The moon and the nightspirit ~ Mohalepte (2011)

Selten hat ein Bandname so gut gepasst wie bei „The moon and the nightspirit“. Das ungarische Duo zeigt auf seinem Album „Mohalepte“, dass es eine sehr ausgeprägte Affinität zu mystischen Klängen und Geschichten hat. Ihre heimatlichen Legenden und Sagen verpacken die beiden Musiker Ágnes Toth und Miháli Szabo in verträumte Melodien, die manchmal beinahe etwas entrückt wirken. Der Gesang ist dabei sehr zurückhaltend eingesetzt und erinnert entfernt an Enya. Mit insgesamt acht Stücken ist „Mohalpete“ nicht gerade voluminös bestückt, dafür gab man sich offenbar viel Mühe beim verträumt wirkenden Artwork der CD. Denjenigen, die Filme wie „Pans Labyrinth“ oder „From Hell“ kennen, werden eventuell die schaurig-schönen Elemente positiv auffallen. Diese finden sich auch in den Songs wieder, die allesamt für den Deutschen Mund in höchstem Grade zungenbercherisch sind. Der Opener „Öregerdö“ geht nahezu nahtlos in die nachfolgenden Stücke über, die sich mit Namen wie „Holdvarázsolt“ oder „Tücskök az avarban“ in die Riege der Mysterien einreihen.

Als variantenreich würde ich die Musik von „The moon and the nightspirit“ nicht bezeichnen. Eher scheint das Duo seinen persönlichen Stil gefunden zu haben und der zeichnet sich eben durch choral-ähnlichen Gesang und orientalisch-folklorische Elemente aus. Der Hang zum Spirituellen prägt mehr als offensichtlich jedes Stück der CD und macht diese zum perfekten Begleitwerk für Gedankenreisen oder Meditationen. Wer jedoch energiegeladene Partymucke sucht, liegt hier völlig daneben. Viel zu ruhig, manchmal auch schwerfällig schieben sich die erdverhafteten Lieder aus den Lautsprechern. Für abendfüllende Rollenspiele unter Fantasy-Fans würde „Mohalepete“ meines Erachtens nach genug Stoff liefern, ebenso als Soundtrack für historische Filme, vor allem wenn sie im Mittelalter oder einer Fantasiewelt angesiedelt sind. In ihrem Pressetext heisst es zum Stil von „The moon and the nightspirit“:

Hobbyschwärmer und sinsistre Connaisseurs führen ihre Musik unter Bezeichnungen wie Pagan-, Ambient-, Ethereral-Sylvan-Musik oder mystisch-mittelalterlicher Folk. Sie begeben sich in ekstatische Trance, auf eine Reise in längst vergangenen Epochen und erwecken an den Feuern den Geist der Ahnen. Ihre nuancenreiche Musik ist energetisch und lebhaft, immer mit der einzigartigen transzendenten Authentizität

Diese blumigen Worte beschreiben den Anspruch der Band und ihre Eigenpositionierung in der Szene wohl ganz gut. Obwohl ich mir bis dato gar nicht bewusst war, dass es ein solches „Sub-Sub-Genre“ gibt. Transzendenz, Spiritualität und Mystizismus sind abschließend wohl die drei Schlagworte, die das sehr außergewöhnliche Werk „Mohalepte“ grob beschreiben könnten. Für Menschen mit einer Ader fürs Übersinnliche, und solche, die keinen Wert auf Textverständnis oder Mitsing-Qualitäten legen, ist diese CD genau das Richtige. Unter den Favoriten in meinem CD-Regal wird „Mohalepte“ wohl definitiv nicht landen aber für den Fall, dass ich mal eine Séance abhalten will, bin ich gewappnet.

Trackliste

  1. Öregerdö
  2. Felleg ùtján
  3. Holdvarázsolt
  4. Kéregbölcsö
  5. Idebenn
  6. Zöldparázs
  7. Mohalepte
  8. Tucskök az avarban

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jessy

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