich von der exquisiten Vielstimmigkeit der Guinnessstimmbänder getragen wird. Zwischen einem gemütlichen Bass und einer Slight-Violine stimmen The Mickey Finns einen chorischen Hintergrundgesang an, der seinesgleichen sucht.

Der zweite Titel, Sweet Clare Girl, schlägt zwar etwas gemäßigtere Töne an, dennoch tut dies dem gigantischen Ersteindruck der CD keinen Abbruch. Doppelsaitend umspielt die Fiddle die Melodie, wechselt von ruhigen Akkorden zur Melodiestimme, und tritt bei Einsatz des Gesangs sofort wieder in den Hintergrund. Eine Geigenleistung, die sich nicht durch Pausen, sondern durch kunstvolle Variationen den Anschein von Sparsamkeit gibt.

Loop Reels eröffnet erstaunlich andersklingend und erinnert, einem kurzen Exkurs gleich, eher an ein Rockintermezzo, denn eine typische Folkleistung. Während sich also Gitarre, Bass und Percussion zu einem rhythmischen Stelldichein gesellen, windet sich die Geige durch unterschiedliche Reels, die sich zu keinem Zeitpunkt eines ermüdenden Repetierens schuldig machen.

Dem Getränk der tanzenden Schmetterlinge, „Absinthe“, widmen die vier Musiker nicht nur einen Titel, sondern vielmehr eine Hommage exzessiven Genießens. Nebst dem charakteristischen Gesang profiliert sich in diesem Stück, trotz eines virtuosen Geigensolos, vornehmlich eine leicht verzerrte Gitarre, die den Viersaiter in den Schatten stellt, während die Bunde des Sechssaiters durchtobt werden.

So folgt Titel auf Titel, jeder als ein Charakteristikum seines Vorgängers, doch auf wunderbare Weise niemals monoton, und der Silberling ist im Nu passé. The Mickey Finns vereinen auf ihrem Album sowohl traditionelle als auch innovative Elemente, die maßgeblich von dem virtuosen Geigenspiel getragen werden. Rhythmische Breaks gehen ebenso flink und fast nebenbei von der Hand wie beeindruckende Soli, die die ganze Band in ihrer musischen Kunstfertigkeit präsentieren. Wem beim Hören eines Albums die Trommelfelle vor Riffs, berstenden Snare-Sounds und wummernden Bässen in zufriedener Harmonie bersten müssen, wird mit „Prayers and Idle Chatter“ nicht grade vortrefflich beraten sein. Wer jedoch auf der Suche, nach Wohlbekannten in neuer Umwandung ist, wer ein wohlartikuliertes Geigensolo einem Off-Beat-Gehämmer vorzieht, wer sich das Tanzbare gern in die heimischen Stuben holt, wird diese Scheibe lieben.

 

Trackliste

  1. Return of the Prodigal Son
  2. Sweet Clare Girl
  3. McGuinness’ Mass
  4. Loop Reels
  5. Absinthe (makes the heart grow fonder)
  6. The Jester
  7. Tanks and Barbed Wire
  8. Two Jigs for Aoife
  9. Dark Roll Down the Dawn
  10. The Ballad of Duffy’s Cut
  11. Be Minor

 

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