Eva Cassidy ~ The Best of Eva Cassidy (2012)

The Best of Eva Cassidy
The Best of Eva Cassidy

Das Prädikat „post mortem“, ungeachtet des ihn forcierenden Umstands, ziert eine Vielzahl von Alben renommierter Namen und verleiht einem Album unbedingtes Gewicht. Dass ein Name aber erst nach dem Tod zur Größe avanciert, ist zwar kein Novum, repräsentiert jedoch auch nicht das Alltägliche. Maßgeblich für diesen Erfolg mag die Interpretation von Over the Rainbow sein, mit dem die verstorbene Sängerin die Grenzen ihre Bekanntheit über die Grenzen Washington DC sprengte.

The Best of Eva Cassidy reiht sich nur schwerlich in die Riege der bei Celtic Rock besprochenen Alben ein. Zwar interpretiert Cassidy auch folk- und countryartige Klassiker, die sich zwischen Soul, Gospel, Blues und Jazz ebenso geborgen fühlen, wie der überwiegend popartige Duktus, aber der Liebhaber beschwingterer Rhythmen wird hier vergeblich Titel auf Titel auf seinen Anteil warten.

Der einzig bisher unveröffentlichte Titel You Take My Breath Away eröffnet mit ruhigen Klängen den Silberling und beweist sich als stilistischer Wegweiser des kompletten Albums. Ob nun Piano-, Streicher- oder Gitarrensounds – das Album zentriert sich mit aller Macht auf die Stimme Cassidys, dich sich zwischen voluminösen Vibrato und glasklarer Korrektheit ihren Weg umweglos in das musische Gehör bahnt. Der Youtube-Dauerbrenner, Fields of Gold, weist die Eigenarten der Sängerin par excellence aus:

So kleidet sich der sehnsuchtsvolle Klassiker Stings nun in ein melancholisches Gewand, das Text und Melodie ganz vortrefflich ziert. Zwar moduliert Cassidy die Stimmführung bisweilen, doch en gros bleiben die Titel diesbezüglich unverändert. Vielmehr sind es Instrumentierung und die Mäßigung des Originaltempos, die aus dem Bekannten ein Gegenteiliges hervorbringen. So wird aus den spätsommerlichen Feldern, dem Ort vergangener Erinnerungen und Anlass positiven Erinnerns, ein Refugium der Stille – eine Hommage an die unhaltbare Leichtigkeit des Seins.

Dass sich diese Assoziation durch alle Lieder zieht, mag zum einen dem Umstand geschuldet sein, dass auch der der CD beiliegende Text, den tragisch-tapferen, letzten Auftritts in heroisch-trauernden Wortbildern zeichnet, in der eine von Krankheit und Erschöpfung gezeichnete Cassidy ihr letztes musikalisches Plädoyer mit What a Wonderful Word beendet.

On the 17th of September 1996 a young woman, accompanied by a few dozen family and friends, attended her own tribute concert in a small club in Georgetown, Washington DC. Transcending the effects of chemotherapy and morphine in that moment, the singer abandoned her walker and was helped onto the stage for what would be her final performance, What a Wonderful World. A few weeks later Eva Cassidy passed away, having been diagnosed with melanoma months earlier.

Zum anderen mag es aber auch im konsequenten Gesamtsound liegen. The Best of Eva Cassidy überzeugt nicht durch instrumentelle Raffinesse, nicht durch Originalität im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr durch den Mut zur Interpretation. Grade die ausgesprochenen Klassiker ihres Albums sind wahrscheinlich hundertfach interpretiert worden. Mit Mut zum Minimalismus und dem Avancieren der Stimme zum alleinigen akustischen Fixpunkt des Albums schafft dieses Konglomerat der Besten ein musikalisches Novum der anderen Art, das ebenso wenig verbalisier- wie haltbar ist. Das Bekannte so zu kleiden, dass es sich einem Erinnern nicht entzieht, dieses aber nicht forciert, sollte viel häufiger Anspruch musischen Schaffens sein.

 

Seicht ohne Oberflächlichkeit,

traurig ohne Bitterkeit,

konsequent ohne Klischee –

dies sei Eva Cassidy.

 

Trackliste

  1. You Take My Breath Away
  2. Kathy’s Song
  3. Songbird
  4. What a Wonderful World
  5. Wade in the Water
  6. Ain’t No Sunshine
  7. Time After Time
  8. Autumn Leaves
  9. I Can Only Be Me
  10. Fields of Gold
  11. It Doesn’t Matter Anymore
  12. Imagine
  13. Over the Rainbow
  14. True Colours
  15. Danny Boy
  16. People Get Ready
  17. Anniversary Song
  18. Early Morning Rain
  19. I Know You by Heart
  20. Tall Trees in Georgia

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