Loch Lomond / Red is the Rose

lochquerEinführung

Es ist eine Melodie, die das Herz berührt. In irgendeiner Variante hat sie bestimmt jeder schon einmal mitgesungen oder zumindest gesummt. Passend dazu gibt es eine romantische Rebellengeschichte aus dem 18. Jahrhundert. Aber wie es sich für einen Mythos gehört, lässt sich die Herkunft nicht restlos aufklären.

Der eigentliche Titel ist By the Bonnie Banks of Loch Lomond ( an den schönen Ufern des..) Der namensgebende See ist offenbar eine Reise wert. Loch Lomond nordwestlich von Glasgow kann den Anspruch erheben, der berühmteste See Schottlands zu sein. Als Konkurrent käme höchstens noch das Biotop von Nessie in Frage. Loch Lomond ist der Süßwassersee mit der größten Fläche in Großbritannien. Geologisch liegt er an der Grenze von Highlands und Lowlands. Die Gegend mit dem 954m hohen Ben Lomond ist seit 2002 Nationalpark. Es gibt zwei Straßen, eine viel befahrene Bundesstraße, dann den Fußweg, der zum West Highland Way gehört. Mit der high- und der low road ist aber etwas anderes gemeint.

Melodie

Die Melodie von Loch Lomond. und Red is the Rose ist praktisch identisch. Man kann die schottische Version als Marsch im etwas langsameren Strathspey-Rhythmus betrachten. Der Geiger Nathaniel Gow soll sie 1819 veröffentlicht haben. Gedruckt erschien die Melodie jedenfalls 1841, allerdings noch mit einem anderen Text. Sie soll in Schottland zu der Zeit unter dem Namen Kind Robin Lo’es Me geläufig gewesen sein.

Inhalt

Hier zunächst eine bekanntere Textfassung:lomond

By yon bonnie banks and by yon bonnie braes
Where the sun shines bright on Loch Lomond
Where me and my true love will ne-er meet again
On the bonnie, bonnie banks o’ Loch Lomond.

Refrain:
O ye’ll tak’ the high road and I’ll tak’ the low road
And I’ll be in Scotland afore ye
But me and my true love will ne-er meet again
On the bonnie, bonnie banks o’ Loch Lomond.

‘Twas there that we parted in yon shady glen
On the steep, steep sides o’ Ben Lomond
Where deep in purple hue, the highland hills we view
And the moon comin’ out in the gloamin’.

The wee birdies sing and the wild flowers spring
And in sunshine the waters are sleeping
But the broken heart, it kens nae second spring again
Tho’ the waeful may cease frae their greeting.

Die Legenden über den Ursprung gehen zum Jahr 1745 zurück, zum 2. Aufstand der Jakobiter. Die Erhebung um den legendären Bonnie Prince Charlie wurde niedergeschlagen. Der Text soll auf einem Brief beruhen, den der junge Soldat Donald McDonald an seine Geliebte Moira schrieb, während er in der Burg von Carlisle auf seine Hinrichtung wartete. Ihr Name taucht im Text auf.

Eine andere Fassung legt ein Gespräch zwischen zwei gefangen genommenen Soldaten zugrunde. Während der eine frei kommen und auf der high road wieder heim reisen wird, rechnet der Verfasser mit seiner Hinrichtung. Nach einem keltischen Glauben wird der Geist eines Schotten, der im Ausland stirbt, auf der low road in die Heimat zurückkehren – möglicherweise ist die Unterwelt gemeint. Natürlich wäre der Geist des Verstorbenen schneller am Ziel.

1820 druckte John Sanderson in Edinburgh ein Liederblatt mit seiner Version, die vermutlich eine Bearbeitung des existierenden Volksliedes war. Solche ‚Broadsheets’ waren sehr beliebt und wurden für kleines Geld in den Straßen verkauft. Oft wurden aktuelle oder selbst zusammengestoppelte Texte zu bekannten Melodien gedruckt. Eine Dame, Lady Scott, soll einen Jungen das Lied auf der Straße singen gehört haben. Daraus hätte sie eine Fassung erstellt, die wiederum weite Verbreitung fand. Das klingt mir aber mehr wie eine Szene aus einem Charles Dickens – Roman.

Es war ein beliebtes Balladenmotiv, einen zum Tode Verurteilten quasi auf den Stufen des Schaffotts noch mal das Wort an die Nachwelt und besonders an die Geliebte richten zu lassen. Blühende Blumen und singende Vögel sind Naturbilder für die angesprochenen großen Gefühle: Liebe, Treue, Schmerz, Trauer. Die Geliebte singt von ihrem Grab auf der Heide und stirbt an gebrochenem Herzen.

In einer Textversion erlebt die Braut im Traum eine Zukunftsvision: Sie sieht sich und ihren Ranald als Bräutigam und Braut, aber sein Atem ist kalt wie der Tod, und sein Blut färbt die Heide rot. Furchtlos im Kampf und zart in der Liebe sei er gewesen, keinen Fuß wäre er vor den Feinden zurückgewichen.

I trysted my ain love the night in the broomwolke
My Ranald wha loves me sae dearly
For the morrow he marches for Edinburgh toon
To fecht for the King and Prince Chairlie

Oh, dauntless in battle as tender in love
He’d yield ne’er a foot to the foeman
And never again frae the field o‘ the slain
To Moira he’ll come and Loch Lomond

The thistle shall bloom, and the King hae his ain
And fond lovers meet in the gloamin‘
But I and my true love shall never meet again
By the bonnie bonnie banks of Loch Lomond

Die blühende Distel (die schottische Nationalpflanze) steht vermutlich für eine politischen Aufstieg und das Wohlergehen des Landes.

