The O`Reillys and the Paddyhats – The Sound of Narrow Streets (2012)

paddyhatsÜber The O`Reillys and the Paddyhats ist im Internet noch nicht sehr viel zu finden. Kunststück, schließlich spielen sie auch erst seit April 2011 in der jetzigen Besetzung zusammen und haben doch in dieser kurzen Zeit Wunderbares geschafft. Denn findet man Beiträge über die Paddyhats, dann fallen Worte wie „überraschend“ oder „beeindruckend“ und offensichtlich ist die Liveperformance auch nicht von schlechten Eltern. Einen Eindruck davon bekommt man auch durch die Platte, wurde sie zwar im Studio aber „live“ eingespielt. Dieses plötzliche Erscheinen aus dem Nichts wird dann noch durch „ Sound of Narrow Streets“, ihr nagelneuer Longplayer, gekrönt. Zehn Eigenkompositionen nach bester Rapmanier durch ein Intro mit Zitaten aus dem Film Michael Collins eingeleitet, befinden sich auf der Platte.

Dieses Intro gibt dann auch die Richtung des Albums vor. Natürlich gibt es Lieder über das Feiern und Biertrinken, aber die meisten Songs setzen sich mit ernsteren Themen auseinander. Im Mittelpunkt stehen die Konflikte zwischen England und Irland – vereinfacht gesagt. Diese werden aus Sicht der Underdogs, Katholiken und Arbeitern beleuchtet. So entsteht in „Bloody Marrion Road“ ein sehr eindringliches Bild einer Straßenschlacht zwischen Iren und Engländern. Die Dynamik des Kampfes findet sich auch in der Musik wieder. Ein treibendes Banjo, schnelle Drums und ein immer wieder wechselndes Tempo sorgen dafür. Und wie es nach jeder zünftigen Straßenschlacht passiert, finden sich manche Lads im Gefängnis wieder.

Diese Linie ist zwar nicht direkt grade also chronologisch, ist aber trotzdem Thema in „Prison Cell“. Ein IRA-Protagonist erzählt davon, dass er seit 1924 im Gefängnis sitzt, aus seinen republikanisch-nationalistischen Tätowierungen Kraft schöpft (so erzählen es wenigstens die Paddyhats im Toraloo Radio Interview) und an den Kampf für die 32 Countys. Hier hätte ich gerne mal den Text vor mir gehabt, denn soweit ich ihn verstehe, besingen die Paddyhats die Auseinandersetzung innerhalb der irisch-republikanischen Comunity und das aus der Sicht eines IRA-Mitglieds, der im Bürgerkrieg gegen die Freestateler Irlands unter Michel Collins im irischen Bürgerkrieg gekämpft und somit aus der heutigen Sicht eine unpopuläre Position bezogen hat. Musikalisch auch hier eine Aufnahme des emotionalen Pathos, was den Song hymnenhaft werden lässt. Ich mag ihn, aber ihr merkt, die Platte hat auch eine ernsthafte Seite, die zum diskutieren am Tresen einlädt. Deshalb ist das nächste Lied auch erst mal ein Trinklied. Ich werde hier jetzt nicht auf jedes einzelne Lied eingehen, denn das nimmt wohl die Spannung.

Gemeckert auf hohem Niveau, verlieren die Lieder in der Mitte ein wenig ihr individuelles Profil, um dann gegen Ende noch mal richtig aufzudrehen. Die einzige Ausnahme stellt für mich die Ballade „Killorglin Town“ dar. Denn zum einen mag ich so gut wie kein langsames Lied, zum anderen gibt es auch einen objektiven Grund: Reime aus dem Reimlexikon (z.B. tears falling down, from the face to the ground – offensichtlicher geht’s kaum noch). Aber wen’s tröstet: mein 16m. alter Sohn steht drauf und schwankt schunkelnd mit erhobenen Armen durch die Wohnung an mir vorbei. Ich kann wohl sagen 2:1 für Celtic Punk in dieser Familie.

Nach neun sehr kurzweiligen Songs kommt dann noch der heimliche Hit. Die selbst proklamierte Bandhymne „Paddyhats“. Ein gebührender Abschluss. Ich glaub, ich drück noch mal auf Repeat…

Trackliste

  1. Intro
  2. Bloody “Marrion Row”
  3. Prison Cell
  4. No Money for the Pub
  5. The Shamrock Thief
  6. Draught in the Pub
  7. Jolly Roger’s Crew
  8. Life of a Working Man
  9. Killorglin
  10. Good Old Times
  11. Paddyhats

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