Connemara Stone Company ~ For one Ireland / Dragonfly (2009)


Nach fünf Jahren Pause legt die Connemara Stone Company gleich zwei Werke vor, ein Studio- und ein Livealbum.

For One Ireland ist allerdings nicht ganz neu. Die 2. CD der Band erschien 1998 und verkaufte sich bislang über 4000-mal. Grund genug, die Bänder neu zu mastern und mit vier Bonustracks versehen neu aufzulegen. Dragonfly wurde im vergangenen Sommer live beim Folk im Schlosshof aufgenommen.

For one Ireland – again

For one Ireland – again bietet mit jetzt 78 Minuten eine Menge Stoff für die Ohren. Schon bei den ersten Akkorden der akustischen Gitarre fällt der volle, satte Sound der runderneuerten Studiotakes auf. Davon profitieren alle Beteiligten, vom Gesang bis zu den Toms des Schlagzeugs. Die E-Gitarrensoli strahlen. Der Bass, der live eher im Hintergrund steht, kommt rund und kräftig rüber.

Wie gewohnt gibt es neben bekannten Traditionals Instrumentalsets und eigene Lieder. The Days of the Great Famine erinnert eindrücklich an die große Hungerkatastrophe von 1848 in Irland. Beschwingter wird es beim regionalen Radio-Hit Boys from the Ruhr. Das ist eine marschähnliche Hymne, die vom Spielmannszug Volmarstein samt Trommeln und Glockenspiel unterstützt wird. Das funktioniert prima und zeigt wiederum das Talent der CSC für stimmige Arrangements.

Die krachenden Evergreens wie Brave Bold Donnelly brauchen keine Vergleiche zu scheuen. Aber auch ein guter Leadsänger könnte manchmal Verstärkung gebrauchen: Bei Ye Jacobites würde man sich einen mehrstimmigen Refrain wünschen. Interessant finde ich die seltener zu hörenden Cover, etwa the Peeler and the Goat mit dem Zungenbrecher-Refrain.

Schooldays Over erinnert daran, dass Ewan MacColl mehr tolle Songs als nur Dirty Old Town geschrieben hat. Sunday, Bloody Sunday, der wohl politischste Hit von U2, bezieht sich auf den Blutsonntag von Derry, als friedliche Demonstranten durch Schüsse britischer Soldaten getötet wurden. Eine klare Parteinahme und eine gelungene Rocknummer.

Eine weitere Stärke der CSC ist ihre rockige Interpretation von Balladen. Black is the Colour und The Town I loved so well haben keine Chance, ins Kitschige abzurutschen. Als Instrumental-Set gefallen mir die auf der E-Gitarre gespielten Jigs alias The red Lark mit den cleveren Tonartwechseln. Das abschließende Weihnachtslied A Child is Born besteht aus einem eigenen Text zu einer überlieferten irischen Melodie, mit viel Soundeffekt dramatisch inszeniert. Es zierte übrigens unsere Weihnachts-Radioshow.

Dragonfly

Man stelle sich vor: einen sommerlichen Schlosshof mit erwartungsvollem Publikum. Ein Highland-Dudelsack beginnt eine langsame Melodie zu spielen. Ein zweiter setzt ein. Die Melodie wird zu einem fröhlichen Marsch. Dann setzt die ganze Band ein, mit E-Gitarre, Drums und Whistle. Das ist der Opener von Dragonfly. Set und Arrangements sind ist sehr geschickt aufgebaut; die Atmosphäre und Spannung bleiben über die ganze Länge des Auftritts erhalten. Zum Glück sind Ansagen und Beifall weitgehend rausgeschnitten. Dass es ein live-Auftritt ist, merkt man eher daran, dass sich die Band immer weiter steigert.

Als Verstärkung hat sich die CSC ein Highland Piper-Duo an Land gezogen. Das funktionierte schon in Volmarstein 2008 recht gut, für den live-Einsatz wie beim ‚Folk im Schlosshof’ ist die Kombination wie geschaffen.

Mit dem Bonnie Ship the Diamond nimmt die Musik stärker Fahrt auf. Mein Anspieltipp ist Go Move Shift!, MacColls Lied über das Schicksal der ‚Travellers’, das den richtigen – und nötigen – Biss hat. Das eigene Wild West Wind fällt dagegen keineswegs ab.
Bei dem Tune-Set For one Ireland hört man aber doch heraus, dass die Geige nur ein Nebeninstrument des Gitarristen ist. Mit viel Herz gesungen wird Red is the Rose / Loch Lomond, ein kleiner Gruß in Richtung Run Rig.

Dunmore Lasses ist mit 10 Min. bei weitem der längste Track. Nach dem namensgebenden Slow Reel mit Whistle und Fiddle folgen nahtlos Follow me up to Carlow und die Ballade vom Bonnie Light Horseman. Das militärische Thema wird in den nächsten beiden Instrumentalstücke weitergeführt. The Gael und das ohrwurmartige Greenlands rücken die Pipes noch einmal effektvoll in den Mittelpunkt.

Das Intro von Whiskey in the Jar klingt mit Trommeln und zwei Flöten wie ein Mini-Spielmannszug – es ist aber das Partystück des Flötenspielers, der zwei Whistles gleichzeitig bläst. Der Song selbst profitiert vom angezogenen Tempo und der eingefügten Polka.

Einen stimmungsvolleren Konzertausklang als mit Auld Lang Syne, einem weiteren Klassiker, kann man sich kaum vorstellen. Whistle, E-Gitarre, Pipes und nicht zuletzt der Gesang schwingen sich zu neuen Höhen auf.Tipp:Für die nächste Silvesterparty bereithalten.

Der Sound ist für live-Verhältnisse gut, kommt aber natürlich nicht an die Studioaufnahmen heran. Beide CDs haben ihre Stärken: voller, ausgefeilter Sound vs. Liveatmosphäre. Aber man muss sich ja nicht für die eine und gegen die andere entscheiden.


Tracks:

For one Ireland … again

  1. Days of the great Famine
  2. Boys from the Ruhr
  3. For one Ireland
  4. The Town I loved so well
  5. Peeler and the Goat
  6. Whiskey in the Jar
  7. Black is the Colour
  8. Bucket of Mountain Dew
  9. The red Lark
  10. Schooldays over
  11. Brave bold Donnelly
  12. Ye Jacobites by Name
  13. Follow me up to Carlow
  14. Red is the Rose

Bonustracks:

  1. Bonnie ship the Diamond
  2. Cast a cold Eye
  3. Sunday bloody Sunday
  4. A Child is born


Dragonfly

  1. Dragonfly
  2. Bonnie ship the Diamond
  3. For one Ireland
  4. Go move shift
  5. Wild West Wind
  6. The Peeler and the Goat
  7. Red is the Rose/Loch Lomond
  8. Dunmore Lassies
  9. The Gael
  10. Greenlands
  11. Mountain Dew
  12. Whiskey in the Jar
  13. Auld Lang Syne


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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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