Uncle Bard & the Dirty Bastards – Handmade! (2017)

„Handgemacht“ ist ein Wort das Zeitgeist atmet und handgemacht ist auch das neue Album von Uncle Bard & the Dirty Bastards. Sie musizieren und produzieren selber. Sie schreiben eigene Songs. Sie sorgen aber auch für ein eigenes corporate identity. Keine Plattenfirma, kein A&R und auch kein Manager. Alles selbstgemacht, handcrafted eben. Man könnte in Anlehnung an die Strömung aus der Brauereiszene von Celtic-Craft sprechen, denn die Liebe und Unabhängigkeit, die in den Songs stecken, hört man auch. „Handmade“ ist ein wunderbares Album, dass perfekt in dieses wunderbare Celtic-Punk Jahr 2017 passt. Großartiges Album auf großartiges Album erscheint! Das wird eine harte Jahresbestenliste. Und die Bastards werden definitiv Teil von meiner sein und dafür gibt es einen einfachen Grund.

Die sechs Jungs haben eine perfekte Mischung gefunden, um eingängige Songs zu  schreiben, die sowohl kritische Inhalte transportieren können, als auch für Stimmung und juckende Füsse auf ihren Konzerten sorgen: die meisten Lyrics schreiben die Jungs selbst, auch die Musik komponieren sie selbst. Allerdings lassen sie einige Traditionals einfließen. Das schafft einen Wiedererkennungswert. Da die Tunes aber nicht im Zentrum der Lieder stehen, behalten die Lieder ihre Eigenständigkeit. Gleichzeitig schafft diese Herangehensweise eine Melodik, die die Songs eingängig machen.

Mit „The Town I Loved So Well“ und „The Ferryman“ gibt es auch zwei Coverversionen und mit „The Donegal Lass/Butler of Glen Avenue/Tell me about you“ und „The Clarenbridge Fair“ zwei Instrumentale. Ein in früheren Zeiten bekanntes Muster, was hier wunderbar aufgeht, da es für zusätzliche Abwechselung sorgt.

Und dann gibt es „Rust“. Ein entspannter Banjotune sorgt für eine getragene Atmosphäre. Ruhiger Gesang von Domingo setzt ein, aber keine Hook. Das Schlagzeug unterstützt, die Flöte steigert die Spannung. Dann endlich kommt der catchy Mitsingpart. Alles steigert sich zu einem energiegeladenen Finale. „Rust“ ist eine wunderbare Hymne auf die Selbstkritik, die nötiger ist den je. Mein persönlicher Favorit.

„Uncle Bard & the Dirty Bastards“ sind stolz auf „Handmade“ und das nicht nur auf Grund der Lieder, sondern auch wegen der Fotos, des Layouts und des Digipacks. Manchmal sind Hardcopies billig angelegt, aber hier spürt man sofort, dass die Bastards viel Mühe hineingesteckt haben. So findet ihr nicht nur alle Texte sondern auf einige Linernotes, wie es zu den einzelnen Songs gekommen ist. Ja, ich bin begeistert. Für euch mögen „Uncle Bard & the Bastards“ handmade sein, für mich sind sie independent. Jetzt fehlt nur noch Vinyl!

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