Seven Little Sisters ~ Cow Trousers (2010)

Genau genommen handelt es sich bei der Folkformation Seven Little Sisters um eine sechsköpfige, musische Herrengemeinschaft. Und so offenbart schon der Name des Sextetts einen ironischen Selbstwiderspruch. Was sich genau hinter dem Titel des 2010 erschienen Albums verbirgt, bleibt wohl optische oder moralische Eigenheit der kuhhautbehosten Briten.

Der Silberling eröffnet irritierend dissonant mit „Long Way“. Der diletantisch-kratzige Geigensound in nahezu amelodischer Melodieführung wird in gleicher Manier von einem Banjo umspielt, bevor der Einsatz der restlichen Instrumente – Bass, Schlagzeug, Perkussion, Gitarre, Akkordeon, Whistles, usw. – dem Hörer endlich Erleichterung verschafft. Der Gesang des Bandkopfs Jon Harris ist charakteristisch, dabei aber niemals überdominant, was dem Album en passant einen wohligen Beigeschmack verleiht.

Bass und Schlagzeug (ent)führen stringent in ausgelassene Südstaatenlagerfeuerstimmung, bei der Tanz und sinnfreie Publikumseinwürfe, wie bspw. das irre Geschrei eines Affen, nicht fehlen dürfen. Auch für den Mut zum Nonsens gebührt den Herren Schwestern ein großer Dank. Rezipienten, die Folk und sich selbst nicht gern karikiert sehen, dürften vielleicht an der ein oder anderen Stelle mit dem Album hadern. Bei nimmermüden infantilen-Spaß-Verteidigern muss diese Scheibe einfach bleibenden Eindruck hinterlassen. Überaus angenehm setzt sich die prosodische Umsetzung des wir-nehmen-uns-nicht-permanent-ernst auf dem ganzen Album fort.

Nach zwei Titeln feinsten Folks, der an feier- und tanzwütige Live-Auftritte erinnert, zeigen sich die Sieben (weniger eins) von ihrer ruhigen Seite. Doppelsaitiger Largosound, getragen von percussiver Minimalistik und angenehmem (und vielleicht gewollten) Laiengesang tragen den hörwilligen Rezipienten hinfort. Where the Wind Blows ist definitiv ein Ohrwurm des Albums, der auch am durchgehend unstimmigen Fiddleklang keinen Schaden nimmt. Bedauerlicher Weise trifft das nicht für alle Titel des Albums zu, denn das Manko des Silberlings entpuppt sich an vielen Stellen als störender Hinhörer. Reich technisch ist das Violinenspiel äußert realistisch – will sagen: Live verzeiht man viel, aber nicht bei einer Studioproduktion. So hapert es an einigen Stellen derartig, dass man, ob des wohligen Restgesamtklangs, irritiert aufhorcht und seinen Ohren nicht trauen mag. Erschwerend kommt hinzu, dass Master- und Mixingarbeit beim Streicher leider nicht gelungen sind.

Insgesamt bleibt die CD jedoch ein Hörgenuss. Streicht man zuvor genannte Unzulänglichkeit überraschen Vielstimmig- und Einfühlsamkeit an vielen Stellen die Chamäleonhaftigkeit der britischen Hitz- und Kindsköpfe. Problemlos gelingt dem Album die Gradwanderung zwischen Eingängigkeit und Varietät. Und nebenbei bewältigen Seven Little Sisters den Drahtseilakt zwischen Neuinterpretation und wohlfeiler Zeitgemäßheit. Zwischen Country, Folk und Eigensud mäandernd, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eine Live-Eindruck von unabdinglicher Notwendigkeit sei. Wer also Lust am Nonsens hat und gelegentlich daheim allein das Tanzbein schwingt, auf der verstauten Autobahn bei guter Musik flucht oder einfach mal wieder Lust auf eine gelungene Mischung aus Altem und Neuem hat, ist mit Cow Trousers gut beraten.

Trackliste

  1. Long Way
  2. Play it Clean
  3. Where the Wind Blows
  4. Role Reversal Drama …
  5. ‘Til You Lie Dead
  6. Concrete and Glass
  7. Miss Percy’s / Sally Gardens
  8. As the Crow Flies
  9. River Song
  10. Way to Go
  11. Promised Land

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