Wide Range – A Place in the Choir (2016)

Meistens wähle ich die schnellen, auch gerne harten Bands aus, um ihre Alben zu besprechen. Aber damit allein werde ich nicht glücklich. Also schaue ich von Zeit zu Zeit in den Folksektor, um herauszufinden, ob es dort nicht etwas gibt, was mich entspannt und positiv auflädt. Kurz nach Weihnachten landete die neue CD von „Wide Range“ in meinem Briefkasten. Ich kannte die Band nicht, aber Liederauswahl und Layout zeigen deutlich, dass „A Place in the Choir“ in die Folkkategorie gehört. Ohne Frage bekommt man mit „Molly Maguires“, „The Night that Paddy Murphy Died“, „Fields of Athenry“ und ähnlichen Songs genau das, was drauf steht. Aber es gibt einen Grund, warum man nicht mit dem Satz auf den Lippen „Ich habe zu Hause die Dubliners-Diskographie“ abwinken sollte – und das ist nicht die bessere Aufnahmequalität. Wide Range hat es geschafft, dreizehn meist bekannte Songs so aufzunehmen, dass sie sehr entspannt rüberkommen.

Das liegt zum einen daran, dass alle fünf Musiker wissen, was sie mit ihren Instrumenten anfangen sollen. Zum anderen schöpfen sie diese Fähigkeiten nicht komplett aus. Für manchen Leser mag das negativ sein, denn was wäre wohl drin gewesen, wenn es anders wäre. Aber für mich ist das die Stärke, dass diese bekannten Lieder mit Selbstbewusstsein und Souveränität vorgetragen werden – eben ohne Schwäche. So hat Richard Fehrmann eine raue Stimme. Nichts besonderes im Bereich Celtic-Punk, allerdings ist es da oft das einzige. Doch Fehrmann kann auch singen. Keine schiefen Töne, trotzdem kein Schnick Schnack, so wie oft im reinen Folkbereich. Und das trifft auch  auf seine Bandkollegen zu. Oder um ein anderes Beispiel zu nennen: Reels gehören offensichtlich zum Repertoire. Diese Instrumentalstücke können wirklich anstrengend werden. Und da meine ich nicht nur Sessions in Pubs eurer Wahl. Wide Range hingegen spielen zwei komplette Reels auf der Platte verteilt und lassen sie ansonsten immer mal wieder in ihren anderen Songs aufklingen, wodurch „A Place in the Choir“  aufgelockert wird. Um es klar zu sagen, Reels nerven hier nicht.

Bleibt nur die Frage, ob es auch was Schlechtes gibt? Ja, „Joybringer“ ist mir zu verkitscht und der Internetauftritt sagt mir, dass ich nicht die Zielgruppe von Wide Range bin. Die Texte dort kommen in einem Agentursprech von 2000 daher und das finde ich schade. Andererseits bekommt ihr dort auch „A Place in the Choir“ im Shop und die solltet ihr mal antesten.  

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