Es gibt auch noch die Geschichte, die Köpfe der hingerichteten Rebellen seien nach der Hinrichtung auf Lanzen zwischen London und Glasgow als Abschreckung zur Schau gestellt worden, und zwar auf der befestigten high road. Die Angehörigen der Rebellen zogen auf der low road heim, die der einfachen Bevölkerung vorbehalten war.

In jedem Fall bediente die Legende die romantischen Vorlieben des 19. Jahrhunderts. Um 1876 verfasste Andrew Lang auf schottisch sein Gedicht The Bonnie Banks o‘ Loch Lomond, wobei er auf die genannten Motive zurückgriff. Hier taucht auch der berühmte Refrain auf.

There’s an ending o‘ the dance, and fair Morag’s safe in France,
And the Clans they hae paid the lawing,
And the wuddy has her ain, and we twa are left alane,
Free o‘ Carlisle gaol in the dawing.

Morag (Prinz Charlie) ist nach Frankreich geflohen, die Getreuen enden am Galgen. Bei Lang stirbt die Frau nicht aus Liebe, sondern aus Kummer, dass die Sache der Rebellion gescheitert ist. Es folgt eine Racheschwur, der Verfasser will weiter kämpfen, bis er selbst am Galgen baumelt.


Red Is The Rose

Auch in der irischen Variante geht es um Liebe, Trennung und Tod. Ein politisch-historischer Hintergrund ist aber nicht erkennbar. Das Mädchen bleibt zu Hause an den Ufern des Boyne (oder Foyle), der junge Mann muss (als Soldat?) in die Welt hinaus ziehen und kehrt nicht zurück. Zwischen Killarney und dem River Boyne liegen eine Menge Meilen, aber geographische Bezeichnungen wurden gerne nach Bedarf ausgetauscht.

Come over the hills my handsome Irish lad Powersc_Rose
Come over the hills to your darling
You choose the road love, and I’ll make a vow
That I’ll be your true love forever

Red is the rose by yonder garden grows
And fair is the lily of the valley
Clear is the water that flows from the Boyne
But my love is fairer than any

Down by Killarneys green woods we did stray
The moon and the stars they were shining
The moon shone it’s rays on his locks of golden hair
And he swore he’d be my love forever

Red is the rose by yonder garden grows
And fair is the lily of the valley
Clear is the water that flows from the Boyne
But my love is fairer than any

It’s not for the parting that my sister pains
It’s not for the grief of my mother
It’s all for the loss of my handsome Irish lad
Now my heart is broken forever

Red is the rose by yonder garden grows
And fair is the lily of the valley
Clear is the water that flows from the Boyne
But my love is fairer than any

Das Lied geht vor allem auf zwei irische Sänger zurück, die es in den USA populär machten. Joe Heaney aus Co. Galway (1919 – 1984) war ein herausragender Vertreter des traditionellen Sean Nos-Stils. Zwei Jahre bis kurz vor seinem Tod verbrachte er als ‚Artist in Residence’ an der Universität Seattle. Sein Repertoire ist auf zahlreichen Schallplatten dokumentiert. Joe Heaney meinte, Red is the Rose sei älter als Loch Lomond. Ich vermute, dass beide Lieder auf Fragmente einer erheblich ältere Ballade zurückgehen.

Als Compagnon der Clancy Brothers machte der Nordire Tommy Makem (1932 – 2007) Karriere. Das Lied lernte er aller Wahrscheinlichkeit nach von seiner Mutter, der Sängerin Sarah Makem. Dies hinderte ihn jedoch nicht daran, Red is the Rose als eigene Komposition mit seinem Copyright versehen zu lassen. Andersherum liegt die Sache bei Four Green Fields und The Rambles of Spring, die er tatsächlich verfasste, obwohl sie oft als Traditionals gelten.

Aufnahmen

Es gab in den letzten hundert Jahren Versionen in den verschiedensten Stilen. Bereits 1901 erschien eine Schallplatte, auf der Loch Lomond als Teil eines Medleys gesungen wurde. Die weite Verbreitung in den USA geht u.a. auf Benny Goodman zurück, der es 1937 mit seiner Jazzband aufnahm. Bill Haley veröffentlichte 1957 die erste Rock-Version. Einflussreich war auch die Fassung des schottischen Folk-Duos The Corries.

Von AC/DC bis zur Chillout-Version von Skully gibt es eine Menge aktuelle Interpretationen, wobei die Vielfalt im celtic-rock- Bereich natürlich besonders groß ist. Am meisten haben wohl Runrig für die heutige Popularität von Loch Lomond getan. Keins ihrer Konzerte darf ohne diese vielstimmig mitgesungene Erkennungsmelodie der Band zu Ende gehen, so dass sich der Song zu einer Art schottischer Nationalhymne entwickelte.
Die Rheinländer kennen die Melodie als Vereinshymne des 1. FC Köln. Die Höhner singen: „Mir stonn zo Dir FC Kölle.“
Auch beim Fußball geht es schließlich um Treue…


Youtube

Alle Lieder aus dieser Serie gibt es in unserem Youtube-Channel in der Playliste ‚Story behind the Song’.







http://www.youtube.com/view_play_list?p=E972026F5CAAC63F

kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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